Ärztekammer: Prävention wird «viel zu wenig bedacht»
Zuckerabgabe ja, aber reicht das? Ärztekammer-Präsidentin Renneberg
fordert von der Regierung mehr Einsatz für Prävention - und möchte
dafür auch das Bewusstsein in der Bevölkerung stärken.
Hannover (dpa/lni) - Für die niedersächsische Ärztekammer kommt
Prävention im Krankenkassensparpaket der Bundesregierung zu kurz -
trotz der geplanten Zuckerabgabe. «Ich bin der Meinung, dass das noch
viel zu wenig bedacht worden ist», sagte die Präsidentin der
Ärztekammer, Marion Charlotte Renneberg, der Deutschen
Presse-Agentur. Ziel müsse sein, die Bevölkerung so lange wie möglich
gesund zu erhalten. Dennoch sagte sie zu den Reformplänen: «Es muss
Veränderungen geben, so kann es tatsächlich nicht weitergehen.»
Kammer ist für Zuckerabgabe
Die Ärzteschaft begrüße die Zuckerabgabe, betonte Renneberg. «Schon
lange weisen wir darauf hin, dass in Lebensmitteln und Getränken zu
viel Zucker enthalten ist.» Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und
Adipositas nähmen deutlich zu: «Wenn wir das eindämmen könnten,
hätten wir sehr viel gewonnen.»
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die gesetzlichen
Kassen mit dem geplanten Paket 2027 um 16,3 Milliarden Euro
entlasten. Das ist etwas mehr als das erwartete Defizit von 15,3
Milliarden Euro und soll erneute Anhebungen der Zusatzbeiträge
verhindern. Geplant sind Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und
Pharmabranche - aber auch beispielsweise höhere Zuzahlungen für
Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von
Ehepartnern. Zugleich soll der Bundeszuschuss an die Kassen von
jährlich 14,5 Milliarden Euro gekürzt werden - ab 2027 auf jährlich
noch 12,5 Milliarden Euro.
Renneberg: Menschen können sehr viel selbst tun
Außerdem will die Bundesregierung von 2028 an eine Zuckerabgabe
einführen. Eine vom Gesundheitsministerium eingesetzte Kommission
schlug unter anderem eine gestaffelte Steuer auf zuckergesüßte
Erfrischungsgetränke wie Limonaden und Colas vor, auch um
Krankheitskosten zu verringern.
Die Kammerpräsidentin hob auch die Bedeutung der Gesundheitskompetenz
der Bevölkerung hervor. Menschen könnten selbst sehr viel tun, ohne
dass es etwas koste - etwa mit Blick auf Bewegung und gesunde
Ernährung, betonte Renneberg. «Wenn wir das Bewusstsein hierfür
stärken, erwarte ich, dass die Bevölkerung länger gesünder bleibt u
nd
wir unser Gesundheitssystem dadurch nachhaltig stärken.»
Forderung nach Gesundheitsunterricht an Schulen
Die Kammer habe sich vorgenommen, das Thema Gesundheit an Schulen zu
fördern: «Wir sollten weiterhin darauf bestehen, dass es
Gesundheitsunterricht an Schulen gibt», sagte sie. Auch sprach sich
die Ärzteschaft für Alters- und Verkaufseinschränkungen für Alkohol
sowie mehr Aufklärung etwa über das Krebsrisiko aus. Ebenso sei die
Erhöhung der Steuern auf Alkohol und Tabak ein sinnvoller Schritt.
«Ich erwarte einfach, dass noch mehr kommt», sagte Renneberg mit
Blick auf Präventionsmaßnahmen.
Kritisch sieht sie die Cannabis-Legalisierung: Ursprünglich sei
geplant gewesen, diese mit Präventionsangeboten zu verbinden, sagte
Renneberg. Das finde sich aber nirgends wieder, auch hätten Kinder
und Jugendliche über ihre Familien leichter Zugang zu Cannabis. Daher
werde die niedersächsische Ärzteschaft auf dem Deutschen Ärztetag
(12. bis 15. Mai) in Hannover voraussichtlich die Rücknahme der
Cannabis-Legalisierung fordern.
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