Leiche in Kühltruhe: Freund soll 28-Jährige getötet haben
Mitte April fand ein Mann die Leiche seiner Schwester in ihrer
Kühltruhe. Die Spur führte schließlich zum zunächst verschollenen
Freund der Toten. Ihre Beziehung soll von Gewalt geprägt gewesen
sein.
Bielefeld (dpa) - Im Fall einer vor zweieinhalb Wochen in Bielefeld
tot in ihrer Kühltruhe entdeckten jungen Frau hat die Polizei den
mutmaßlichen Täter ermittelt und festgenommen. Der 32 Jahre alte
Freund der Toten sitze inzwischen in Untersuchungshaft, teilten
Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Er habe die Tat gestanden, hieß
es weiter.
Den Angaben der Behörden zufolge soll die Beziehung zu dem Opfer von
gegenseitiger Gewalt geprägt gewesen sein. Der Deutsche habe die Tat
eingeräumt, sei aber der Ansicht, in einer Situation der Notwehr
gehandelt zu haben, hieß es in der Mitteilung. Dem folgte die
Staatsanwaltschaft aber offensichtlich nicht: Auf ihren Antrag hin
erließ ein Haftrichter einen Untersuchungshaftbefehl wegen
Totschlags.
Leiche wies viele Verletzungen an Hals und Oberkörper auf
An der Leiche der Toten waren viele Verletzungen an Kopf und
Oberkörper festgestellt worden. Die Rechtsmediziner gehen davon aus,
dass die Frau entweder erstickte oder durch stumpfe Gewalteinwirkung
am Hals ums Leben kam. Zum Tathergang und auch zum Zeitpunkt des
Verbrechens machten die Ermittler zunächst keine weiteren Angaben.
Der Bruder der Getöteten hatte seine Schwester am 12. April tot in
der Tiefkühltruhe ihrer Souterrainwohnung entdeckt und die Polizei
alarmiert. Die sofort eingerichtete Mordkommission vermeldete aber
lange keine Ermittlungserfolge.
Lagerung in Tiefkühltruhe herausfordernd für Rechtsmediziner
Ein Grund: Der Zustand der tiefgefrorenen Leiche stellte die
Rechtsmediziner vor Herausforderungen bei der Spurensicherung. Erst
vier Tage, nachdem die tiefgefrorene Leiche aus der Truhe geborgen
war, fand die Obduktion statt. Um mögliche Spuren zu erhalten, müsse
die Leiche besonders behutsam und langsam wieder auf Temperatur
gebracht werden, hatte es geheißen.
Auch im Anschluss der Obduktion wurde die Todesursache zunächst nicht
sicher festgestellt, weil sich durch die Lagerung bei
Minustemperaturen Veränderungen an den Verletzungen ergeben haben
könnten, wie es hieß. Mehrfach hatte die Polizei zudem Bekannte und
mögliche Kontaktpersonen des Opfers aufgerufen, sich zu melden, um
mehr über das Umfeld der Toten zu erfahren. Auch nach dem Freund der
Toten war gesucht worden - allerdings anfangs ohne dringenden
Tatverdacht.
Frühe Hinweise auf Problem-Beziehung
Nun teilten die Behörden mit, dass es bereits kurz nach dem Fund
Hinweise zu ihm gegeben habe. So habe man Hinweise darauf erhalten,
dass die Beziehung der beiden problembehaftet gewesen sei, so ein
Polizeisprecher. In den ersten Ermittlungstagen sei es aber nicht
gelungen, Kontakt zu dem Freund aufzunehmen und ihn zu befragen. Er
habe keinen festen Wohnsitz, hieß es weiter.
Bei den weiteren Ermittlungen habe sich der Anfangsverdacht gegen ihn
schließlich erhärtet. Intensive Arbeit der Ermittler habe schließlich
auf die Spur des Mannes geführt, hieß es nun. Weil er sich den
Angaben zufolge mittlerweile in Frankfurt am Main aufhielt,
unterstützte die hessische Polizei bei der Festnahme. Der Gesuchte
sei am Dienstagabend am dortigen Hauptbahnhof gefasst und am Folgetag
einem Haftrichter vorgeführt worden. Seither sitzt er in
Untersuchungshaft.
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