Liegend-Demos in Bayern - Mehr Hilfe bei Krankheit gefordert
Auf der Straße liegend machen Betroffene, Angehörige und
Unterstützende in Bayern auf die Lage von ME/CFS-Erkrankten
aufmerksam. Sie fordern mehr Forschung und regionale
Behandlungszentren.
Nürnberg/München (dpa/lby) - In mehreren bayerischen Städten haben
Menschen auf die schwere Krankheit ME/CFS aufmerksam gemacht. Mit den
sogenannten Liegend-Demonstrationen wollten die Teilnehmer sichtbar
machen, dass Menschen mit der schwerwiegenden Erkrankung oftmals ihr
Bett nicht verlassen können und in der Gesellschaft deswegen wenig
wahrgenommen würden. Die Teilnehmer fordern insbesondere mehr
Forschung und die Einrichtung von regionalen Behandlungszentren für
ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom).
Zu der Demonstration in Nürnberg kamen laut Polizei rund 80
Teilnehmende zusammen. Viele legten sich auf den Boden, um ein
Zeichen zu setzen. Auf einem Plakat stand etwa «Wir brauchen
Forschung, nicht Stigmatisierung», auf einem anderen Schild «ME/CFS =
Wenn schon schlafen anstrengend ist.»
Zum Anlass des internationalen Tags zur Aufklärung über die Krankheit
am 12. Mai waren Aktionen in ganz Deutschland angekündigt. In München
beteiligten sich laut einem Polizeisprecher knapp 430 Menschen an
einem Demonstrationszug, der mit einer Kundgebung im Liegen am
Stachus endete. In Würzburg zählte die Polizei nach eigenen Angaben
15 Teilnehmende. Auch in Augsburg und Regensburg fanden
Demonstrationen statt, die Teilnehmerzahlen sind laut Polizei jedoch
nicht bekannt. Am 16. Mai ist eine weitere Demonstration in
Schweinfurt vorgesehen.
Krankheit von bleierner körperlicher Schwäche geprägt
ME/CFS-Betroffene fühlen sich dauerhaft erschöpft und können an
vielen weiteren Symptomen leiden, wie etwa starken Schmerzen
unterschiedlicher Art. Die langwierige Krankheit wurde zuletzt
vornehmlich als Langzeitfolge von Covid-19-Erkrankungen (Long Covid)
bekannt, kann aber auch nach anderen Infektionen auftreten. Durch die
Pandemie soll die Zahl der Betroffenen allerdings stark gestiegen
sein.
Es handelt sich um eine komplexe Erkrankung, die unter anderem von
bleierner körperlicher Schwäche und äußerst geringer Belastbarkeit
geprägt ist. Typisch ist eine deutliche Verstärkung der Beschwerden
schon nach geringer körperlicher oder geistiger Belastung. Viele
Betroffene können sich kaum selbst versorgen. Eine überzeugende
Therapie ist Experten zufolge bisher nicht gefunden.
Initiative berichtet von mehr als 600.000 Betroffenen
Meist wird die Erkrankung durch einen Infekt ausgelöst, oft geht sie
in einen chronischen Zustand über und bleibt also dauerhaft bestehen.
Schon junge Menschen können betroffen sein. Nach Angaben der
Initiative #LiegendDemo sind inzwischen mehr als 600.000 Menschen in
Deutschland an ME/CFS erkrankt. Gefordert werden eine bessere
Medizinerausbildung, mehr Forschung und spezialisierte
Kompetenzzentren. Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl
Lauterbach (SPD) ist Schirmherr der Initiative.
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