Ärzte: Prävention wird «viel zu wenig bedacht»
Zuckerabgabe ja, aber reicht das? Ärztekammer-Präsidentin Renneberg
fordert von der Regierung mehr Einsatz für Prävention, damit Menschen
länger gesund bleiben. Eine Krankenkasse äußert eine Hoffnung.
Hannover (dpa/lni) - Prävention kommt nach Einschätzung der
niedersächsischen Ärzteschaft im Gesundheits-Sparpaket der
Bundesregierung zu kurz - trotz der geplanten Zuckerabgabe. «Ich bin
der Meinung, dass das noch viel zu wenig bedacht worden ist», sagte
die Präsidentin der Ärztekammer, Marion Charlotte Renneberg, der
Deutschen Presse-Agentur. Ziel müsse sein, die Bevölkerung so lange
wie möglich gesund zu erhalten. Niedersachsens Gesundheitsminister
Andreas Philippi betonte, Prävention sei «eines der wichtigsten
Instrumente, um den Kostendruck im System zu senken».
«Ein gesunder Lebensstil und zielgerichtete Vorsorgemaßnahmen können
im besten Fall gesundheitliche Schäden verhindern oder zumindest
potenziell schwere Krankheitsverläufe abmildern», sagte der
SPD-Politiker. «Das verhindert teure Behandlungen und Medikamente.»
Ohne Zweifel sei die finanzielle Lage der gesetzlichen
Krankenversicherung angespannt.
Gesetzliche Kassen sollen um Milliarden entlastet werden
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die gesetzlichen
Kassen mit dem geplanten Paket 2027 um 16,3 Milliarden Euro
entlasten. Das ist etwas mehr als das erwartete Defizit von 15,3
Milliarden Euro und soll Anhebungen der Zusatzbeiträge verhindern.
Geplant sind Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmabranche -
aber auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der
kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Zugleich soll der
Bundeszuschuss an die Kassen von jährlich 14,5 Milliarden Euro
gekürzt werden - ab 2027 auf jährlich noch 12,5 Milliarden Euro.
Außerdem will die Bundesregierung 2028 eine Zuckerabgabe einführen.
Eine vom Gesundheitsministerium eingesetzte Kommission hatte eine
gestaffelte Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke wie
Limonaden und Colas vorgeschlagen, auch um Krankheitskosten zu
verringern.
KKH: Prävention bewirkt nur bedingt kurzfristige Einsparungen
Die KKH Kaufmännische Krankenkasse, nach eigenen Angaben mit gut 1,5
Millionen Versicherten eine der großen bundesweiten Kassen, sieht in
den Reformplänen in erster Linie ein Spargesetz. Prävention benötige
langfristig strukturelle Anpassungen über eine Legislaturperiode
hinaus. Diese hätten mit Blick auf kurzfristige Einsparungen «nur
bedingt eine Wirkung und finden sich entsprechend auch kaum im
Gesetzesentwurf wieder».
Renneberg sagte zu den Plänen: «Es muss Veränderungen geben, so kann
es tatsächlich nicht weitergehen.» Die Ärzteschaft sei für die
Zuckerabgabe, betonte sie. «Schon lange weisen wir darauf hin, dass
in Lebensmitteln und Getränken zu viel Zucker enthalten ist.»
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Adipositas nähmen deutlich
zu: «Wenn wir das eindämmen könnten, hätten wir sehr viel gewonnen.
»
Für die KKH ist eine zweckgebundene Zuckerabgabe «ein wirklicher
Mehrwert». Die vorgeschlagene Erhöhung von Steuern auf Tabak und
Spirituosen wiederum sei als Suchtprävention zu werten. Wenn Menschen
wegen der höheren Kosten weniger Alkohol trinken und weniger rauchen,
werde sich das positiv auf ihre Gesundheit auswirken.
Renneberg: Gesundheitskompetenz stärken
Die Ärzteschaft sprach sich für Alters- und Verkaufseinschränkungen
für Alkohol sowie mehr Aufklärung etwa über das Krebsrisiko aus.
Ebenso sei die Erhöhung der Steuern auf Alkohol und Tabak ein
sinnvoller Schritt.
Die Kammerpräsidentin hob auch die Gesundheitskompetenz der
Bevölkerung hervor: Menschen könnten viel tun, ohne dass es etwas
koste - etwa mit Bewegung und gesunder Ernährung, betonte Renneberg.
«Wenn wir das Bewusstsein hierfür stärken, erwarte ich, dass die
Bevölkerung länger gesünder bleibt und wir unser Gesundheitssystem
dadurch nachhaltig stärken.» Die Kammer wolle auch das Thema
Gesundheit an Schulen fördern: «Wir sollten weiterhin darauf
bestehen, dass es Gesundheitsunterricht an Schulen gibt.»
Kammer: Präventionsvorschläge sind alle entscheidend
Kritisch sieht Renneberg die Cannabis-Legalisierung: Ursprünglich sei
geplant gewesen, diese mit Präventionsangeboten zu verbinden, sagte
sie. Das finde sich aber nirgends wieder, auch hätten Kinder und
Jugendliche über ihre Familien leicht Zugang zu Cannabis. Die
niedersächsische Ärzteschaft werde auf dem Deutschen Ärztetag (12.
bis 15. Mai) in Hannover voraussichtlich die Rücknahme der
Cannabis-Legalisierung fordern.
Entscheidend sind aus Sicht der Ärztekammer alle diese Maßnahmen.
Gesundheitsunterricht an Schulen bedürfe «umfangreicherer
Vorbereitungen, daher sollten wir damit am besten schon heute
starten», teilte die Kammer mit. Verkaufs- und Werbeeinschränkungen
sowie Steuererhöhungen für Alkohol und Tabak sowie die Rücknahme der
Cannabis-Legalisierung ließen sich kurzfristiger erreichen.
Minister: Hätte mir stärkeren Fokus auf Prävention gewünscht
«Ich erwarte einfach, dass noch mehr kommt», sagte Renneberg mit
Blick auf Prävention. Gesundheitsminister Philippi erklärte, es sei
gut, dass das Reformpaket alle Beteiligten in den Blick nehme. «Dabei
spielen Gerechtigkeit und Solidarität eine erhebliche Rolle», sagte
er. «Nichtsdestotrotz hätte auch ich mir einen stärkeren Fokus auf
den Bereich der Prävention gewünscht.»
Die KKH äußerte in dem Zusammenhang eine Hoffnung - nämlich darauf,
dass die Bundesregierung die Reformvorschläge der Expertenkommission
zum Herbst aufgreift und eine bundesweite Offensive startet, um
Prävention etwa in Kitas, Schulen oder am Arbeitsplatz zu stärken.
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.
hkk: Günstigste Krankenkasse
In drei Minuten in die hkk wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der hkk. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.