«Hondius» in Teneriffa - Niederlande evakuieren Deutsche

Nach dem Ausbruch des Hantavirus hat das Kreuzfahrtschiff «Hondius»
die Urlaubsinsel Teneriffa erreicht. Die Niederlande kümmern sich um
den Rücktransport der Deutschen. Und: Es gibt gute Nachrichten.

Madrid/Granadilla (dpa) - Nach der Ankunft des von einem Ausbruch des
Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffes «Hondius» in Teneriffa hat
die Aktion zur Rückführung der rund 140 bis 150 Insassen in die
Heimatländer begonnen. Den Transport der betroffenen Deutschen würden
die Niederlande übernehmen, teilte die spanische
Gesundheitsministerin Mónica García vor Journalisten am Hafen
Granadilla auf der spanischen Urlaubsinsel mit.

Vor der Ausschiffung der ersten Betroffenen begaben sich Ärzte an
Bord der «Hondius». Das medizinische Personal führe zunächst eine
epidemiologische Untersuchung durch, sagte die Ministerin. Die gute
Nachricht des Tages: Nach jüngsten Informationen seien alle
Passagiere und Besatzungsmitglieder weiterhin ohne
Krankheitssymptome.

Nach der Überprüfung der gesundheitlichen Lage an Bord sollen alle
Passagiere und zahlreiche der Crewmitglieder nach und nach und unter
strengsten Sicherheitsvorkehrungen an Land und anschließend auf dem
Luftwege in ihre jeweiligen Heimatländer gebracht werden. Man werde
zunächst die 14 Spanier an Bord zusammen mit einem Experten der
Weltgesundheitsorganisation WHO ausschiffen und nach Madrid bringen,
erklärte García. In der Hauptstadt sollen diese Menschen in einem
Militärkrankenhaus in Quarantäne gehen.

Laut Schiffsbetreiber sechs Deutsche an Bord

«Der nächste Staat, der die Evakuierung übernehmen wird, sind die
Niederlande. Sie werden ebenfalls Staatsbürger aus Deutschland,
Belgien und Griechenland sowie einen Teil der Besatzung mitnehmen»,
verriet die Ministerin der linksgerichteten Regierung. García
erklärte, dass alle Flüge nach Möglichkeit bis Montagnachmittag
abgewickelt werden. Als letzte soll demnach eine australische
Maschine mit Menschen aus dem Land sowie aus Neuseeland und
verschiedenen asiatischen Ländern abheben.

Die «Hondius» war am frühen Vormittag in den Hafen von Granadilla im

Süden der spanischen Urlaubsinsel eingefahren. Auf dem
Kreuzfahrtschiff sind Reisegäste und Besatzungsmitglieder aus 23
Ländern. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist darunter
eine mittlere einstellige Zahl von deutschen Staatsangehörigen. Nach
Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide sind sechs Deutsche an Bord.

Laut den jüngsten Angaben der WHO gibt es sechs bestätigte
Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen
sind gestorben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus
den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet,
dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging,
das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt
haben könnte.

WHO-Chef versichert: «Kein neues Covid»

Gesundheitsministerin García, der spanische Innenminister Fernando
Grande-Marlaska und auch der Chef der WHO waren eigens auf die Insel
gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen. WHO-Chef Tedros
Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht
um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer
Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: «Das
ist nicht ein neues Covid.» Das Risiko für die Menschen auf der Insel
sei gering - zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall
aufgetreten sei.

Zunächst hatte es geheißen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen
und auch aufgrund der Sorgen der Inselregierung vor dem Hafen vor
Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann
aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen. Dort liegt das
Schiff nun vor Anker, bevor es mit einem Teil der Besatzung in die
Niederlande weiterfährt.

Wie sieht die Evakuierungsaktion genau aus? 

Die Passagiere sollen zunächst in kleinen Gruppen von maximal fünf
Personen auf Booten ausgeschifft werden. Nach Angaben Garcías müssen
sie FFP2-Schutzmasken tragen und dürfen nur leichtes Handgepäck
mitnehmen. Alle müssen an Land dann auch Einreiseformalitäten
durchführen.

Per Bus geht es dann zum zehn bis 15 Autominuten entfernten
Flughafen. Dort sollen die streng abgeschotteten Menschen ohne
weitere Abfertigung sofort die für sie bereitgestellten Flugzeuge
besteigen. Nach der Ankunft der WHO und anderer Behörden dürften alle
Ausgeflogenen in Quarantäne müssen, da eine Entwarnung wegen der
langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist.

Sobald die Menschen von Bord sind, soll die «Hondius» ihre Fahrt mit
einem Teil der Crew sofort fortsetzen und Richtung Niederlande
steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam
einer an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch
die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.

Virusausbruch löst international Besorgnis aus

Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei
engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Der
Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Virus auf dem
kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus - auch und
gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. Vor allem auf den
Kanaren äußerten Menschen Angst wegen einer möglichen Infektion mit
dem potenziell tödlichen Virus.

Doch der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der
Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Selbst wenn es zu einer
Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme,
wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht
weiter übertragbar, «sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu
vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der
Bevölkerung käme».

Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine
Ausbreitung des Andesvirus sei «sehr gering». Da bei Zwischenstopps
des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und
Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach
potenziellen Verdachtsfällen gesucht.

Spanisches Gesundheitssystem gab den Ausschlag

Die WHO hatte Spanien gebeten, die Menschen auf den Kanaren vor der
Westküste Afrikas an Land gehen zu lassen, weil die Inselgruppe das
erste potenzielle Ziel auf der Route des Schiffes mit einer
erstklassigen Gesundheitsversorgung war. Kap Verde, wo die «Hondius»
zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere mit Verweis
auf die unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten dort nicht aufnehmen.

Die «Hondius» hatte ihre Fahrt durch den Südatlantik am 1. April in
Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen. Zehn Tage später starb ein
Niederländer, seine Frau verließ das Schiff bei einem Zwischenstopp
auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz
darauf in einem Krankenhaus starb. Nach Angaben des Schiffsbetreibers
Oceanwide starb die Deutsche dann am 3. Mai.

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