Elektronische Patientenakte oder Gesundheitsakte

Lebenslanger Speicher für Gesundheitsdaten und Gesundheitsdokumente

Die elektronische Patientenakte ist die Schlüsselanwendung zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Zurzeit sind Patientendaten nicht zentral erreichbar, sondern liegen verstreut bei Krankenkassen, Krankenhäusern, Ärzten und Therapeuten. Röntgenbilder werden mehrfach hergestellt, Laborbefunde doppelt erhoben. Damit soll Schluss sein. Ob "Vivy" oder "TK-Safe": Die elektronische Gesundheitsakte kommt. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen ihren Versicherten ab 2021 eine elektronische Patientenakte anbieten. Patienten erhalten einen Anspruch darauf, das Ärzte und Krankenhäuser die Patientenakte auch füllen.

Verschiedene Anbieter konkurrieren um die beste Lösung. Die Techniker Krankenkasse setzt auf eine Anwendung von IBM, andere Krankenkassen ziehen die Gesundheits-App des Berliner Unternehmens "Vivy" vor. Einen Vorteil haben alle Anwendungen: Ärzte können bei der Behandlung besser zusammenarbeiten, Doppeluntersuchungen werden vermieden, Behandlungskosten eingespart. Schließlich erhält auch der Patient selbst einen besseren Überblick über seine Gesundheitsdaten. Die Versicherten sollen selbst entscheiden können, ob sie elektronische Patientenakte nutzen möchten, welche Daten auf der Akte gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat. Versicherte können in der Patientenakte auch ihren Impfpass, ihren Mutterpass, das Heft für Kinderuntersuchungen oder ihr Bonusheft für Zahnbehandlungen speichern lassen.

TK-Versicherte können die elektronische Gesundheitsakte bereits testen. Sie enthält medizinische Behandlungsdaten, die anonym und verschlüsselt aufbewahrt werden. Für Notfälle können die Daten zusätzlich verschlüsselt auf dem Smartphone des Versicherten aufbewahrt werden und sind so auch offline verfügbar. Der Zugriff und die Speicherung der Daten erfolgt über eine Web-App im Smartphone und ist für Versicherte der Techniker Krankenkasse kostenlos. Der Versicherte schließt einen Hosting-Vertrag mit IBM, die TK übernimmt die Kosten. Wechselt er die Versicherung, so werden alle Daten nach 28 Tagen gelöscht. 

Die AOKen haben in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ein eigenes Modell zur elekronischen Gesundheitsakte gestartet. Patienten, niedergelassenene Äerzte und Kliniken können so ihre Gesundheitsdaten digital miteinander austauschen. Techniker Krankenkassen und AOK Baden-Württemberg wollen ihren Lösungen für die elektronische Gesundheitsakte in Zukunft zusammenführen. Die privaten Krankenversicherungen DKV, Generali und Signal Iduna sind an dieser Anwendung interessiert.

Der Krankenkassen-Dienstleister Bitmarck setzt auf die App "Vivy". Und das hat Gewicht: Bitmarck betreut die IT von rund 80 Krankenkassen. Auch die DAK, die Allianz Private Krankenversicherung, die Gothaer und die Süddeutsche Krankenversicherung haben sich für Vivy entschieden. 25 Millionen Versicherte können die App bald kostenlos nutzen. Mit der App können Patienten ihre Gesundheitsdaten auf ihr Smartphone oder Tablet übertragen und selbstständig verwalten. Die Vivy-Gesundheitsakte ist der TK-Lösung nicht unähnlich, erweitert sie aber um zusätzlich Gesundheits-Assistenzfunktionen.

Die App „Vivy“ als digitale Gesundheitsakte übernimmt mehrere Funktionen: Sie speichert Notfalldaten und wandelt den schiftlichen Medikationsplan in einen digitalen um. Sie warnt vor Arzneimittelunverträglichkeiten, wenn Patienten den Barcode einer Verpackung scannen. Die App erinnert Patienten durch einen integrierten Gesundheitsassistenten auch an die Medikamenteneinnahme sowie Arzt- und Impftermine und ist ihnen bei der Arztsuche behilflich. Darüber hinaus speichert die App ärztliche Dokumente wie Überweisungen, Bescheinigungen, Laborwerte, Medikationspläne oder Röntgenbilder. Ärzte können Patientendaten direkt per Fax oder Mail an die App senden.

Zugriff zu den Daten in der digitalen Gesundheitsakte haben nur Versicherte durch die Eingabe einer PIN. Die elektronische Gesundheitskarte ist hierfür nicht nötig. Die Versicherten allein bestimmen, welche Informationen in dieser digitalen Gesundheitsakte abgespeichert werden. Um ihre Gesundheitsdaten dort abzulegen, können Patienten Ärzte oder Kliniken bitten, Befunde per Mail oder Fax an die App zu schicken. Plan ist auch, dass später Informationen direkt von der Software der Arztpraxis auf die App übertragen werden können. Patienten können wiederum Ärzten Zugang zu ihren Daten erlauben. Die App „Vivy“ ist für die Versicherten der beteiligten Krankenversiicherungen kostenlos.

Angesichts der Vielfalt der bisher angegangenen Lösungen werden offene Standards wichtig sein, damit Versicherte beim Wechsel der Krankenversicherung ihre Daten mitnehmen können.

Ob eine Krankenkasse die elektronische Gesundheitsakte anbietet, erfahren Sie hier: Setzen Sie den Haken bei „elektronische Gesundheitsakte“ und starten die Suche.

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