Wer leistet mehr als vom Gesetzgeber gefordert?

Besondere Leistungen können den Ausschlag bei der Kassenwahl geben

Ein Großteil der Leistungen, die die gesetzlichen Krankenkassen anbieten, sind vom Gesetzgeber zwingend vorgegeben. Zu den Leistungen, auf die jeder Versicherte einen unbedingten Anspruch hat, zählen insbesondere die ärztliche, zahnärztliche und psychotherapeutische Behandlung, die Versorgung mit Arznei-, Verbands-, Heil- und Hilfsmitteln, die häusliche Krankenpflege, die Krankenhausbehandlung sowie die Leistungen zur medizinischen Rehabilitation.

Damit ist eine Grundversorgung der Versicherten auf, im internationalen Vergleich, sehr hohen Niveau gewährleistet. Neben diesen Pflichtleistungen wird den Krankenkassen aber zusätzlich ein gewisser Spielraum für Mehrleistungen, die sogenannten „besonderen Leistungen“, eingeräumt. So werden zum Teil Behandlungskosten für alternative Heilmethoden übernommen, die der Gesetzgeber nicht als Pflichtleistung bestimmt oder für Heilmittel über das Mindestmaß hinaus Kosten erstattet. Eine Angebotsübersicht über die wichtigsten besonderen Leistungen, die über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehen, finden Sie mit unserem Krankenkassen-Rechner. Im folgenden finden Sie eine Auflistung der gängigen besonderen Leistungen.

Betriebliche Gesundheitsförderung
Krankenkassen können Unternehmen, bei denen ihre Versicherten tätig sind, bei der Gesundheitsförderung unterstützten. Dabei sind sie verpflichtet, sich an Richtlinien mit Qualitätsanforderungen zu halten, die alle Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen gemeinsam erlassen haben. Betriebliche Gesundheitsförderung kann in folgenden Bereichen finanziell oder anderweitig unterstützt werden:

  • Vorbeugung und Reduzierung arbeitsbedingter Belastungen des Bewegungsapparates (z.B. Rückenkurse, gesunde Schreibtischstühle)
  • Gesundheitsgerechte betriebliche Gemeinschaftsverpflegung (z.B. Schulung des Küchenpersonals der Betriebskantine)
  • Stressmanagement und gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung (z.B. praktische Einübung von Stressreduktionsmethoden oder Trainingsprogramm für Führungskräfte)
  • Besserer Umgang mit Suchtmitteln, zum Beispiel durch das Leitbild „0 Promille am Arbeitsplatz“

Weitere Informationen zur betrieblichen Gesundheitsförderung finden Sie hier.

Haushaltshilfe
Der Gesetzgeber sieht zwingend eine Haushaltshilfe vor für den Fall, dass die Weiterführung des Haushalts nicht möglich ist und im Haushalt ein Kind lebt, das bei Beginn der Haushaltshilfe das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder das behindert und auf Hilfe angewiesen ist. Der Versicherte kann den Haushalts nicht weiterführen, wenn er zum Beispiel im Krankenhaus liegt, sich in einer Reha-Klinik aufhält oder zu Hause häusliche Krankenpflege erhält.

Weitere Informationen zur Haushaltshilfe finden Sie hier.

Häusliche Krankenpflege
Versicherte erhalten in ihrem Haushalt oder ihrer Familie neben der ärztlichen Behandlung häusliche Krankenpflege durch geeignete Pflegekräfte. Dieser Anspruch besteht, wenn dadurch ein Krankenhausaufenthalt vermieden oder verkürzt werden kann, oder wenn eine Behandlung im Krankenhaus nicht möglich ist. Der gesetzliche Anspruch besteht bis zu vier Wochen. Freiwillig können die Kassen diesen Zeitraum verlängern.

Weitere Informationen zur häuslichen Krankenpflege finden Sie hier.

Minimalinvasive operative Behandlung
Unter minimal-invasiver Chirurgie versteht man heute die Verkleinerung des Hautschnittes zur Durchführung eines operativen Eingriffs unter Einsatz moderner Video- oder Röntgentechniken. Zahlreiche operative Eingriffe können so heutzutage ambulant durchgeführt werden. Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich gibt es einige Krankenkassen, die für diese chirurgische Methode aufkommen.

Weitere Informationen zur Minimalinvasiven Chirurgie finden Sie hier.

