Pharmabranche: Warkens Sparpaket bedroht Arznei-Standort

Die Pharmaindustrie, die 2025 stark gewachsen war, erwartet ein Ende
des Aufwärtstrends. Das liegt nicht nur an Trumps Zöllen. Das
Sparpaket von Ministerin Warken sieht die Branche als Standortrisiko.

Berlin (dpa) - Die deutsche Pharmaindustrie warnt vor schweren Folgen
für den Arznei-Standort durch das Sparpaket von Gesundheitsministerin
Nina Warken (CDU). Der Verband forschender Pharma-Unternehmen (VFA)
kritisiert, die geplanten Sparvorgaben für die Branche unterliefen
das eigene Ziel der Bundesregierung, die Pharmaindustrie als
Schlüsselbranche zu stärken.

«Das Spargesetz wird den bisherigen Aufwärtstrend der
pharmazeutischen Branche in Deutschland beenden», sagt VFA-Präsident
Han Steutel. Künftig würden Investitionen und Jobs im Ausland
aufgebaut. «Viele vergessen, dass die Pharmaindustrie die letzte
Industriebranche in Deutschland ist, die trotz aller Widrigkeiten
Beschäftigung aufgebaut hat.»

Dieses Jahr erwartet der VFA einen Umsatzrückgang von 1,0 Prozent,
die Produktion soll um 0,7 Prozent sinken. Die Beschäftigung dürfte
moderat auf gut 130.000 Menschen steigen und die Investitionen
zulegen. Für 2027 wären deutliche Zuwächse in allen Größen zu
erwarten gewesen, heißt es in der neuen Prognose, in die das
Sparpaket von Warken nicht einberechnet ist. «Nun sind diese
Perspektiven allerdings nicht gegeben.»

Widerspruch kam vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen.
«Die Pharmaindustrie verdient glänzend an den hohen
Medikamentenausgaben, die von den Beitragszahlerinnen und
Beitragszahlern der gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden»,
sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, der dpa. «Die
Kosten einer Tagesbehandlung mit neuen Wirkstoffen sind seit 2012 um
rund 180 Prozent gestiegen und der deutsche Pharmamarkt ist einer der
stärksten Absatzmärkte weltweit.» Die Bundesregierung habe die
Sparvorgaben für Pharmakonzerne beim Herstellerrabatt weniger
verschärft als von der Finanzkommission zuvor empfohlen.

Politik macht Sparvorgaben

Gesundheitsministerin Warken will die Krankenkassen mit dem
«Beitragssatzstabilisierungsgesetz» im kommenden Jahr um 16,3
Milliarden Euro entlasten und so steigende Zusatzbeiträge verhindern.
Vergangene Woche gab das Bundeskabinett dafür grünes Licht. Geplant
sind auch schärfere Sparvorgaben für die Pharmabranche.

So sollen die Herstellerrabatte, die Arzneikonzerne Krankenkassen
gewähren müssen, steigen - nach VFA-Prognose von aktuell 7 Prozent
des Listenpreises auf rund 20 Prozent bis 2030. «Vor allem der
dynamische Herstellerrabatt nimmt den Unternehmen jegliche
Planungssicherheit», kritisiert Steutel. 

Auch für die deutschen Exporte erwartet der Verband Folgen. Da
deutsche Arzneipreise in vielen Ländern als Referenz gälten, würden
Pharma-Ausfuhren an Wert verlieren. Auch die USA orientierten sich
künftig daran, weil US-Präsident Donald Trump die heimischen
Arzneipreise an Richtwerte in anderen Industrieländern koppeln
wolle. 

Milliardeneinbußen im US-Geschäft?

Im Exportgeschäft mit den USA dürften der Pharmabranche bis 2030
zwölf Milliarden Euro verloren gehen, mit weiteren indirekten Folgen,
rechnet VFA-Chefvolkswirt Claus Michelsen vor. Minderausgaben in den
gesetzlichen Krankenkassen stünden Milliardenverluste bei Steuern und
Abgaben gegenüber.

Die Pharmaunternehmen würden mit den Gesetzesplänen enorm geschwächt,

fürchtet Steutel. «Bis in das Jahr 2030 dürften deutlich mehr als
vier Milliarden Euro für Hightech-Produktion und Forschung verloren
gehen.»

Noch 2025 hatte die deutsche Pharmabranche der schwachen Konjunktur
getrotzt und dank Vorzieheffekten im Zollstreit mit den USA eine
Sonderkonjunktur erlebt. Die Produktion stieg nach VFA-Zahlen um 4,6
Prozent und der Umsatz um 5,6 Prozent. Doch mit der Politik von Trump
und dem Iran-Krieg trübt sich das Umfeld ein. So treibt der
Nahost-Krieg die Kosten in der Pharmabranche hoch, etwa für
Luftfracht, und führt zu sinkenden Margen.

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