Hantavirus: Schiffs-Ankunft auf Teneriffa wird vorbereitet

Bislang drei Tote: Das vom Hantavirus betroffene Schiff steuert
Teneriffa an. Die gute Nachricht: Derzeit hat niemand an Bord
Symptome. Doch Passagiere und Crew stehen unter genauer Beobachtung.

Genf (dpa) - Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff
«Hondius» bereiten internationale Fachleute die Ankunft der
Passagiere und Besatzung auf Teneriffa vor. Mitarbeiter der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), der EU-Gesundheitsagentur ECDC und
medizinisches Personal aus den Niederlanden seien an Bord, sagte eine
WHO-Sprecherin in Genf. 

Derzeit zeige niemand auf der «Hondius» Symptome, sagte Anaïs Legand,

eine WHO-Expertin für Viruserkrankungen, in einem Online-Briefing.
Der Gesundheitszustand der Gäste und Crew werde beobachtet, und die
Infektionskette werde nachverfolgt. Diese Informationen würden dann
den Behörden nach Ankunft auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa
zur Verfügung gestellt.

Keine neuen Zahlen von der WHO

Die WHO sprach wie auch schon am Vortag von insgesamt acht
Hantavirus-Fällen, von denen einige bestätigt und einige
Verdachtsfälle seien. Von den acht sind bislang drei Personen
gestorben. Bei den Toten handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus
den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland. Eine genaue und
aktuelle Aufschlüsselung der Zahlen könnte laut WHO am späten
Freitagabend vorliegen.

In Deutschland wird in der Uniklinik Düsseldorf (UKD) eine
Passagierin untersucht, die neben zwei kranken Crew-Mitgliedern
ausgeflogen worden war. Die Ärzte geben keine Entwarnung. 

Entwarnung erst nach acht Wochen möglich

«Wir können nicht sagen, ob sie nicht infiziert ist. Wir haben keine
Viren nachgewiesen», sagte der UKD-Bereichsleiter Tropenmedizin,
Oberarzt Professor Dr. Torsten Feldt. Man könne nur sagen, dass die
Kontaktperson derzeitig keine aktive Infektion habe. Jederzeit in der
Inkubationszeit könnten Symptome auftreten mit einer hohen
Virusausscheidung und dann einer Infektionsgefahr. «Nach 8 Wochen
könnte man Entwarnung geben.» 

Person in Quarantäne - Verlegung angestrebt

Erst einmal sei es erfreulich, dass der klinische Zustand weiter gut
und stabil sei. Es gebe bisher keinen Hinweis auf eine Infektion. Wie
lange die Person in der Uniklinik noch bleiben müsse, könne man nicht
sagen. Sie befinde sich in Quarantäne, erklärte er. Die genaue Dauer
der Quarantäne werde von den lokalen Behörden festgelegt. «Als
Anhaltspunkt kann man 40, 45 Tage nennen.» Eine Verlegung der Person
in die Wohnort-Region sei möglich und werde auch angestrebt. Zum
Heimatort machte das UKD keine Angaben.

UKD könnte weitere Patienten aufnehmen 

Laut niederländischen Behörden handelt es sich um eine 65-jährige
Frau. Auf die Frage, ob das UKD noch weitere Patienten aufnehmen
könnte, erklärte der Bereichsleiter Tropenmedizin: «Wir sind
vorbereitet, aber derzeit ist mir nichts bekannt, also da gibt es
übrigens auch keine Anfragen, aber wir sind vorbereitet. Wir könnten
weitere Personen noch aufnehmen.»

 Drei Tote auf dem Schiff

Bei dem Ausbruch starben bislang drei Menschen, ein älteres Ehepaar
aus den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland. Nach Angaben
des niederländischen Außenministeriums soll die 65-jährige Deutsche,

die nun in der Uniklinik ist, in engem Kontakt mit der deutschen Frau
gestanden haben, die laut Reederei am 2. Mai an Bord starb. Die
Uniklinik äußerte sich bisher nicht genauer zu der Kontaktperson, die
am späten Mittwochabend aufgenommen worden war.

