Streit in Spanien um Hantavirus-Schiff
Nach mehreren Hantavirus-Fällen und drei Todesopfern soll das
Kreuzfahrtschiff «Hondius» einen Hafen auf den Kanaren anlaufen. Aber
auf den Inseln regt sich Widerstand.
Madrid (dpa) - Der geplante Anlauf eines von Hantavirus-Fällen
betroffenen Kreuzfahrtschiffs auf den Kanarischen Inseln sorgt in
Spanien für Aufregung und politischen Streit. Der Präsident der
Kanaren, Fernando Clavijo, wehrt sich gegen das Vorhaben der
spanischen Zentralregierung und der Weltgesundheitsorganisation
(WHO). Er beklagt «fehlende Transparenz» und fordert ein «dringendes
Treffen» mit Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez.
«Wir haben (von der Zentralregierung) bislang keinerlei Informationen
erhalten, und auch keinen offiziellen Antrag für das Anlaufen auf den
Kanaren», sagte Clavijo im Interview des staatlichen TV-Senders RTVE.
Er habe Sánchez und Gesundheitsministerin Mónica García per Whatsapp
um Gespräche gebeten. Bisher stütze sich seine Regierung
ausschließlich auf Medienberichte.
Das spanische Gesundheitsministerium hatte am Dienstagabend
mitgeteilt, die Entscheidung, dass das Schiff die Kanaren anlaufen
soll, sei in Abstimmung mit der WHO und der EU gemäß internationalem
Recht und humanitären Prinzipien getroffen worden. Das betroffene
kleine Kreuzfahrtschiff mit insgesamt knapp 150 Menschen an Bord war
vom Süden Argentiniens aufgebrochen und ankert derzeit im Atlantik
vor Kap Verde vor der Westküste Afrikas.
Teneriffa hat eine auf Epidemien spezialisierte Klinik
Bislang sind drei Passagiere der unter niederländischer Flagge
fahrenden «Hondius» gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar
und eine Person aus Deutschland, bei der es sich nach Angaben des
Schiffsbetreibers Oceanwide Expeditions um eine Frau handelt. An Bord
befanden sich demnach zuletzt insgesamt 149 Menschen: 88 Passagiere
(darunter ein Todesfall) und 61 Crewmitglieder. Die größte
Nationalitätsgruppe stellen Briten (19) und US-Amerikaner (17),
gefolgt von Spaniern (14).
Nach spanischen Medienberichten soll das Schiff die bei Touristen
sehr beliebte Insel Teneriffa anlaufen, wo es mit dem Hospital
Candelaria eine auf Epidemien spezialisierte Klinik gibt. Zudem solle
der infizierte Schiffsarzt mit einem medizinisch ausgestatteten
Flugzeug auf die Kanaren ausgeflogen werden, berichteten Medien unter
Berufung auf das Gesundheitsministerium in Madrid.
Bei zwei untersuchten Passagieren wurde nach Angaben des
südafrikanischen Gesundheitsministeriums ein Typ des Hantavirus
festgestellt, bei dem Infektionen zwischen Menschen bei engem, länger
andauerndem Kontakt möglich sind.
«Die Gefahr ist real»
Clavijo forderte Klarheit über die Entscheidungsgrundlage. «Wenn das
Risiko wie behauptet gering ist, verstehen wir nicht, warum die
Passagiere drei Tage bis zu einem kanarischen Hafen weiterfahren
müssen, wenn sie auch von einem Flughafen in Praia (Kap Verde) aus
evakuiert werden könnten», sagte er. Es spreche nichts dagegen, die
Reisenden direkt in die Niederlande auszufliegen - dort habe die
Reederei ja ihren Sitz.
Auf die Frage, ob er sich einem Anlaufen auf den Kanaren widersetzen
würde, ging der Regionalpräsident nicht direkt ein. «Wir brauchen
mehr Informationen.» Angesichts der fehlenden Transparenz «können
weder die Bevölkerung auf den Kanaren noch die Regionalregierung
beruhigt sein, denn die Gefahr ist real». Von Medien befragte
spanische Experten entgegneten, das Risiko für die Bevölkerung des
Archipels im Atlantik sei gering. «Sogar Null, oder kleiner als Null,
würde ich sagen», betonte der Epidemiologe Amos García in RTVE.
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