Umstrittener Erbgut-Pionier Craig Venter gestorben Von Christina Horsten, dpa

Craig Venter hat das menschliche Genom entschlüsselt und schuf das
erste Bakterium mit künstlichem Erbgut. Aber der schillernde
Gen-Pionier war immer umstritten. Nun ist der US-Forscher gestorben.

New York (dpa) - Sein Leben lang kämpfte Craig Venter gegen das
Altern. Nach seiner wohl größten Errungenschaft, der Entschlüsselung

des menschlichen Erbguts, veröffentlichte der US-Wissenschaftler mit
seinem eigenen Genom die erste genetische Blaupause eines einzelnen
Menschen. Angesichts der daraus hervorgehenden Risikofaktoren -
darunter eine erhöhte Herzinfarkt-Gefährdung - nahm Venter
anschließend vorbeugend entsprechende Medikamente ein.

«Die Kenntnis von unseren genetischen Risiken bedeutet Macht - die
Macht, ihnen entgegenzusteuern», sagte Venter einmal der Deutschen
Presse-Agentur. Später gründete er eine eigene Firma mit dem Ziel,
die «gesunde Lebenszeit» der Menschen zu verlängern.

Letztlich konnte aber auch der Pionier der Erbgut-Forschung
die Naturgesetze nicht völlig außer Kraft setzen. Am Mittwoch
(Ortszeit) starb Venter im Alter von 79 Jahren in einem Krankenhaus
in San Diego, wie das von ihm gegründete J. Craig Venter Institut
(JCVI) mitteilte. Bei der Therapie gegen eine kürzlich
diagnostizierte Krebserkrankung seien unerwartete Nebenwirkungen
aufgetreten. 

Wettbewerb mit internationalem Forschungsteam

Der am 14. Oktober 1946 in Salt Lake City als Sohn eines
deutschstämmigen Buchhalters geborene Forscher war immer so
schillernd wie umstritten. Die Schule nahm er eigenen Berichten
zufolge nicht wirklich ernst, sondern ging lieber surfen. Später
wurde er eingezogen und arbeitete während des Vietnam-Kriegs als
Sanitäter im Krankenhaus der US-Marine.

Im Anschluss studierte er in Kalifornien und spezialisierte sich auf
Biochemie. 1999 forderte er schließlich ein internationales
Forscherteam heraus, das schon lange daran gearbeitet hatte, das
menschliche Erbgut zu entschlüsseln. Nach nur 15 Monaten erreichte er
etwa zeitgleich mit dem staatlich geförderten Human Genome Project
das Ziel - wie «auf Steroiden und Kokain», sagte Venter später. «Ic
h
denke, das ist viel wichtiger als auf dem Mond zu laufen»,
kommentierte der Wissenschaftler einmal seine größte Errungenschaft.

Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet

Das Projekt machte ihn weltberühmt - aber auch äußerst umstritten.
Danach kündigten er und sein Team mit schwindelerregendem Tempo immer
wieder neue Entdeckungen und Vorhaben an. Ein Bakterium mit
künstlichem Erbgut etwa, um die Welt vor der Klimakatastrophe zu
retten und neue Energiequellen zu erschließen. Oder die
Entschlüsselung der Genome Zehntausender Menschen pro Jahr, um eine
riesige Datenbasis für die Forschung zu haben.

Viele Kollegen warfen Venter immer wieder Größenwahn, Narzissmus und
einen zu stark ausgeprägten Geschäftssinn vor. Aber der
Wissenschaftler, der viele Jahre dem von ihm gegründeten J. Craig
Venter Institut vorsaß, bekam auch zahlreiche Preise und bewies
mehrfach, dass er scheinbar Unmögliches bewerkstelligen konnte.

«Craig war davon überzeugt, dass die Wissenschaft nur dann
vorankommt, wenn Menschen bereit sind, über den Tellerrand
hinauszuschauen, entschlossen zu handeln und Dinge zu schaffen, die
es noch nicht gibt», erklärte der Präsident des Instituts, Anders
Dale, zum Tod von Venter.

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