Krankenstand in Tesla-Werk in Grünheide gesunken

Vor zwei Jahren sorgten Hausbesuche von häufig krankgemeldeten
Tesla-Beschäftigten für eine Debatte. Der Krankenstand ist
zurückgegangen. Gibt es Fälle, in denen die Lohnfortzahlung gestoppt
wurde?

Grünheide (dpa) - Der Krankenstand beim US-Elektroautobauer Tesla in
Grünheide bei Berlin ist deutlich zurückgegangen. «Unser Krankenstand

liegt aktuell bei knapp 5 Prozent», teilte das Unternehmen mit. Zuvor
hatte das «Handelsblatt» darüber berichtet. Im Jahr 2024 lag der
Anteil nach damaligen Angaben von Werksleiter André Thierig bei 15
Prozent oder darüber. Der niedrige Krankenstand ist nach Angaben des
Autobauers ein Ergebnis innerbetrieblicher Maßnahmen der vergangenen
Jahre.

In dem europaweit einzigen Autowerk von Tesla-Chef Elon Musk in
Brandenburg arbeiteten zuletzt 10.700 Beschäftigte. Bis Ende Juni
will das Unternehmen wegen gestiegener Nachfrage 1.000 neue
Mitarbeiter einstellen, um die Produktion um rund ein Fünftel
hochzufahren. Vor etwas mehr als zwei Jahren arbeiteten im Werk etwa
12.400 Menschen.

Ein Sprecher nannte als Beispiel für innerbetriebliche Maßnahmen ein
Bonussystem, das Anwesenheit im Jahresverlauf honoriere. Damit hätten
«die auffällig gehäuften Abwesenheiten an Montagen und Freitagen
deutlich» abgenommen. Dazu wurde das Sportprogramm ausgebaut: Neben
einem bestehenden Fitnessstudio seien zwei Sportplätze für Fußball
oder Basketball eröffnet worden. Es gebe auch Angebote für
Beschäftigte mit Fitness- und Ergonomietrainern.

Tesla prüft in mehreren Fällen Stopp der Lohnfortzahlung

Das «Handelsblatt» schrieb außerdem, dass Tesla vermehrt Schreiben
wie schon im Jahr 2024 verschicke, in denen krankgeschriebene
Mitarbeiter über einen Stopp der Entgeltfortzahlung informiert
würden. Der Autobauer wies das zurück. Es handle sich um eine geringe
zweistellige Zahl von Fällen im Monat, bei denen es Diskussionen über
die Einstellung der Lohnfortzahlung gebe.

Es sei so, «dass in wenigen Einzelfällen überprüft wird, ob trotz d
es
Ablaufes der gesetzlichen sechswöchigen Lohnfortzahlungsdauer weiter
ein Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht», teilte ein Sprecher mit.
«Der Arbeitnehmer wird darum gebeten, das Vorliegen dieses Anspruches
nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis, wird weiterhin Lohnfortzahlung
geleistet.»

Das Unternehmen beruft sich auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts
von 2023, nach dem Arbeitnehmer im Streitfall über die Fortsetzung
einer Erkrankung ihre Beschwerden offenlegen und ihre Ärzte von der
Schweigepflicht entbinden müssen.

Gewerkschaft: Zweifel an Krankmeldungen

Nach Ansicht der IG Metall zweifelt Tesla in mehreren Fällen
ärztliche Atteste an und verweigert die Entgeltfortzahlung im
Krankheitsfall: «Bei rund der Hälfte unserer Rechtsschutzfälle geht
es um Anzweiflungen von Krankmeldungen und (angedrohter) Einstellung
der Entgeltfortzahlung beziehungsweise rückwirkender Abzüge», sagte
ein Sprecher. Das sei bereits seit mehr als einem Jahr so.

Tesla hatte vor rund zwei Jahren Aufsehen durch Hausbesuche von
häufig krankgemeldeten Beschäftigten erregt und darauf verwiesen,
dass dies nichts Ungewöhnliches sei.

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