Mainz will bald wichtige Weichen für Unimedizin stellen

Der Gebäudebestand der einzigen Uniklinik des Landes ist marode. Es
soll viel Geld investiert werden. Wo genau, das wird sich erst noch
entscheiden. Bis dahin ist noch einiges zu tun.

Mainz (dpa/lrs) - Für die Zukunft der Universitätsmedizin Mainz
sollen in den kommenden Monaten von städtischer Seite wichtige
Weichen gestellt werden. Zunächst geht es darum, in den städtischen
Gremien die Eckdaten für ein Gutachten festzuzurren, das Vor- und
Nachteile eines möglichen neuen, zweiten Standorts der einzigen
Uniklinik von Rheinland-Pfalz aufzeigen soll. 

Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) sagte der Deutschen
Presse-Agentur in Mainz: «Wir müssen kurz vor oder kurz nach der
Sommerpause eine Einigung auf einen Prüfauftrag anstreben.» Dieser
solle die Matrix und die zu prüfenden Gebiete definieren. Die Prüfung
selbst werde dann etwa ein Jahr brauchen. Erst dann kann entschieden
werden, wo was saniert oder gebaut wird. 

«Natürlich warten wir die Bildung der Landesregierung ab», sagte
Haase weiter. «Nichtsdestotrotz bereiten wir seitens der Verwaltung
eine Prüf-Matrix vor. Die werden wir bis zur Sommerpause den Gremien
vorlegen.» 

Gebäudebestand ist in die Jahre gekommen

Die Universitätsmedizin Mainz, die größte Beteiligung des Landes
Rheinland-Pfalz, fährt seit Jahren Verluste ein. Bis 2030 soll
operativ die schwarze Null stehen. Dazu beitragen soll eine modernere
Infrastruktur. Der derzeitige Gebäudebestand mit vielen in die Jahre
gekommenen Häusern gilt nicht mehr als zeitgemäß und macht
Arbeitsabläufe ineffizient. 

Angesichts dessen sollen bis etwa 2040 insgesamt rund 2,2 Milliarden
Euro verbaut werden. Die Frage ist, ob das Geld alleine in den
derzeitigen Standort in der Mainzer Oberstadt fließt oder ein zweiter
Standort neu gebaut wird. Für diesen werden mehrere denkbare Areale
diskutiert, darunter eines in der Nähe des ZDF. 

In dem am vergangenen Donnerstag vorgestellte Koalitionsvertrag von
CDU und SPD heißt es zur Unimedizin unter anderem, beide Parteien
unterstützten «die entwickelte Zweistandort-Lösung». Auch werde der

von der Klinik angestoßene Konsolidierungsprozess begrüßt, der müss
e
entschlossen weitergegangen werden.

Bei der Prüfung möglicher Standorte wird es OB Haase zufolge um
klimatologische Dinge, etwa Auswirkungen auf die Frischluftzufuhr für
die Stadt, um Artenschutz oder auch um Zuwegungen gehen. Zur Wahrheit
gehöre auch, dass die veränderte Sicherheitslage neue Anforderungen
an Kliniken mit sich bringe. «Ich persönlich kann sehr gut
nachvollziehen, dass die Unimedizin einen Neubau außerhalb der
Innenstadt anstrebt.» Bei Umweltschützern ist ein Neubau auf noch
unbebautem Areal umstritten. 

Haase: Unimedizin ist Innovationsmotor

Grundsätzlich betonte Haase die Dringlichkeit, die Planungen für die
Unimedizin voranzubringen. Mainz entwickele sich zu einem immer
wichtigeren Standort der Biotechnologie. «Wir werden hier ein
richtiger Nukleus. Und wenn dann Herr Sahin und Frau Türeci sagen:
Wir gründen aus, aber wollen das Zentrum weiter am Standort Mainz
haben, ist das schon eine Aussage.» 

Ugur Sahin und Özlem Türeci sind die beiden Mitgründer des in Mainz
sitzenden Impfstoffherstellers Biontech. Das Unternehmen wurde einst
aus der Unimedizin ausgegründet, mit seinem Corona-Impfstoff berühmt
und verdiente Milliarden. Das Ehepaar hatte vor einiger Zeit
angekündigt, bei Biontech auszusteigen und ein neues Unternehmen
gründen zu wollen. 

Vor dem Hintergrund all dieser Entwicklungen müsse klar sein, wie
hochrelevant eine Unimedizin sei, sagte Haase. Diese stehe in diesem
ganzen Ökosystem in der Mitte als Innovationsmotor und sei daneben
ein großer Arbeitgeber und zentral für die Versorgung bei uns in der
Stadt. Für Haase könnte ein Teilumzug der Universitätsmedizin von der

zentralen Oberstadt an den Stadtrand durchaus Vorteile bringen. «Man
muss auch sehen, innerstädtisch wäre es ein riesiges Potenzial zur
Linderung der Wohnungsnot oder für neue Grünflächen.»

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