Hantavirus-Ausbruch auf Schiff: Was wir wissen und was nicht
Nach einem Virus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik
laufen die Ermittlungen. Drei Menschen sind gestorben. Die WHO stuft
das Risiko für die breite Öffentlichkeit trotzdem als gering ein.
Kap Verde/Vlissingen (dpa) - Nach einem möglichen Ausbruch des
Hantavirus auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff im Atlantik sind drei
Menschen gestorben, darunter auch ein deutscher Passagier, wie es aus
dem Auswärtigen Amt hieß. Viele Fragen sind offen. Was wir wissen -
und was nicht:
Was wir wissen
* Es gibt mehrere Hantavirus-Verdachtsfälle, es handelt sich um
Menschen, die alle an Bord des Kreuzfahrtschiffes «Hondius» waren.
Das Schiff war unterwegs von Argentinien nach Kap Verde.
* Drei Passagiere sind gestorben: Ein deutscher Staatsangehöriger
starb laut dem Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions am Sonntag,
zuvor im April starb bereits ein niederländisches Ehepaar - der Mann
an Bord und die Frau auf ihrer Heimreise.
* Bei der Frau wurde nach Angaben der Reederei eine Variante des
Hantavirus nachgewiesen, bei den übrigen Todesfällen ist ein
Zusammenhang mit dem Hantavirus bislang noch nicht bestätigt.
* Ein weiterer Passagier ist laborbestätigt am Hantavirus erkrankt;
er wird auf einer Intensivstation in Johannesburg behandelt.
* Zwei Crewmitglieder (ein Brite und ein Niederländer) zeigen
Atemwegssymptome. Bei ihnen ist das Hantavirus nicht bestätigt.
* Die WHO stuft die Todesfälle und weitere Erkrankungen (außer dem
bestätigten Fall) als Verdachtsfälle ein. Eine epidemiologische
Untersuchung läuft.
* Die WHO schätzt das Risiko für die breite Öffentlichkeit als
gering ein, Reisebeschränkungen werden nicht empfohlen.
* Ein Ausbruch auf einem Schiff gilt als ungewöhnlich, da
Infektionen typischerweise über Kontakt zu Nagetieren erfolgen. Diese
scheiden die Viren mit ihrem Kot, Urin oder Speichel aus.
* Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten.
* Erkrankungen können laut WHO schwer verlaufen, sind aber in
Deutschland selten.
* Die knapp 150 Gäste an Bord des Schiffs werden laut Reederei
nicht am ursprünglich geplanten Zielort Kap Verde an Land gehen
können. Für drei Menschen ist eine medizinische Evakuierung geplant.
Das Schiff könnte dann mit den Passagieren an Bord Kurs auf die
Kanaren nehmen. Dies sei aber noch nicht gesichert, erklärte
Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions.
Was wir nicht wissen
* Unklar ist, ob tatsächlich alle drei Todesfälle durch das
Hantavirus verursacht wurden.
* Wie sich die laborbestätigt am Hantavirus Erkrankten angesteckt
haben, ist unklar. Und auch, wie dies bei den weiteren möglichen
Fällen passiert sein könnte.
* Auch offen ist, ob es weitere Infektionen unter Passagieren oder
der Crew gibt. Bislang gebe es keine weiteren Personen, die Symptome
zeigten, erklärte die Reederei.
* Zur Stimmung unter den Menschen an Bord gibt es kaum gesicherte
Erkenntnisse. Der Schiffsbetreiber erklärt, die Stimmung sei «ruhig»
und die Passagiere seien «insgesamt gefasst».
* Offen war zudem, wann und wie es für die an Bord verbliebenen
Passagiere und die Crew genau weitergeht. Das Schiff befand sich
zuletzt vor seinem Zielhafen auf Kap Verde. Eine laut Betreiber
erwogene Weiterfahrt in Richtung der Kanarischen Inseln war zunächst
nicht gesichert.
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