Hantavirus-Ausbruch auf Schiff: Ein deutscher Passagier tot Von Albert Otti, Annette Birschel und Larissa Schwedes, dpa
Mehrere Menschen erkranken auf einem Kreuzfahrtsschiff, drei von
ihnen sterben später - darunter ein Deutscher. Die WHO sieht jedoch
kein größeres Risiko für die breite Öffentlichkeit.
Kap Verde/Vlissingen (dpa) - Nach einem möglichen Ausbruch des
Hantavirus auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff im Atlantik sind drei
Menschen gestorben - darunter auch ein deutscher Passagier. Wie es
aus dem Auswärtigen Amt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur
hieß, handelt es sich bei einem der drei gestorbenen Passagiere um
eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit. Zum Schutz der
Persönlichkeitsrechte wollte man sich jedoch nicht weiter zu dem
Einzelfall äußern.
Zuvor hatte der Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions mitgeteilt,
die deutsche Person sei am Sonntag gestorben. Zudem gibt es mehrere
Hantavirus-Verdachtsfälle unter Passagieren des Kreuzfahrtschiffs
«Hondius», das von Argentinien nach Kap Verde unterwegs war.
Infektionen in der Regel über Kot von Nagetieren
Das Hantavirus kann bei Menschen zu Fieber und schweren
Atemwegserkrankungen führen. Auch die Nieren sind häufig betroffen.
Infektionen können bei Kontakt mit den Ausscheidungen von Nagetieren
passieren. In seltenen Fällen wird der Erreger auch von Mensch zu
Mensch übertragen, heißt es von der WHO.
Neben dem deutschen Passagier starben zwei Niederländer - ein älteres
Ehepaar. Der Mann war nach den neuesten Angaben des Betreibers am 11.
April an Bord gestorben und seine Frau am 27. April, als sie bereits
auf der Heimreise war. Wie bei dem deutschen Passagier sei auch bei
diesen beiden Todesfällen unbestätigt, ob sie tatsächlich mit dem
Hantavirus zusammenhängen.
Mehrere Verdachtsfälle, einer bestätigt
Zweifelsfrei bestätigt ist das Virus demnach nur in einem Fall: Am
27. April war ein weiterer Passagier an Bord schwer erkrankt. Er
werde zur Zeit auf der Intensivstation in Johannesburg behandelt.
Sein Zustand sei kritisch, aber stabil, hieß es vom Unternehmen.
Darüber hinaus erkrankten den Angaben zufolge zwei Crewmitglieder,
ein Brite und ein Niederländer. Beide hätten Probleme mit den
Atemwegen, einer habe schwere, der andere milde Symptome. Auch bei
diesen beiden sei die Infektionsursache unklar und das Hantavirus
noch nicht bestätigt worden.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet die Fälle der
Gestorbenen sowie die weiteren Infizierten - neben dem bestätigen
Fall - jedoch als Hantavirus-Verdachtsfälle. Die Passagiere und die
Crew erhielten medizinische Unterstützung, hieß es von der WHO. Eine
detaillierte epidemiologische Untersuchung sei im Gange.
Infektionen sind selten
Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri Kluge, gab trotzdem
schon gewisse Entwarnung: «Das Risiko für die breite Öffentlichkeit
ist weiterhin gering.» Reisebeschränkungen seien nicht erforderlich.
Hantavirus-Infektionen seien selten, hieß es weiter. Erkrankungen
verliefen zwar in manchen Fällen schwerwiegend, das Virus sei aber
nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragbar.
Ansteckung eigentlich eher in Schuppen oder Garten
Ein Ausbruch in einer solchen Umgebung gilt als ungewöhnlich:
Infizierte Nagetiere scheiden das Virus mit ihrem Kot, Urin oder
Speichel aus, wie das Robert Koch-Institut schreibt. Menschen stecken
sich üblicherweise durch aufgewirbelten Staub - etwa beim Aufräumen
eines staubigen Schuppens oder Dachbodens - oder durch Bisse an.
In Deutschland schwankt die Zahl der Infektionen den
Gesundheitsbehörden zufolge von Jahr zu Jahr. Sie ist abhängig davon,
wie viele Nagetiere es gibt, die den Erreger übertragen können. Dazu
gehören etwa Rötelmäuse. Gibt es für sie viel zu fressen, was
wiederum mit Niederschlägen im Vorjahr zusammenhängt, können sie sich
stark vermehren - im Zuge dessen gibt es auch mehr Hantavirus-Fälle
beim Menschen. Im Jahr 2024 zählte das Robert Koch-Institut 423
Erkrankungen, im Jahr davor 337 Fälle. 2021 gab es ein Vielfaches
dieser Fallzahlen.
Im vergangenen Jahr hatte der Tod des US-Schauspielers Gene Hackman
und seiner Ehefrau Betsy Arakawa für weltweites Aufsehen gesorgt.
Hackman und Arakawa waren im Februar in ihrem Zuhause in Santa Fe tot
aufgefunden worden. Arakawa war laut den Ermittlern an den Folgen
einer Hantavirus-Erkrankung gestorben. Die 95-jährige
Hollywood-Legende selbst starb dem Autopsie-Bericht zufolge an einer
Herz-Kreislauf-Erkrankung.
Schiff vor Kap Verde
Das Schiff «Hondius» hat für 170 Passagiere und etwa 70
Besatzungsmitglieder Platz. Laut Fahrplan des Schiffes war die
«Hondius» von Ushuaia im Süden Argentiniens aufgebrochen. Nach
Angaben verschiedener Ortungs-Websites befand sich das Schiff zuletzt
vor seinem Zielhafen auf Kap Verde. Die Abstimmung mit den dortigen
Behörden laufe, hieß es vom Betreiber.
Das Gesundheitsministerium der argentinischen Provinz Tierra de
Fuego, wo das Kreuzfahrtschiff ablegte, teilte mit, dass es in der
Provinz seit Beginn der systematischen Erhebung noch nie einen
bestätigten Fall von Hantavirus gab. Der Schiffsbetreiber erklärte,
er könne zur möglichen Ursache der möglichen Infektionen bislang
nichts sagen.
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