«Ich hätte direkt die Polizei rufen sollen»
Der Prozess um einen ermordeten Arzt hatte für großes Aufsehen
gesorgt. Jetzt wird der Fall teils neu verhandelt - gegen seine Ex.
Trier (dpa/lrs) - Fast dreieinhalb Jahre nach dem Mord an einem Arzt
in der Eifel steht seine frühere Lebensgefährtin erneut vor Gericht.
Von der Tat im gemeinsamen Wohnhaus in Gerolstein (Vulkaneifelkreis)
habe sie nichts mitbekommen, sagte sie im neu aufgerollten Prozess am
Landgericht Trier.
In der Nacht sei ihr damals 16-jähriger Sohn zu ihr im Obergeschoss
ans Bett gekommen, habe sie geweckt und sie nach unten geführt. «Da
lag der Mann, den ich geliebt habe und war tot», sagte die
Krankenschwester.
Ermordet von ihrem Sohn und dessen Halbbruder, die beide inzwischen
rechtskräftig wegen Mordes verurteilt sind.
«Ich hätte direkt die Polizei rufen sollen», sagte sie. Dass sie das
nicht getan habe, sei die schlimmste Entscheidung ihres Lebens
gewesen. «Ich habe alles verloren.»
Half den Jugendlichen, Leiche im Wald zu vergraben
Stattdessen half sie den beiden Jugendlichen, die Leiche in einem
Waldstück bei Rockeskyll zu vergraben. «Ich stand im größten
Zweispalt meines Lebens.» Sie habe ihren Sohn als Täter schützen
wollen.
Im ersten Prozess konnte der Frau eine Beteiligung an der Tötung
nicht nachgewiesen werden. Die Staatsanwaltschaft geht aber davon
aus, dass die Angeklagte und die beiden jungen Männer die Tat
gemeinsam geplant haben - und hat daher wegen gemeinschaftlichen
Totschlag angeklagt.
Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs ist im ersten Prozess nicht
hinreichend geprüft worden, ob die Angeklagte nicht verpflichtet
gewesen wäre, ihren Sohn an der Tatausführung zu hindern. Oder auch,
ob sie Mittäterin oder Gehilfin war.
«Wir starten bei null», sagte Oberstaatsanwalt Eric Samel. Er ist
überzeugt, dass die Angeklagte den Anfang der Tat noch mitbekommen
habe, bevor sie nach oben gegangen sei.
Täter wollten häuslicher Gewalt ein Ende setzen
Im ersten Prozess im August 2024 war die Krankenschwester zu zwei
Jahren und vier Monaten verurteilt worden: wegen unterlassener
Hilfeleistung und Brandstiftung. Ihr Sohn und der Halbbruder bekamen
hohe Jugendstrafen wegen Mordes: neun und sechs Jahre.
Motiv soll gewesen sein, dass der 53-Jährige seit längerem übermä
ßig
Alkohol getrunken habe - und es dann zu verbalen und körperlichen
Übergriffen gekommen sei. Auch am Tatabend hatte er die Angeklagte
den Angaben zufolge beleidigt und bedroht. «Er hat mich am linken Arm
gepackt und gequetscht. Und dann mit der Hand auf den Kopf
geschlagen», sagte sie.
Daraufhin haben die jungen Männer den Arzt mit einem Baseballschläger
und Schraubenschlüssel von hinten attackiert und dann mit einem um
den Hals gezogenen Kabelbinder erdrosselt.
Arzt galt lange als vermisst
Sie habe die Tat nicht mit den anderen beiden geplant, sagte die
Angeklagte, die mit dem Getöteten drei gemeinsame kleine Kinder hat.
Diese habe sie seit ihrer Festnahme im September 2023 nicht mehr
gesehen, sagte sie unter Tränen.
Es habe in ihrer elfjährigen Beziehung mit dem Arzt «Höhen und
Tiefen» gegeben. Wenn er zu viel Alkohol getrunken habe, sei er
gewalttätig und aggressiv gewesen. «Aber sonst war er der liebste
Mensch auf der Welt», sagte sie.
Der Orthopäde war am 30. Dezember 2022 zuletzt an seiner
Arbeitsstelle in einem Krankenhaus in Daun gesehen worden und galt
lange als vermisst. Im Juni 2023 hatte ein Spaziergänger einen Teil
der sterblichen Überreste im Wald entdeckt.
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