Umfrage: Warum die Koordination zwischen Arztpraxen hakt

Erst zum Hausarzt, dann zum Facharzt oder gleich in die Klinik - was
so einfach klingt, läuft in der Realität oft nicht reibungslos. Dafür

gibt es mehrere Gründe. Einer ist besonders ärgerlich.

Hannover (dpa/lni) - Bei der Zusammenarbeit zwischen Haus- und
Facharztpraxen, Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen in
Niedersachsen hakt es einer neuen Krankenkassenumfrage zufolge immer
wieder. Landesweit sei es bei rund 41 Prozent der Menschen dabei in
den vergangenen Jahren mindestens einmal zu Schwierigkeiten gekommen,
ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker
Krankenkasse. Wo es nicht lief, lag es in fast zwei Drittel (64
Prozent) der Fälle an langen Wartezeiten zwischen den einzelnen
Terminen für die Behandlung.

63 Prozent der Befragten fehlten eindeutige Ansprechpartner, die
Fragen beantworten oder den Fortschritt der Behandlung im Blick
behalten, 62 Prozent vermissten Informationen über den nächsten
Behandlungsschritt. Oft (61 Prozent) waren wichtige Informationen
falsch oder unvollständig, zudem erreichten Informationen die
behandelnden Fachkräfte zu spät (60 Prozent). Ein Drittel der
Befragten kritisierte zudem unnötige Doppeluntersuchungen. Für die
Umfrage wurden im vergangenen Oktober landesweit 501 Menschen im
Alter ab 18 Jahren befragt. 

Viele Menschen sind für Primärversorgungssystem

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will mit einem
geplanten Sparpaket höhere Krankenkassenbeiträge für mehrere Jahre
abwenden. Mit der geplanten Reform sollen die Versicherten in der
Regel zuerst zum Hausarzt gehen. Der soll bei Bedarf zum Facharzt
überweisen - mit Termin innerhalb eines bestimmten Zeitraums. 

Der Umfrage zufolge befürworten 71 Prozent der Befragten die Idee
eines sogenannten Primärversorgungssystems - 30 Prozent bewerten sie
demnach als «sehr gut», weitere 41 Prozent als «gut». «Die Umfrag
e
belegt, dass derzeit noch zu viele Menschen ohne zentrale
Ansprechperson auskommen und dadurch die Behandlung verzögert wird»,
mahnte Annette Hempen, die Leiterin der niedersächsischen
Landesvertretung der Krankenkasse. 

Konsequente Koordination

Hempen forderte, die Versorgung konsequenter zu koordinieren:
«Digitale Lösungen schaffen die notwendige Transparenz im System»,
sagte sie. Daher solle die elektronische Patientenakte als zentraler
Speicher für Diagnosen, Medikationslisten oder Arztberichte
flächendeckend in den Behandlungsalltag integriert werden. Ein
Primärversorgungssystem werde nur dann reibungslosere Abläufe
bewirken, wenn die Versicherten zuerst digital, telefonisch oder am
Praxistresen eine medizinische Einschätzung erhielten.

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