Pflege in NRW: Mehr Azubis, aber hoher Bedarf bleibt Von Dorothea Hülsmeier, dpa

Mehr Azubis, mehr Pflegekräfte - doch der Fachkräftemangel bleibt
spürbar. Warum die Pflege in NRW trotz Entspannungssignalen trotzdem
vor großen Herausforderungen steht und neue Wege gehen muss.

Düsseldorf (dpa/lnw) - In der von jahrelangem Fachkräftemangel
betroffenen Pflegebranche zeichnet sich bei der Beschäftigtenzahl in
Nordrhein-Westfalen eine positive Tendenz ab. Immer mehr Menschen
arbeiten in der Pflege oder entscheiden sich für eine Ausbildung in
den Gesundheitsberufen. Das geht aus dem alle zwei Jahre
erscheinenden Bericht der Landesregierung zur Ausbildungs- und
Fachkräftesituation im Gesundheitssektor hervor.

In der Pflege stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten seit 2022 um gut 7.500 auf mehr 292.000 im Jahr 2025.
Seit Einführung der einheitlichen dreijährigen Pflegeausbildung im
Jahr 2020 stieg zudem die Zahl der neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträge bis 2024 um 17 Prozent auf fast 16.950.
Vorläufige Zahlen des Jahres 2025 zeigten einen nochmaligen Anstieg
auf mehr als 17.250 neue Ausbildungsverträge. 

«Die Pflege- und Therapieberufe sind Wachstumsberufe», sagte der
wissenschaftliche Gutachter Prof. Michael Isfort. Der Bedarf sei aber
weiter hoch. «In der Summe ist der Druck aus den Einrichtungen höher
als die Kapazität, die wir in der Pflege haben.» 

Ein Drittel bricht Ausbildung ab 

2023 schlossen rund 10.060 Absolventinnen und Absolventen die
Regelausbildungszeit ab, 2024 waren es mehr als 10.400. Die
sogenannte Ausbildungserfolgsquote bei Pflegefachkräften sank von
69,6 Prozent im Ausbildungsjahr 2023 auf 66,3 Prozent 2024. Das
bedeutet, dass etwa ein Drittel der Azubis ihre Ausbildung abbrechen.
Für Gutachter Isfort ist das kein Grund zur Beunruhigung. Nur
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stünden etwas besser da. Die
Abbrecherquoten seien normal und auch im Vergleich zu anderen Berufen
etwa im Handwerk nicht erschreckend. 

Zuwächse auch in Therapieberufen und Pflegeassistenz

Bei den Therapieberufen Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie
gab es Steigerungen zwischen sechs und mehr als sieben Prozent bei
den Beschäftigten. Die Umstellung der Ausbildung von Hebammen auf ein
Bachelorstudium wird ebenfalls gut angenommen. In den letzten drei
Jahrgängen studieren jeweils rund 400 Studierende angewandte
Hebammenwissenschaft und Hebammenkunde. Gegenüber der früheren
Ausbildung sei dies mehr als eine Verdoppelung.

Starke Zuwächse verzeichnet auch die Pflegefachassistenz: Während
es im ersten Jahr der Ausbildung 2021 noch gut 1.300 Azubis 
gab, waren es 2024 bereits mehr als 6.100. Im vergangenen Jahr stieg
die Zahl der Pflegeassistenzschüler um weitere 14 Prozent auf rund
7.000. 

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) führte die steigenden
Ausbildungszahlen auch auf gezielte Investitionen zurück. So habe das
Land rund 350 Millionen Euro für den Ausbau und die Modernisierung
von Pflegefachschulen und Ausbildungsplätzen investiert. Ein
wichtiger Schritt sei auch die Abschaffung des Schulgelds in
Therapie- und Gesundheitsfachberufen gewesen, so Laumann. Dies habe
dazu geführt, dass mehr junge Menschen sich für diese Berufe
entscheiden. «Das Konzept ist voll aufgegangen.»

Deutlicher Anstieg der älteren Bevölkerung

Die steigenden Ausbildungszahlen in der Pflege könnten nach
Einschätzung der Studienautoren den Ersatzbedarf durch rentenbedingte
Berufsausstiege bis 2030 kompensieren. Jährlich könnten 8.000 bis
9.500 ausgebildete Pflegekräfte in den Arbeitsmarkt kommen, während
4.000 bis 6.500 Beschäftigte in Rente gingen. 

Angesichts der hohen Zahl von rund 7.000 Pflege- und
Klinikeinrichtungen in NRW würden Versorgungsangebote aber eher
aufrechterhalten anstatt ausgebaut. «Wir können damit keine maßlose
Steigerung zusätzlicher Einrichtungen generieren», sagte Gutachter
Isfort. «Dazu reicht das Personal aus den Ausbildungsstätten nicht
aus.»

Besonders vor dem Hintergrund des bis 2040 erwartbaren deutlichen
Anstiegs der älteren Bevölkerung wird laut Studie der Bedarf an
Fachkräften hoch bleiben. Bei der Gruppe der über 75-Jährigen wird
zwischen 2023 und 2040 mit rund 650.000 Personen zusätzlich
gerechnet. Erstmals wurde auch die Entwicklung der Demenz
eingeschätzt. Für 2023 wurden rund 380.000 Menschen mit Demenz
berechnet. Diese wird bis 2040 voraussichtlich um weitere rund 92.000
ansteigen. 

Ein «bunteres Bild» der Pflegeformen 

Von einem «Pflegenotstand» könne man nicht sprechen, betonte Isfort.

«Was wir aber deutlich sehen: Wir werden uns andere Lösungen
überlegen müssen, weil wir die Anzahl der Einrichtungen nicht in die
Unendlichkeit steigern können.» 

Minister Laumann wies darauf hin, dass mehr als 80 Prozent der
Pflegebedürftigen zuhause gepflegt würden. Das Bild der stationären
Pflege werde sich ändern. Künftig werde es auch andere Wohnformen
geben wie etwa selbstbestimmte Pflege-Wohngemeinschaften. «Da wird
das Bild bunter werden.»

NRW setzt auf Fachkräfte aus dem Ausland

Ausländische Fachkräfte werden zu einer immer wichtigeren Stütze im
Pflegebereich. «Wir gewinnen erheblich in diesen Berufen auch
Menschen mit einer Zuwanderungsgeschichte», sagte Laumann. Der
Nachwuchs bei Pflegekräften komme sehr stark aus Indien, Marokko und
Vietnam. 2025 gab es in NRW mehr als 14.400 Zulassungen für
Pflegekräfte aus anderen Ländern. Viele kommen bereits für die
Ausbildung nach NRW. Laumann sieht dafür Gründe: Das Land biete eine
attraktive Ausbildungsvergütung und für ausgebildete Pflegekräfte ein

EU-finanziertes Willkommensgeld von 1.500 Euro.

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