Viel mehr Pflegeanträge in NRW - «Kraftakt für Angehörige»
Die Zahl der Pflegeanträge in NRW steigt rasant: Immer mehr Menschen
kämpfen mit Altersschwäche, chronischen Leiden, Depressionen oder
ADHS. Das ist nicht nur für die Betroffenen selbst eine Last.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Deutlich mehr Menschen haben in
Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren Leistungen aus der
Pflegeversicherung beantragt. Zuwächse gab es bei Erwachsenen im
Rheinland vor allem bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und
Depressionen, bei Kindern und Jugendlichen legte unter anderem die
Zahl der ADHS
(Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung)-Diagnosen zu.
Das geht aus Bilanzen der Medizinischen Dienste Nordrhein und
Westfalen-Lippe hervor. Verglichen wurden darin die
Pflegebegutachtungen zwischen 2019 und 2025. «Die Gesellschaft altert
dramatisch, und die Pflege von immer mehr Menschen ist ein Kraftakt,
den vor allem die Angehörigen leisten», sagte ein Sprecher des
Medizinischen Dienstes Westfalen-Lippe.
ADHS, Depressionen und chronische Krankheiten im Alter
Die Zahl der Gutachten wuchs demnach von 2019 bis 2025 im Rheinland
um mehr als 70 Prozent - von rund 266.000 auf über 456.000 im Jahr
2025. Beantragt wurde meist die Einstufung in einen Pflegegrad mit
den entsprechenden Leistungen. In Westfalen-Lippe legte die Zahl der
Pflegegutachten von rund 227.000 im Jahr 2019 auf 321.000 im
vergangenen Jahr zu.
Die Zahl der Gutachten in ADHS-Fällen stieg nach den Zahlen aus dem
Rheinland bei Grundschulkindern sprunghaft von rund 700 (2019) auf
3.900 (2025). Bei Erwachsenen im Rheinland sorgten Altersschwäche und
oft mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig am häufigsten für
Pflegebedürftigkeit.
Depression als pflegebegründende Diagnose verfünffachte sich im
Rheinland nahezu, von rund 2.500 Fällen im Jahr 2019 auf über 11.600
im Jahr 2025. Eine Auswertung nach Alter zeige dabei, dass bei
vergleichsweise jüngeren Pflegebedürftigen ein besonders hoher
Zuwachs zu verzeichnen sei, hieß es. Vielfach seien die Antragsteller
zwischen 50 und 65 Jahre alt.
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