Modellvorhaben
Der Gesetzgeber räumt den gesetzlichen Krankenkassen die Möglichkeit ein, sogenannte „Modellvorhaben“ anzubieten. Sie sind auf maximal acht Jahre zu befristen und dienen unter anderem der Möglichkeit, Therapien oder Behandlungsmethoden auszuprobieren. Fragen der biomedizinischen Forschung sowie Forschungen zur Entwicklung und Prüfung von Arzneimitteln und Medizinprodukten dürfen hingegen nicht Gegenstand von Modellvorhaben sein.

Weitere Informationen zu Modellversuchen finden Sie hier.

Persönliche Beratung
Viele Krankenkassen bieten eine persönliche Beratung in ihren Räumen an. Möglich ist aber auch eine Beratung im Krankenhaus oder zu Hause.

Weitere Informationen zur Beratung finden Sie hier.

Präventionsmaßnahmen / Impfungen
Leistungen zur Primärprävention sollen den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und Krankheiten vorbeugen. Dazu zählen auch Impfungen. Hier tut sich ein weites Feld auf: Präventionsmaßnahmen, die nicht vom Gesetz geregelt sind, können unter anderem Ernährungsberatung, Rückenschule, Herzinfarktprävention, Impfungen, Suchtmittelprävention oder sogar Gesundheitskurse im Urlaub umfassen.

Weitere Informationen zu Präventionsangeboten der Kassen finden Sie hier.

Stationäre / ambulante Hospizleistungen
Hospizleistungen werden gegenüber unheilbar kranken Patienten erbracht. Sie sollen ihre womöglich letzten Lebenswochen in einem angenehmen Umfeld verbringen können und sollen nicht an das Krankenhausbett gebunden sein. Hierzu bieten manche Kassen freiwillig erweiterte Hospizleistungen an. Davon zu unterscheiden ist die spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Diese wurde durch die Gesundheitsreform 2007 eingeführt. In abgespeckter Form bietet sie ähnliche Leistungen und ist eine Pflichtleistung für alle Versicherten.

Weitere Informationen zu erweiterten Hospizleistungen finden Sie hier.

Unterstützung bei Behandlungsfehlern
Unter einem Behandlungsfehler wird jeder Verstoß gegen ärztliche Pflichten verstanden. Meist wird der "medizinische Standard" nicht eingehalten. Der umfasst Behandlungsmethoden und Erkenntnisformen, die generell ausgeübt werden und nicht umstritten sind. Wenn dem Patienten durch den Behandlungsfehler ein Schaden entstanden ist, gibt es für ihn außergerichtliche und gerichtliche Wege, Schadensersatz oder Schmerzensgeld geltend zu machen. In vielen Fällen bieten die Krankenkassen für solche Fälle eine Unterstützung an. Die kann z.B. in Form einer kostenlosen Rechtsberatung, der Weitergabe von Adressen der Ansprechpartner in Patientenschutzverbänden o.ä., Vermittlung von Informationen und der Erstellung eines Gutachtens erfolgen.

Weitere Informationen zur Unterstützung bei Behandlungsfehlern finden Sie hier.

Zuschuss zu Vorsorgekuren
Bei Vorsorgekuren handelt es sich um eine Ermessensleistung der Krankenversicherung zur Verhütung von Krankheiten. Voraussetzung ist, dass eine Schwächung der Gesundheit beseitigt werden kann, die in absehbarer Zeit zur Krankheit führen würde, oder dass der Gefährdung der gesundheitlichen Entwicklung eines Kindes oder einer Pflegebedürftigkeit entgegengewirkt werden kann. Reichen Maßnahmen im Rahmen der ambulanten Behandlung am Wohnort des Versicherten nicht aus oder sind diese nicht geeignet, kann eine ambulante oder eine stationäre Vorsorgekur bewilligt werden.

Bei ambulanten Kuren muss die Kasse nur die Behandlungskosten zahlen. Fahrtkosten, Unterkunft, Verpflegung und Kurtaxe muss der Versicherte selber übernehmen. Manche Kassen leisten dafür einen Zuschuss bis 13 Euro am Tag.

Weitere Informationen zum Zuschuss für Vorsorgekuren finden Sie hier.

Ärztehotline
Viele Kassen bieten Gesundheitstelefone an. Ärzte und Vertreter anderer medizinischer Berufe informieren zu verschiedenen Fachgebieten.

 

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