Nach Hantavirus auf Schiff: Wie ist die Lage im Südwesten?
Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff wachsen die
Sorgen vor weiteren Infektionen. Experten beruhigen aber. Warum der
Virustyp im Südwesten ein anderer ist.
Stuttgart (dpa/lsw) - Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem
Kreuzfahrtschiff im Atlantik geben Experten in Baden-Württemberg
Entwarnung. Zwar treten auch im Südwesten Jahr für Jahr Infektionen
mit dem Hantavirus auf, teilte das Landesgesundheitsamt (LGA) in
Stuttgart mit. Es handele sich dabei jedoch um einen anderen
Virustypen als auf dem Schiff. Die in Südamerika auftretende Unterart
«Andes» sei nicht mit dem in Baden-Württemberg regelmäßig
auftretenden Typ «Puumala» vergleichbar.
Auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff im Atlantik waren laut
Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den vergangenen Tagen drei
Menschen mutmaßlich nach einer Infektion mit dem Hantavirus
gestorben. Unter den Toten ist auch eine Frau aus Deutschland. Zudem
wurden mehrere bestätigte oder vermutete Infektionen registriert.
Infektionen nur mild
Nach WHO-Angaben ist die Infektionsgefahr gering. Eine Ansteckung sei
nur bei direktem und längerem Kontakt mit infizierten Menschen
möglich. Die meisten Infektionen verliefen mild oder asymptomatisch;
schwerere Verläufe treten vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen
auf.
Vielen dürfte die seltene Infektionskrankheit daher bislang kaum
bekannt gewesen sein. Im Südwesten infizieren sich jedes Jahr mehrere
Dutzend Menschen mit dem «Puumala»-Typ des Hantavirus. Auffällig sind
dabei die teils starken Schwankungen bei den Fallzahlen.
Laut LGA wurden 2021 fast 1.200 «Puumala»-Fälle gemeldet; ein Mensch
erlag damals den Folgen der Infektion. In den beiden Folgejahren
wurden 38 beziehungsweise 66 Fälle registriert. 2024 stieg die Zahl
wieder auf 245, im vergangenen Jahr sank sie auf 69.
Bis Anfang Mai wurden im laufenden Jahr 16 Infektionen gemeldet.
«Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass es im Jahr 2026 zu einem
erhöhten Infektionsgeschehen kommt», erklärte ein Sprecher des
Gesundheitsministeriums.
Regionale Schwankungen
Baden-Württemberg gehört bundesweit zu den am stärksten betroffenen
Regionen - insbesondere die Schwäbische Alb mit ihrem hohen
Buchenwaldanteil sowie der Odenwald und Oberschwaben. «Die meisten
Erkrankungsfälle treten in den Stadt- und Landkreisen mit hohem
Flächenanteil an Buchenwald auf», teilte ein Sprecher mit.
Die Viren werden über den Speichel, Kot oder Urin von Rötelmäusen
verbreitet, den typischen Bewohnern des Buchenwaldes. Vermehren sich
diese Tiere in bestimmten Jahren besonders stark etwa wegen eines
Überangebots an Bucheckern, steigt auch das Infektionsrisiko für
Menschen. Diese stecken sich über den Kontakt mit den Ausscheidungen,
wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt und die Erreger eingeatmet
werden oder in Hautwunden gelangen.
Die meisten Erkrankungen gab es in den vergangenen fünf Jahren im
Landkreis Heidenheim (103,07 Fälle/100.000 Einwohner), im Landkreis
Reutlingen (76,29) und im Zollernalbkreis (48,73).
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