WHO: Hantavirus auf Schiff wohl zwischen Menschen übertragen
Drei Tote und mehrere Erkrankte: Die Weltgesundheitsorganisation geht
von Ansteckungen an Bord aus. Der Ursprung der Infektionskette liege
vermutlich in der Natur.
Kap Verde (dpa) - Bei den Hantavirus-Fällen bei einer
Atlantik-Kreuzfahrt geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von
Infektionen von Mensch zu Mensch aus. Das sagte WHO-Expertin Maria
Van Kerkhove bei einer Pressekonferenz in Genf. Das Hantavirus wird
üblicherweise durch Ausscheidungen von Nagetieren übertragen. Doch
bei dem Anden-Typ des Virus, der in diesem Fall vermutet wird, seien
auch Infektionen zwischen Menschen bei engem Kontakt möglich,
erklärte die Epidemiologin.
Die WHO schätzt das Risiko dieses Ausbruchs für die breite
Öffentlichkeit weiterhin als niedrig ein. «Das ist kein Virus, das
sich wie Grippe oder Covid ausbreitet», erklärte Van Kerkhove.
Drei Infizierte evakuiert
Drei Erkrankte sollen nun nach Angaben des niederländischen
Außenministeriums von Bord der «Hondius» geholt und in die
Niederlande ausgeflogen werden. Zu ihnen gehöre ein Niederländer.
Dies solle «so schnell wie möglich geschehen», teilte das Ministerium
mit. Genauere Angaben gab es bisher nicht.
Niederländische Behörden arbeiten dabei eng mit der Reederei und den
kapverdischen Behörden zusammen. Auch sei man im Kontakt mit
Herkunftsländern von Passagieren. Die Niederlande sind federführend
bei der Evakuierung, da das Schiff unter niederländischer Flagge
fährt.
Nach Angaben des Reiseveranstalters brauchen zwei Crew-Mitglieder
dringend medizinische Hilfe. Es gebe außer den bereits gemeldeten
Infizierten keine neuen Verdachtsfälle.
Passagiere mit Interesse für Wildtiere
Das betroffene kleine Kreuzfahrtschiff «Hondius» mit insgesamt knapp
150 Menschen an Bord war vom Süden Argentiniens aufgebrochen und
ankert derzeit vor Kap Verde. Die WHO vermutet, dass die
Infektionskette von dem mittlerweile verstorbenen niederländischen
Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an
Land angesteckt haben könnte. Van Kerkhove wies darauf hin, dass
viele Passagiere der Expeditions-Kreuzfahrt Wildtier-Beobachtungen
und ähnliche Aktivitäten unternommen haben.
Die weitere Übertragung könnte dann an Bord zwischen Personen
passiert sein, etwa in Kabinen, sagte Van Kerkhove. Sie schloss nicht
aus, dass die Infektionen auch von Nagetieren auf afrikanischen
Inseln stammen könnten, die im Zuge der Kreuzfahrt angefahren wurden.
Laut Schiffsbetreiber seien keine Ratten an Bord, so die
WHO-Expertin.
Medizinischer Transport wird vorbereitet
Bislang sind drei Passagiere der «Hondius» gestorben, ein älteres
niederländisches Ehepaar und eine deutsche Person. Laut dem
Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions handelte es sich um eine Frau.
Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus. Der
Transport von zwei Patienten an Bord in die Niederlande werde derzeit
vorbereitet, sagte Van Kerkhove.
Bislang sind nur in einem kleinen Teil der Fälle Hantaviren gesichert
nachgewiesen worden. Laboruntersuchungen zu den übrigen Infektionen
und zum genauen Typ des Virus laufen.
Unklarheit über Weiterfahrt
Über das weitere Schicksal der Passagiere herrschte vorerst
Unklarheit. Van Kerkhove berichtete über Absprachen mit spanischen
Behörden über eine Weiterfahrt auf die Kanarischen Inseln. Das
Gesundheitsministerium in Madrid bestritt dies jedoch auf der
Plattform X. Bislang sei eine Überprüfung der Menschen an Bord für
Montagnachmittag vereinbart. Dies diene als Grundlage für weitere
Entscheidungen über Rückführungsmaßnahmen und die weitere Route des
Schiffes, hieß es vom Ministerium.
Van Kerkhove wandte sich direkt an die Menschen auf der «Hondius»,
die derzeit in ihren Kabinen bleiben sollten und bislang in Kap Verde
nicht an Land durften. «Wir wissen, dass ihr Angst habt», sagte sie.
Die WHO setze sich für ihre medizinische Versorgung und Heimreise
ein.
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