HateAid-Chefin: Politik reagiert zu spät auf Deepfakes

Sexualisierte Deepfakes und Identitätsklau: Die
HateAid-Geschäftsführerin kritisiert, die Politik habe die
Entwicklung unterschätzt. Eine ARD-Dokumentation will aufklären.

Berlin (dpa) - Die Geschäftsführerin der Betroffenenorganisation
HateAid, Anna-Lena Freiin von Hodenberg, wirft der Politik vor,
Deepfakes lange nicht ernst genommen zu haben. Es sei absehbar
gewesen, dass Künstliche Intelligenz die Herstellung solcher Inhalte
massiv erleichtern werde, sagte sie bei einer Veranstaltung der
Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Das hätte man auch voraussehen
können und wir haben nicht darauf reagiert.»

Bei Deepfakes werden mit Hilfe Künstlicher Intelligenz täuschend echt
wirkende Bild-, Video- oder Tonaufnahmen manipuliert oder erzeugt.
Von Hodenberg sieht darin eine erhebliche Gefahr für Betroffene. «Ein
Inhalt in der analogen Welt ist schlimm, aber so ein Inhalt im
Internet geht nie wieder weg», sagte sie. Er werde mitunter von
Millionen Menschen gesehen, sei nicht mehr kontrollierbar und könne
Betroffene «bis ans Ende ihrer Tage begleiten».

Über Deepfakes wird schon seit einigen Wochen in Deutschland
debattiert - vor allem wegen sexualisierter Deepfakes, von denen vor
allem Frauen betroffen sind. Eine neue ARD-Dokumentation von und mit
Eckart von Hirschhausen zeigt eine weitere perfide Facette des
Problems: den systematischen Identitätsklau als Geschäftsmodell.
«Hirschhausen und die Deepfake-Mafia» ist vom 1. Mai an in der
ARD-Mediathek abrufbar und wird am 4. Mai im Ersten (20.15 Uhr)
ausgestrahlt. Der Film zeigt die Methoden unseriöser Anbieter, die
mittels Künstlicher Intelligenz digitale Doppelgänger von Prominenten
schaffen. Darin trifft der Moderator für den Film auch die
Schauspielerin Collien Fernandes, die momentan wohl bekannteste
Kämpferin gegen Identitätsdiebstahl. 

Eine aktuelle Umfrage zeigt zudem die Reichweite solcher Inhalte.
Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Civey haben 22 Prozent
der Befragten, die den Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen
kennen, bereits Werbung wahrgenommen, in der er scheinbar Produkte
bewirbt - unabhängig davon, ob diese echt oder gefälscht ist. 12
Prozent dieser Gruppe berichten demnach von Medikamentenwerbung, die
auf KI-generierten Fälschungen basiert.

Für die nach Angaben von Civey repräsentative Umfrage befragte das
Institut demnach vom 24. bis 28. April 2026 online 5.000 Bundesbürger
und Bundesbürgerinnen ab 18 Jahren und 5.000 Personen, die Dr. Eckart
von Hirschhausen kennen.

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