Rheinland-Pfalz bleibt an der Seite von Biontech
Das Land hat ein starkes Eigeninteresse an einer stabilen
wirtschaftlichen Entwicklung der Mainzer. Biontech gilt immer noch
als Zugpferd für die gesamte Biotechnologiebranche.
Mainz (dpa/lrs) - Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat dem
Impfstoffhersteller Biontech nach seinen Plänen für Werkschließungen
und einen Jobabbau weiter Unterstützung zugesagt. Das Mainzer
Unternehmen verfolge ambitionierte Ziele vor allem in der
Krebsforschung und bei innovativen Therapien, erklärte
Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD). Die langfristige
strategische Ausrichtung von Biontech zeige, dass die Phase der
Konsolidierung auch eine Grundlage für zukünftiges Wachstum sein
könne.
Rheinland-Pfalz werde diesen Weg weiterhin aktiv begleiten und auch
künftig gezielt in Forschung, Hochschulen und Innovationsnetzwerke
investieren, kündigte Hoch an. Ziel sei, damit optimale
Rahmenbedingungen für Unternehmen und die Talentakquise im Land zu
schaffen.
Schmerzhafte Einschnitte
Die angekündigte Schließung mehrerer Produktionsstandorte bezeichnete
der Wissenschaftsminister als Zäsur und schmerzhaften Einschnitt für
die betroffenen Regionen sowie die deutsche und internationale
Biotechnologiebranche insgesamt. Hoch äußerte sich jedoch
zuversichtlich, dass das Biopharma-Unternehmen wieder in eine Phase
des Wachstums eintreten werde, von der dann auch Rheinland-Pfalz
profitiere.
Biontech will wegen einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und
Kosteneinsparungen mehrere Produktionsstandorte schließen. Betroffen
von den Plänen sind Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur
sowie Standorte vom übernommenen Konkurrenten Curevac. Insgesamt bis
zu 1.860 Stellen können laut Unternehmen von den Maßnahmen betroffen
sein.
Milliardengewinne in Corona-Pandemie
In der Corona-Pandemie war Biontech weltbekannt geworden, weil das
Mainzer Unternehmen gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste
Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekam. Dieser
spülte in der Folge Milliardengewinne in die Kassen der Mainzer.
Mittlerweile schreibt das Unternehmen tiefrote Zahlen.
Für dieses Jahr rechnet Biontech sowohl auf dem europäischen als auch
auf dem US-amerikanischen Markt mit geringeren Umsätzen aus dem
Geschäft mit Covid-19-Impfstoffen. Das Unternehmen kündigte als
Konsequenz an, dass die Herstellung des Covid-19-Impfstoffs künftig
vollständig von den Pfizer-Standorten in Europa und Amerika abgedeckt
werde.
Harte Kritik von Curevac-Gründer
Der Gründer von Curevac wirft dem Biontech-Management nach der
Übernahme des Tübinger Unternehmens Täuschung wegen der
Schließungspläne vor. Es sei vereinbart worden, ein gemeinsames
Unternehmen zu schaffen, das sich gegenseitig befruchtet, sagte
Ingmar Hoerr. «Und das wurde jetzt über den Haufen geschmissen.
Dadurch sind alle nachweislich getäuscht worden. Die Übernahme hätte
nie erfolgen dürfen.»
Hoerr vermutet hinter dem Vorgehen, dass Biontech
Patentstreitigkeiten mit Curevac umgehen will. «Die Investoren haben
sich mit Versprechungen einlullen lassen. Das könnte Biontechs
Strategie von Anfang an gewesen sein.»
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