Hantavirus: Auch Deutsche von Kreuzfahrtschiff geholt
Nachdem es mehrere Hantavirus-Fälle und in der Folge drei Todesopfer
gab, soll das Kreuzfahrtschiff «Hondius» Kurs auf die Kanaren nehmen.
Mehrere Verdachtsfälle werden in die Niederlande gebracht.
Madrid/Kap Verde (dpa) - Nach tagelanger Unsicherheit auf dem vom
Ausbruch des Hantavirus getroffenen Kreuzfahrtschiff «Hondius» gibt
es endlich Aussicht für die knapp 150 Menschen an Bord. Spanien
erteilte dem unter niederländischer Flagge fahrenden Schiff die
Erlaubnis, einen Hafen auf den Kanarischen Inseln anzulaufen, und
zwar auf der Urlaubsinsel Teneriffa.
Drei Menschen wurden inzwischen unter medizinischer Begleitung von
Bord des Schiffes geholt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
und das niederländische Außenministerium mitteilten. Sie seien mit
zwei Spezialflugzeugen unterwegs in die Niederlande, hieß es. Eines
der beiden Flugzeuge landete am Abend auf dem Flughafen Schiphol in
Amsterdam.
Der zweite Flieger mit zwei Patienten an Bord musste aber einen
technischen Zwischenstopp auf Gran Canaria einlegen. Grund sei ein
Defekt an einer Isolationskapsel, berichtete der TV-Sender RTVE am
Abend unter Berufung auf die Delegation der spanischen
Zentralregierung auf den Kanaren. Die Insassen sollen an Bord
bleiben, der Flug werde bald fortgesetzt. Marokko habe zuvor eine
Landung auf seinem Staatsgebiet verweigert, hieß.
Zu den drei Personen, die zunächst in die Niederlande geflogen
werden, gehört laut Ministerium eine 65 Jahre alte Deutsche, die in
engem Kontakt mit der deutschen Frau stand, die an Bord gestorben
war. Die 65-Jährige solle in einer Klinik in Düsseldorf untersucht
werden. Sie habe bisher keine Symptome. Nach der Landung des
Flugzeugs waren Einsatzkräfte aus Düsseldorf auf dem Rollfeld zu
sehen.
«Rein vorsorglich zur medizinischen Abklärung»
Die Feuerwehr Düsseldorf und das Universitätsklinikum Düsseldorf
(UKD) übernehmen gemeinsam den Transport nach Deutschland und die
vorsorgliche medizinische Abklärung, berichtete das Klinikum. Man
gehe davon aus, dass die betreffende Person nicht infiziert sei. «Es
handelt sich um eine Kontaktperson ohne bestätigten Nachweis einer
Hantavirus-Infektion. Die Aufnahme erfolgt rein vorsorglich zur
medizinischen Abklärung», betonte das Klinikum. Zur betroffenen
Person machte die Klinik keine Angaben.
Die beiden anderen Personen sind Crew-Mitglieder. Ein Brite (56) und
ein Niederländer (41) sind nach Angaben der Reederei krank und
brauchen dringend medizinische Hilfe.
Seit Tagen liegt das kleine Kreuzfahrtschiff vor Kap Verde vor Anker,
nachdem es vom seltenen Hantavirus getroffen worden war. Drei
Menschen sind bisher gestorben, darunter auch eine deutsche Frau.
Mehrere Menschen sind erkrankt.
Spezialklinik auf Teneriffa - Proteste auf den Kanaren
Die übrigen Passagiere werden nach Angaben der spanischen
Gesundheitsministerin Mónica García auf dem Kreuzfahrtschiff zur
Kanaren-Insel Teneriffa fahren, wo sie voraussichtlich innerhalb von
drei bis vier Tagen im Nebenhafen Granadilla de Abona im Süden der
Insel anlegen werden. Auf Teneriffa gibt es eine auf Epidemien
spezialisierte Klinik. Dort sollen Besatzung und Passagiere
untersucht und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden. Später
könnten sie in ihre jeweiligen Heimatländer zurückkehren.
Spanien hatte nach eigenen Angaben in Abstimmung mit der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU gemäß internationalem
Recht und humanitären Prinzipien entschieden, dem Schiff die
Erlaubnis zum Anlegen zu erteilen.
Streit in Spanien um Hantavirus-Schiff
Doch auf den Kanarischen Inseln sorgte die geplante Ankunft des
Schiffes für Aufregung. Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo,
protestierte gegen das Vorhaben der spanischen Zentralregierung und
der WHO. Er beklagt «fehlende Transparenz» und fordert ein
«dringendes Treffen» mit Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez.
