Nasse-Meyfarth kritisiert Umgang mit DDR-Sportlern scharf
Die zweimalige Hochsprung-Olympiasiegerin sieht die Leistungen
ostdeutscher Sportler zu wenig gewürdigt. Besonders die einseitige
Betrachtung über früheres Doping stößt ihr auf.
Berlin (dpa) - Sie selbst feierte für die Bundesrepublik Deutschland
zwei Olympiasiege, jetzt kritisiert die ehemalige Hochspringerin
Ulrike Nasse-Meyfarth den Umgang mit den Erfolgen ihrer Sportkollegen
aus der DDR heftig. «Ich finde es unsäglich, wie wenig Respekt
ostdeutschen Olympiasiegern, Weltmeistern und sonst erfolgreichen
Athleten von den Westdeutschen entgegengebracht wurde und wird. Die
hierzulande auf den Sport in Westdeutschland fokussierte
Erinnerungskultur macht mich sauer», sagte Nasse-Meyfarth in einem
Interview der «Welt am Sonntag».
Nasse-Meyfarth: Früheres Doping der Westdeutschen wird ignoriert
Dabei stößt sich die Olympiasiegerin von 1972 und 1984, die in
Frankfurt am Main geboren wurde und in Wesseling bei Köln aufwuchs,
vor allem an der aus ihrer Sicht einseitigen Darstellung der
DDR-Sportgeschichte in der öffentlichen Debatte.
«Stereotyp und pauschal werden immer wieder die Themen
institutionelles Doping und Stasi-Mitgliedschaft bei den
DDR-Sportlern aufgemacht. Dabei wird nicht hinterfragt, ob jemand
wissentlich die nur in Akten geschilderten Dopingpraktiken mitgemacht
hat oder ob ein in die Stasi verwickelter Sportler jemand verriet
oder schadete», sagte Nasse-Meyfarth, die am Montag ihren 70.
Geburtstag feiert. «Dagegen wird geflissentlich das insbesondere vor
dem Mauerfall vorsätzlich praktizierte Individualdoping der
Westdeutschen ignoriert.»
Fördersystem hätte übernommen werden sollen
Nasse-Meyfarth kritisierte die «Ignoranz und Arroganz der
westdeutschen Sportszene» - diese sei auch eine Ursache, warum die
sportlichen Erfolge in Deutschland zunehmend ausbleiben. «Es war auch
kurzsichtig und überheblich vom Westen, im Zuge der Wiedervereinigung
nicht das in der DDR praktizierte Talentsichtungs-, Auswahl- und
Fördersystem übernommen zu haben. Es war die Basis für den Erfolg,
nicht das Doping. Hätte der Sport im wiedervereinigten Deutschland
sich an diesem System orientiert, stünde er nicht so desolat da wie
seit Jahren.»
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