WHO sieht eine «ernste Lage»

«Dies ist eine ernste Lage, aber die WHO betrachtet das Risiko für
die öffentliche Gesundheit als gering», sagte WHO-Chef Tedros Adhanom
Ghebreyesus am Donnerstag in Genf. «Dies ist nicht der Beginn einer
Pandemie», betonte die amtierende Nothilfekoordinatorin, Maria van
Kerkhove. Ein Vergleich mit dem Start der Corona-Pandemie vor sechs
Jahren sei nicht angebracht. 

Die niederländischen Gesundheitsbehörden teilten mit, dass eine
Stewardess, die engen Kontakt mit der am Virus gestorbenen
NIederländerin hatte, nicht infiziert sei. Ein Test sei negativ. Das
bestätigte auch die WHO. Die Stewardess war am Mittwoch mit Symptomen
in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert worden. Sie hatte sich
in Johannesburg in Südafrika um die Frau gekümmert, die nach ihrem
Aufenthalt auf der «Hondius» mit einem KLM-Flug nach Amsterdam
fliegen wollte. Die Crew hatte sie aber wegen ihres schlechten
Gesundheitszustandes nicht mitgenommen. Einen Tag später starb sie im
Krankenhaus. Zuvor war bereits ihr Mann auf dem Schiff an dem Virus
gestorben. 

Verdachtsfälle in Spanien und Dänemark

In Spanien wurde unterdessen eine Frau, die in derselben KLM-Maschine
saß, mit leichten Krankheitssymptomen zur Überwachung in ein
Krankenhaus gebracht. Das teilte der Staatssekretär im spanischen
Gesundheitsministerium, Javier Padilla, mit. Die Frau sei in einem
Krankenhaus in Alicante und das Ergebnis eines PCR-Tests stehe noch
aus. 

Auch eine Person aus Dänemark, die in der KLM-Maschine saß, wurde auf
das Hantavirus getestet, nachdem bei ihr nach dem Flug von
Johannesburg nach Amsterdam grippeähnliche Symptome aufgetreten
waren. Die getestete Person sei inzwischen aber symptomfrei, wie die
dänische Behörde für Patientensicherheit mitteilte. Sie befinde sich

in Isolation. Das Testergebnis liege noch nicht vor.

«Der Mensch ist ein Fehlwirt»

Der Experte Martin Eiden vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)
erläuterte im «Morgenecho» auf WDR5, beim Hantavirus sei
ausschließlich im Fall des sogenannten Andes-Typs eine Übertragung
von Mensch zu Mensch möglich. Und auch bei diesem Virus-Typ seien
weltweit bisher nur wenige Fälle bekanntgeworden. 

Das Risiko, einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei generell als sehr
gering einzuschätzen, sagte Eiden. Sie seien bislang nur selten - so
etwa im Jahr 1995 und 2018 in Argentinien - beobachtet worden. Dort
gibt es das Andes-Virus. 

Hantaviren werden üblicherweise durch infizierte Nager wie Ratten
oder Mäuse übertragen. Das niederländische Paar, das die ersten
Symptome zeigte und später an der Infektion starb, war laut
argentinischer Regierung bereits seit 2025 in der Region unterwegs
gewesen.

In Deutschland kursiert der Puumala-Typ

In Deutschland kursiert Experte Eiden vom FLI zufolge vor allem der
Puumala-Virustyp aus der Familie der Hantaviren. Es werde
ausschließlich über Ausscheidungen von infizierten Rötelmäusen auf

den Menschen übertragen. Treffe man auf Ausscheidungsstaub - etwa in
Garagen, Kellern oder Dachböden - solle man diese daher nur mit
angelegter Atemmaske wegfegen, Kot immer mit Handschuhen wegschaffen,
empfahl er. In den meisten Fällen verliefen Infektionen ohne
Symptome, die Betroffenen bemerkten sie nicht einmal, berichtete er.
Es sei hierzulande nur in wenigen Fällen zu schweren Erkrankungen
gekommen, in der Regel bei vorerkrankten Patienten.

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