Ministerin García wies aber alle Befürchtungen zurück und
versicherte, die Aktion berge kein Risiko für die Kanaren. Alle
verbleibenden Personen an Bord seien asymptomatisch.
Spanien werde alle ausländischen Betroffenen über einen europäischen
Katastrophenschutzmechanismus in die jeweiligen Heimatländer
zurückführen, erklärte García. Die Spanier sollen zunächst in ein
Militärkrankenhaus in Madrid gebracht werden. Dort sollen sie
medizinisch betreut werden und falls nötig auch einige Zeit in
Quarantäne bleiben.
«Gesundheitsrisiko klein»
Die WHO bekräftigte erneut, dass die Gefahr der Infizierung klein
sei. «In dieser Phase bleibt das gesamte öffentliche
Gesundheitsrisiko niedrig», so der WHO-Chef Tedros Adhanom
Ghebreyesus auf X.
Was die Ursache der Infizierung war und wie sich das Virus weiter
verbreiten konnte, ist unklar. Die WHO vermutet, dass sich zunächst
das inzwischen gestorbene niederländischen Ehepaar bereits an Land
infiziert habe, bevor es in Argentinien an Bord ging. Inzwischen ist
nachgewiesen, dass es sich in mindestens zwei Fällen um die
Andes-Variante des Virus handelt. Und bei dieser Variante sind auch
Infektionen von Mensch zu Mensch bei langem, direktem Kontakt
möglich.
Niederländisches Opfer war noch im Flugzeug
Die infizierte niederländische Frau war kurz vor ihrem Tod noch in
Johannesburg an Bord eines Flugzeuges gewesen und sollte damit zurück
nach Amsterdam fliegen. Doch die Frau sei so krank gewesen, dass die
Crew beschlossen habe, sie nicht mitzunehmen, teilte die
Fluggesellschaft KLM in Amsterdam mit. Die Frau musste demnach das
Flugzeug verlassen. Einen Tag später starb sie im Krankenhaus von
Johannesburg.
KLM war eigenen Angaben nach erst am Dienstagabend von den
niederländischen Gesundheitsbehörden über den Tod der Frau informiert
worden. Alle Passagiere des Fluges werden nun von den Behörden
vorsorglich informiert.
Neuer Fall in der Schweiz
Inzwischen gibt es einen weiteren Infektionsfall. Ein Passagier des
Kreuzfahrtschiffes «Hondius» wurde nach seiner Rückkehr in die
Schweiz positiv auf das Hantavirus getestet. Er wird nach Angaben der
Behörden im Universitätsspital Zürich behandelt.
Der Mann war mit seiner Ehefrau Ende April aus Südamerika
zurückgekehrt. Die Ehefrau habe keine Symptome. Auch die Schweizer
Behörden schätzen das Risiko für die Bevölkerung gering ein.
Stimmung an Bord gut
Die Reise der «Hondius» hatte vor gut sieben Wochen an der Südspitze
Argentiniens begonnen - für die Passagiere eine Traumreise mit
zahlreichen Natur-Expeditionen bis nach Kap Verde. Als ein
Niederländer am 11. April stirbt, ist das zunächst ein Einzelfall.
Seine Frau verlässt das Schiff, um mit ihrem toten Mann in die
Niederlande zurückzukehren. Doch auch sie stirbt gut zwei Wochen
später in Johannesburg. Am selben Tag wird ein britischer Passagier
an Bord schwer krank. Er liegt nun auf der Intensivstation in
Südafrika.
Spätestens ab dem 2. Mai herrscht Alarmstufe eins. Dann stirbt die
deutsche Frau an Bord. Und zwei Crewmitglieder sind erkrankt.
Ab jetzt gelten für die noch verbleibenden 87 Passagiere und 61
Besatzungsmitglieder Regeln, wie man sie aus der Corona-Zeit kennt.
Abstand halten und Hände desinfizieren, sagte etwa die belgische
Helene (61) der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws»: «Die
Umstände sind ziemlich gut. Wir machen uns natürlich Sorgen um unsere
kranken Passagiere.»
Die Stimmung an Bord ist nach Angaben der Reederei gut. Doch einem
jungen amerikanischen YouTuber wurde die Unsicherheit doch zu viel.
Er stellte in seinen Account ein emotionales Video. «Die Unsicherheit
ist nun am schwersten. Wir können nur hoffen, dass wir wieder sicher
nach Hause kommen.»
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.
hkk: Günstigste Krankenkasse
In drei Minuten in die hkk wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der hkk. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.