Das Apotheken-Netz schrumpft noch weiter Von Sascha Meyer und Alexander Sturm, dpa

Eine nahe Anlaufstelle für Arzneimittel und Beratung ist vielen
wichtig. Mehr und mehr Apotheken machen aber dicht. Setzt sich das
auch 2026 fort - und wie entwickelt sich das Geschäft?

Berlin (dpa) - Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist auf den
niedrigsten Stand seit 1977 gesunken. Ende März gab es bundesweit
16.541 Apotheken und damit 60 weniger als zum Jahreswechsel, wie aus
Daten der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hervorgeht.
Die Branche macht angesichts steigender Betriebskosten Druck für
lange ausgebliebene Honoraranhebungen. Die Pharmaindustrie warnt vor
getrübten Geschäftsaussichten durch das geplante Sparpaket der
Bundesregierung. 

Seit Anfang Januar standen 19 Apotheken-Neueröffnungen 79
Schließungen gegenüber. Erfasst werden jeweils Hauptapotheken und
Filialen, von denen es bis zu drei geben kann. Das Netz schrumpft
damit weiter, nachdem es etwa 2022 noch bundesweit 18.000 Apotheken
gegeben hatte. 

Weitere Wege durch geschlossene Apotheken

Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hans-Peter Hubmann,
sagte: «Die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln ist zwar
weiterhin gesichert, aber lange kann es so nicht mehr weitergehen.»
Jede geschlossene Apotheke bedeute weitere Wege für Tausende
Patienten. Der Sozialverband Deutschland warnte, ein weiterer
Rückgang insbesondere in schon jetzt unterversorgten Regionen wäre
eine klare Verschlechterung, etwa für Menschen mit eingeschränkter
Mobilität, für Ältere und Menschen mit Behinderungen. 

Hubmann sagte, der seit Jahren andauernde Rückgang sei nur selten auf
individuelle Fehlentscheidungen oder intensiveren Wettbewerb
zurückzuführen, sondern liege an einer «chronischen
Unterfinanzierung» der Apotheken.

Warten auf Honoraranhebung

Die Branche fordert denn auch schon lange, einen seit 2013
unveränderten Fix-Bestandteil des Honorars von 8,35 Euro pro Packung
auf 9,50 Euro anzuheben. Union und SPD hatten das im
Koalitionsvertrag vereinbart, stellten es jedoch wegen der
angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen zurück -
erwartete Mehrausgaben: rund eine Milliarde Euro.
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte nun aber kürzlich
an, die Erhöhung anzugehen. Die Apotheken monieren, dass es dafür
immer noch keinen konkreten Zeitplan gebe und fordern die Anhebung
jetzt spätestens zum 1. Juli 2026.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen bezeichnete die
wirtschaftliche Situation der Apothekeneigentümer dagegen als
«insgesamt ziemlich gut». Die stellvertretende Verbandschefin
Stefanie Stoff-Ahnis sagte: «Die Versorgung durch Apotheken ist nicht
weniger geworden, sondern hat sich durch die Entscheidung der
Apothekeninhaber auf weniger Standorte konzentriert.»

Kassen: Apotheken-Vergütung steigt laufend

Der Umsatz steige schon allein aufgrund steigender
Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Kassen Jahr für Jahr,
erläuterte Stoff-Ahnis. «Da ein Teil der Apotheken-Vergütung an den
Medikamentenpreisen hängt, steigt auch die Vergütung der Apotheken
laufend an.» Die Summe, die aus den Portemonnaies der Beitragszahler
jährlich an die Apotheken gezahlt wird, sei von 5,6 Milliarden Euro
2013 auf 7,1 Milliarden Euro 2024 gestiegen - um 26 Prozent.

Der Apothekerverband sprach dagegen von einem alarmierenden Bild.
Seit 2013 hätten sich allein die Tarifgehälter der Beschäftigten um
39 Prozent erhöht. Dazu kämen gestiegene Ausgaben nicht nur für
Energie und Mieten. «Dieses Auseinanderklaffen von Kosten und
Einnahmen können wir schon lange nicht mehr schultern», sagte der
Vorsitzende Hubmann. Zu erleben sei auch eine zunehmende Abwanderung
pharmazeutischer Fachkräfte in Kliniken, in die Industrie und zu
Kassen, wo deutlich höhere Gehälter gezahlt werden könnten.

Umsatzsteigerung 2025 

Der Umsatz stieg laut Apothekenwirtschaftsbericht im vergangenen Jahr
auf 74,2 Milliarden Euro nach 70,3 Milliarden Euro im Jahr zuvor.
Abgesetzt wurden insgesamt 1,37 Milliarden Medikamentenpackungen,
davon waren 40,7 Prozent rezeptfreie Präparate. Eine
durchschnittliche Apotheke kam demnach 2025 auf ein Betriebsergebnis
von 168.000 Euro nach 162.000 Euro 2024. Sieben Prozent der Apotheken
hätten im vergangenen Jahr Verluste geschrieben, erläuterte der
Verband. Die Zahl der Beschäftigten sank von 162.186 auf nun
159.484. 

Die Branche kritisiert zugleich geplante Ausgabenbremsen, die mit dem
Spargesetz der schwarz-roten Koalition zur finanziellen
Stabilisierung der Kassen auf Apotheken zukommen sollen - durch
höhere Preis-Abschläge. Die Apotheken erwarten außerdem einen «star
k
erhöhten Erklärungsaufwand» bei den Patienten, wenn die Zuzahlungen
pro Arzneipackung angehoben werden sollen: von mindestens 5 Euro und
höchstens 10 Euro auf 7,50 Euro bis 15 Euro.

Protest gegen Sparpläne der Politik

Front gegen die Sparpläne mit Einschnitten für das ganze
Gesundheitswesen, Versicherte und Arbeitgeber macht auch die
Pharmaindustrie. Der Verband forschender Pharma-Unternehmen
kritisierte, sie unterliefen das Ziel der Regierung, Pharma als
Schlüsselbranche zu stärken. Künftig würden dann Investitionen und

Jobs im Ausland aufgebaut. 

Der Kassen-Spitzenverband betonte dagegen, die Pharmaindustrie
verdiene glänzend an hohen Medikamentenausgaben, die von den
Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern finanziert werden. Die
Bundesregierung habe Sparvorgaben für Pharmakonzerne beim
Herstellerrabatt weniger verschärft als von einer für die Reform
eingesetzten Expertenkommission zuvor empfohlen.

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