WHO: Keine Hinweise auf gefährliche Hantavirus-Mutation

Nach dem Ausbruch auf einer Kreuzfahrt wurde das Virus analysiert. Es
scheint nicht aggressiver gegenüber bisher bekannten Stichproben.
Doch es gibt ungeklärte Fragen zum Übertragungsweg.

Genf (dpa) - Bei dem Hantavirus-Ausbruch auf einer
Atlantik-Kreuzfahrt war nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) wohl keine gefährlichere Mutation des Virus im Spiel.
Genetische Analysen und Vergleiche mit früheren Stichproben hätten
bislang keinen Hinweis auf eine leichtere Übertragbarkeit oder
schwere Krankheitsfälle im vorliegenden Ausbruch ergeben, sagte
WHO-Expertin Maria Van Kerkhove in Genf.

Im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» gibt es laut den
jüngsten Daten der WHO zehn Hantavirus-Fälle, von denen acht in
Labors bestätigt wurden. Bei einer elften Person aus den Vereinigten
Staaten habe sich ein ursprünglicher Infektionsverdacht nach mehreren
Tests nicht bestätigt, sagte Van Kerkhove. Drei Infizierte sind
gestorben, darunter eine Frau aus Deutschland. Alle drei sind
mittlerweile laborbestätigt.

Auf dem Schiff kursierte das südamerikanische Andesvirus. Es wird wie
alle Hantavirus-Typen in der Regel von Nagetieren übertragen, etwa
über Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub. Beim Andesvirus sind
vereinzelt auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen möglich, doch
normalerweise braucht es dazu andauernden, engen Kontakt.

Übertragung wirklich nur bei langanhaltendem Kontakt?

Es seien aber noch Fragen zu möglichen Infektionen mit weniger
intensivem Kontakt offen, räumte Van Kerkhove ein. Es sei nämlich
auch ein vergangener Ausbruch im Zusammenhang mit einer
Geburtstagsfeier bekannt, sagte sie. 

Die WHO geht davon aus, dass sich ein Passagier aus den Niederlanden
in Südamerika an Land infiziert hatte, bevor er in Argentinien an
Bord ging. Erste Erkenntnisse zu seinen Aktivitäten weisen laut der
WHO darauf hin, dass er vor der Kreuzfahrt möglicherweise bei
Vogelbeobachtungen im Süden Südamerikas mit Nagetieren in Kontakt
gekommen war. Gen-Analysen haben den Angaben zufolge ergeben, dass
die weiteren Infektionen wohl von Mensch zu Mensch passierten. Der
Niederländer und seine Frau sind verstorben. 

Die «Hondius» mit insgesamt etwa 150 Menschen an Bord hatte zuletzt
vor Teneriffa geankert. Die Passagiere wurden evakuiert und in ihre
Heimatländer transportiert, wo sie unter Quarantäne gestellt wurden. 


Wegen der mehrwöchigen Inkubationszeit des Virus könnten unter den
ehemaligen Passagieren noch weitere Fälle bekanntwerden, sagte
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dies sei aber kein Zeichen für
einen wachsenden Ausbruch, sondern für funktionierende
Überwachungsmaßnahmen.

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