Mitschwimm-Demos gegen Badeverbot in der Spree starten

Mit Mitschwimm-Demos protestiert der Verein Flussbad Berlin gegen das
Badeverbot in der Spree. Was die Initiatoren fordern und warum die
Umweltverwaltung beim Verbot bleibt.

Berlin (dpa/bb) - Aus Protest gegen das pauschale Badeverbot in der
Spree hat der Verein Flussbad Berlin erneut zu einer Reihe von
Mitschwimm-Demos aufgerufen. Die erste in diesem Jahr ist für den
Nachmittag geplant. Dann sollen Schwimmerinnen und Schwimmer am
Schinkelplatz in Berlin-Mitte im Spreekanal ins Wasser steigen, wie
der Verein ankündigte. 

Vorgesehen sind jeweils am 20. des Monats insgesamt fünf solcher
Mitschwimm-Demonstrationen, mit denen der Verein im Wahlkampf Druck
auf die Parteien machen will. Am 20. September ist die Wahl zum
Berliner Abgeordnetenhaus. 

Zum Auftakt am Mittwoch lautet die Losung «101 Jahre Badeverbot
abwählen!». Seit dem 20. Mai 1925 ist Baden in der innerstädtischen
Spree nicht mehr erlaubt. Die zunehmende Verschmutzung des Flusses
und damit verbundene Gesundheitsgefahren waren damals der Grund
dafür. 

Die Umweltverwaltung hat darauf hingewiesen, dass Baden im Spreekanal
weiterhin untersagt sei und es keine Ausnahmegenehmigung für
Schwimmdemonstrationen gebe. «Wer im Rahmen dieser Veranstaltungen in
den Spreekanal steigt, handelt daher rechtswidrig und auf eigenes
Risiko», teilte sie mit.

Verein will eine Pilotbadestelle durchsetzen

Zentrale Ziele des Vereins sind die Aufhebung des pauschalen
Badeverbots und die Einrichtung einer Pilotbadestelle im Spreekanal,
der möglichst weitere Badestellen folgen sollen. «Die Wasserqualität

ist in der Saison in über 80 Prozent der Zeit nachweislich
ausreichend gut, um das sichere Baden zu ermöglichen», argumentiert
Vereinsvorstand Jan Edler. 

«Und wir verfügen heute über technische Systeme zur Prognose der
aktuellen Wasserqualität.» Ein entsprechendes Monitoringsystem für
den Spreekanal gebe es seit 2023. «Bislang hat die Senatsverwaltung
nicht auf unsere Forderungen reagiert», kritisierte Edler. 

Laut der Badegewässerverordnung ist Baden in der Spree mitten in
Berlin komplett verboten. Die Umweltverwaltung sieht aktuell keinen
Anlass, das zu ändern oder Ausnahmen zu ermöglichen. Sie weist auf
Bedenken des zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales
(Lageso) hin. 

Infos zur Wasserqualität gibt es per App 

Wenn es zum Überlaufen der Berliner Mischwasserkanalisation kommt,
kann die Spree dadurch verschmutzt und möglicherweise auch mit
Krankheitserregern belastet werden. Die Wasserqualität kann sich zum
Beispiel nach einem Gewitterregen kurzfristig verschlechtern. 

Edler weist darauf hin, dass der Verein mit den Berliner
Wasserbetrieben zusammenarbeite und automatisierte Warnmeldungen
erhalte, wenn die Mischwasserkanalisation überläuft. 

Der Verein will es leichter machen, sich über die Wasserqualität zu
informieren und stellt entsprechende Daten fürs Smartphone oder
Laptop zur Verfügung. Auch Warnhinweise zu kurzfristigen
Verschlechterungen der Wasserqualität lassen sich per App abrufen,
wie Edler betont. 

Am «Fluss Bad Garten», der Informationsstelle des Vereins am
Spreekanal an der Friedrichsgracht, zeigt eine Fahne an, wie es um
die Wasserqualität bestellt ist - Grün signalisiert: alles gut, Rot
warnt vor dem Baden. 

Aus Sicht der Umweltverwaltung gibt es aber nicht nur hygienische
Bedenken. Sie verweist auch darauf, dass die Verordnung das Baden 100
Meter ober- und unterhalb von Brücken untersagt. Von solchen auf
Bundesrecht fußenden Regelungen könne das Land Berlin nicht einfach
abweichen.

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