WHO-Chef: Elf Fälle nach Hantavirus-Ausbruch auf «Hondius»

Der Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff beschäftigt
internationale Gesundheitsbehörden seit Tagen. Zum Abschluss der
Evakuierungsaktion ziehen zwei Akteure eine erste Bilanz.

Madrid (dpa) - Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff
«Hondius» geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von bislang
insgesamt elf Fällen aus. Neun Menschen seien positiv auf das Virus
getestet worden, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus
in Madrid bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Spaniens
Ministerpräsidenten Pedro Sánchez. Bei zwei weiteren Fällen gehe man

ebenfalls von einer Infektion aus. In dieser Zählung sind die drei
Todesfälle auf dem Schiff enthalten.

Sämtliche Betroffenen seien isoliert worden und stünden unter
strenger Überwachung, um das Risiko einer weiteren Übertragung zu
minimieren, betonte Tedros. Er stufte die Gefahr einer größeren
internationalen Ausbreitung als gering ein. Es sei aber möglich, dass
«wir in den kommenden Wochen weitere Fälle entdecken». Für die
weitere Beobachtung seien nun die Länder verantwortlich, in die die
Menschen gebracht worden seien.

Die WHO empfehle eine «strenge Überwachung» der Menschen - entweder
zu Hause oder in geeigneten Einrichtungen - bis zum 21. Juni,
erklärte Tedros weiter. Die Organisation habe Leitlinien für den
Umgang mit den evakuierten Passagieren ausgearbeitet. Die einzelnen
Staaten könnten diese jedoch anpassen. «Sie haben auch ihre
Souveränität. Wir können sie nicht zwingen, unsere Protokolle zu
übernehmen», sagte der WHO-Chef.

 «Vom Beispiel Spaniens lernen»

Tedros würdigte die von Spanien auf der Urlaubsinsel Teneriffa
geleitete Operation zur Evakuierung Dutzender Passagiere und
Crewmitglieder. «Spanien hat diese Operation sehr gut geleitet.»
Trotz Sorgen der Regionalregierung und der Kritik der konservativen
Opposition habe die spanische Zentralregierung beispielhafte
Solidarität gezeigt, so Tedros. «Die Welt braucht diese Art von
Freundlichkeit und Mitgefühl, wie sie die spanische Regierung gezeigt
hat. Ich glaube, die ganze Welt sollte stolz auf diese Reaktion
sein.» Er hoffe, «dass andere Länder vom Beispiel Spaniens lernen».


Sánchez bedankte sich bei den rund 400 spanischen Fachkräften für den

Einsatz. Spanien habe seine Verpflichtungen gegenüber den eigenen
Bürgern, aber auch gegenüber dem Rest der Welt erfüllt. Man wisse,
dass «globale Herausforderungen wie Gesundheitskrisen keine Grenzen
kennen» und internationale Zusammenarbeit sowie starke und gut
ausgestattete Organisationen wie die WHO erforderten, betonte der
sozialistische Politiker.

Die «Hondius» hatte am Sonntag den Hafen von Granadilla im Süden
Teneriffas erreicht. Mit Sonderflügen wurden Menschen vom Schiff
unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat gebracht. Am
Montagabend wurde die Evakuierung abgeschlossen. Das Schiff setzte
anschließend seine Fahrt mit einer Restmannschaft Richtung
Niederlande fort.

Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von einem niederländischen
Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Südamerika
angesteckt haben könnte. Bisher gibt es drei Todesopfer: das
niederländische Ehepaar und eine deutsche Passagierin. Insgesamt
waren nach WHO-Angaben fast 150 Menschen aus 23 Ländern auf dem
Schiff.

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