Kritik an Curevac-Aus in Tübingen - Palmer fordert Lösungen
Die geplante Schließung des Curevac-Standorts in Tübingen sorgt für
ordentlich Wirbel. Oberbürgermeister Palmer zeigt sich schockiert und
spricht von einem harten Schlag für die Stadt und die Region.
Tübingen/Mainz (dpa/lsw) - Die angekündigte Schließung des Tübinger
Standorts des Biotech-Unternehmens Curevac hat scharfe Kritik
ausgelöst. Oberbürgermeister Boris Palmer sprach von einem schweren
Schlag für die Stadt, das Land Baden-Württemberg und die
Beschäftigten. «Ich erwarte von Biontech, dass keine unumkehrbaren
Fakten geschaffen werden, bevor ernsthaft über Alternativen
verhandelt wurde. Erst kaufen, dann killen, das geht so nicht», sagte
Palmer.
Der Oberbürgermeister forderte Biontech, die Landes- und
Bundesregierung sowie Wissenschaftseinrichtungen auf, rasch nach
Lösungen zu suchen. Ziel müsse sein, möglichst viele Arbeitsplätze
zu
erhalten und Forschung sowie Produktion am Standort zu sichern.
Palmer mahnt Verantwortung für Beschäftigte an
Palmer reagierte mit großer Bestürzung auf die Pläne, den Standort zu
schließen und nahezu alle Mitarbeiter zu entlassen. Wer Curevac
übernehme, trage auch Verantwortung für die Beschäftigten, den
Forschungsstandort und ein Stück deutscher Innovationsgeschichte,
erklärte er. «Das ist ein schwerer Schlag für Tübingen, für
Baden-Württemberg und vor allem für die vielen hochqualifizierten
Beschäftigten, die Curevac über Jahre getragen haben.»
Curevac sei kein beliebiger Firmenname. «Curevac ist in Tübingen
entstanden - aus der Universität, aus der Arbeit von Pionieren wie
Ingmar Hoerr und Hans-Georg Rammensee», betonte Palmer. Sie legten
bahnbrechende Grundlagen für die mRNA-Technologie. «Hier standen
Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Beschäftigte für eine Idee,
die die Medizin weltweit verändert hat. Dieses Erbe darf nicht
abgewickelt werden», so Palmer.
Einsparungen von bis zu 500 Millionen Euro
Biontech will mehrere Standorte schließen - darunter auch Standorte
vom übernommenen Konkurrenten Curevac. Von den Plänen sind dem
Mainzer Unternehmen zufolge ungefähr 820 frühere Curevac-Beschäftigte
betroffen. Der Standort in Tübingen und früherer Hauptsitz von
Curevac soll bis Ende 2027 geschlossen werden.
Das Unternehmen rechnet nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen im
Jahr 2029 mit wiederkehrenden jährlichen Einsparungen von bis zu rund
500 Millionen Euro. Die Mittel sollen für die Forschung, Entwicklung
und Markteinführung von Medikamenten gegen Krebs eingesetzt werden.
Von den Plänen sind neben den früheren Curevac-Standorten auch die
Biontech-Produktion in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur
betroffen. Insgesamt sollen bis zu 1.860 Stellen gestrichen werden.
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