Ärztepräsident: Zuckerabgabe möglichst zügig einführen
Nach langen Auseinandersetzungen soll laut Plänen der Bundesregierung
ein Preisaufschlag auf stark gezuckerte Getränke als Anreiz für eine
gesündere Ernährung kommen. Aber wann - erst in zwei Jahren?
Berlin (dpa) - Ärztepräsident Klaus Reinhardt wirbt für eine früher
e
Einführung der geplanten Zuckerabgabe auf Getränke wie Limonaden und
Colas. Sie sei «richtig und längst überfällig», sagte der Chef de
r
Bundesärztekammer der Deutschen Presse-Agentur vor dem Deutschen
Ärztetag in der nächsten Woche in Hannover. «Die positiven
gesundheitlichen Effekte treten dabei nicht sofort ein, sondern
zeigen sich erst nach einigen Jahren.» Dies sei ein weiterer Grund,
die Abgabe «möglichst zügig einzuführen und nicht erst bis 2028 zu
warten.»
Die schwarz-rote Bundesregierung hat vereinbart, dass eine neue
Abgabe auf gezuckerte Getränke kommen soll, und als Startdatum dafür
2028 genannt. Die Ausgestaltung, die das Gesundheitsministerium
vorlegen soll, ist noch offen.
Anreiz zum Senken des Zuckergehalts
Reinhardt sagte, Ziel sei nicht in erster Linie, Verbraucherinnen und
Verbraucher zu belasten. «Eine klug ausgestaltete Abgabe setzt
wirksame Anreize für Hersteller, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu
senken. Dass das funktioniert, zeigen internationale Erfahrungen.»
In Großbritannien sei der durchschnittliche Zuckergehalt von
Softdrinks nach Einführung einer Abgabe um rund 30 Prozent gesunken.
Zugleich gebe es Hinweise auf rückläufige Kariesraten und weniger
Übergewicht bei Kindern.
«Deutschland hat ein erhebliches Ernährungsproblem, das Millionen
Menschen gesundheitlich belastet», erläuterte der Ärztepräsident.
Rund die Hälfte der Erwachsenen sei übergewichtig, etwa ein Viertel
adipös. Auch bei Kindern und Jugendlichen seien die Zahlen hoch. Die
Folgen reichten von Typ-2-Diabetes über Herz-Kreislauf-Erkrankungen
bis hin zu Karies. Allein die Kosten der Adipositas würden auf mehr
als 60 Milliarden Euro jährlich geschätzt.
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