Neuer Chef von Schott Pharma: «Mit kürzeren Zyklen arbeiten»

Christian Mias ist der neue Kopf an der Spitze des Pharmazulieferers.
Auch ihn treiben Welt- und Zollpolitik um, dennoch blickt er
optimistisch nach vorn. Warum das so ist.

Mainz (dpa/lrs) - Der neue Chef des Pharmazulieferers Schott Pharma
sieht das Mainzer Unternehmen für die vielen weltpolitischen
Spannungen und Wirren der US-Zollpolitik gewappnet und erwartet
steigende Erlöse. «Die Perspektive sieht wieder besser aus», sagte
Christian Mias der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. 2026 sei ein
Übergangsjahr, in den Folgejahren 2027 bis 2029 sei mit sechs bis
acht Prozent Umsatzwachstum zu rechnen. Mias übernimmt zum 1. Mai den
Posten des Vorstandschefs bei dem Mainzer Unternehmen.

«Ich glaube, dass die Gesamttrends in der Industrie durchaus in
Ordnung sind und dass auch wir gut aufgestellt sind», betonte Mias.
Er löst an der Firmenspitze Andreas Reisse ab, der in den Ruhestand
geht. Reisse hatte Schott Pharma 2023 an die Börse gebracht. Das
Unternehmen stellt unter anderem Spritzen aus Glas und
Spezialglaskunststoff, Ampullen und Fläschchen für den Medizinbereich
her, beschäftigt weltweit rund 4.800 Mitarbeiter und erwirtschaftete
2025 einen Umsatz von rund 986 Millionen Euro. 

Premium-Produkte als Vorteil in bewegten Zeiten

«Wenn ich auf US-Zölle blicke, hilft uns das Portfolio mit den
High-Value-Solutions», sagte Mias. Damit sind margenstarke
Premium-Verpackungsprodukte und Dienstleistungen für die
Pharmaindustrie gemeint. Bei denen sei der Zollanteil nicht das
entscheidende Kriterium, sagte Mias. Angesichts der Geopolitik dürfe
man heutzutage zwar nicht aktionistisch werden. Entscheidungen
müssten aber engmaschiger hinterfragt werden als früher, weil sich
Rahmenbedingungen so schnell änderten. «Man muss mit kürzeren Zyklen

arbeiten.» 

Für die Weiterentwicklung von Schott Pharma nennt Mias, der bereits
mehrere Führungspositionen in dem Unternehmen innehatte, zwei
Stoßrichtungen: «Innovation sowie Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit

bezüglich Kosten». «Neue innovative Therapieansätze gehen häufig
Hand
in Hand mit spezifischen Anforderungen an die Aufbewahrungslösungen.»
An dem Punkt sieht der Manager Chancen, aufgrund der langjährigen
Expertise der Mainzer. 

Von großen Spritzen bis zu lichtundurchlässigen Behältnissen

Ein Beispiel seien großvolumige Spritzen für Arzneimittel. «Es ist
nicht einfach, aus einer kleinen Spritze eine große Spritze zu
machen. Das ist technisch doch eine größere Herausforderung», sagte
Mias. Ein anderes Beispiel sind Behältnisse für
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, die müssen lichtundurchlässig sein.
 

Bei Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten sollen Wirkstoffe der
Chemotherapie mit Hilfe von Antikörpern gezielter an Krebszellen
gebracht werden. «Es ist wichtig in der Pharmaindustrie, möglichst
schnell in Qualifikationsprozesse reinzukommen und sich dann gut
positioniert zu haben für das spätere Massengeschäft», betonte Mias

Mias sieht Trends zu Ambulantisierung und Regionalisierung

Grundsätzlich erwartet der neue Vorstandschef, dass der Trend zu
ambulanten Behandlungen von Patientinnen und Patienten weitergeht.
«Und zwar aus zwei Gründen: den Kosten im Gesundheitssystem und dem
Patientenkomfort», wie der 51-Jährige sagte. Wenn ein Patient nicht
lange in der Arztpraxis verweile, sondern sich ein Medikament zu
Hause verabreichen könne, entlaste dies das Gesundheitssystem. «Und
das andere ist: Ich sitze persönlich auch nicht gerne in der
Arztpraxis. Wenn ich das zu Hause machen kann, dabei meinen Kaffee
trinke und mein Buch lese, geht es mir im Zweifelsfall schneller
besser.» 

Mias spricht auch von einem Trend zur Regionalisierung, also zur
Herstellung von Produkten in einzelnen Weltregionen. Damit könne
Schott Pharma umgehen. «Wir sind in den zentralen Regionen aktiv und
präsent, ob das Asien und China ist, ob das USA ist, oder Europa»,
sagte er. «Das kann dazu führen, dass Europa eher etwas verliert und
Regionen wie Asien oder die USA weiter gewinnen.» Europa verliere
nicht im Sinne von massivem Absacken, das seien langsame Prozesse.

Für den Standort Deutschland wünscht er sich einen konsequenteren
Abbau von Bürokratie. «Wir reden sehr viel darüber. Ich persönlich

sehe die Ergebnisse nicht», kritisierte der Manager. «Es dauert
einfach alles zu lang. Wenn in China in der Zeit, in der wir
vielleicht eine Baugenehmigung erteilen, schon ein Gebäude steht,
machen wir wahrscheinlich Dinge falsch.»

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