Großrazzia gegen «Hells Angels» mischt Rocker-Szene auf Von Oliver Auster, dpa
1.200 Polizisten gehen gegen die «Hells Angels» in NRW vor. Ein
Ableger wird verboten - aber es gibt noch viele weitere. Der
Innenminister macht klar, was die Motorradclubs wirklich im Schilde
führen.
Düsseldorf (dpa) - Auch wenn die «Hells Angels» oft nachtaktiv sind,
wurden die meisten am Dienstag wohl unsanft aus dem Schlaf geholt: Um
4 Uhr morgens schlug die Polizei in NRW zeitgleich an 58 Adressen in
28 Städten zu. 1.200 Beamte stürmten Wohnungen, Lagerhallen und eine
Werkstatt. Die Ermittler nahmen den Präsidenten (46) des noch jungen
«Hells Angels»-Ablegers Leverkusen fest. Der Club wurde verboten,
sein Vermögen beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft sprach am
Nachmittag von Sach- und Vermögenswerten im hohen sechsstelligen
Bereich.
«Wer mit Waffen, Drogen, Gewalt und Einschüchterung sein Geld
verdient, muss jederzeit damit rechnen, dass die Polizei morgens im
Schlafzimmer steht. Nicht als Gast, sondern mit
Durchsuchungsbeschluss», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU),
als es draußen schon wieder hell war. Sichtlich zufrieden erklärte
Reul, dass dies einer der größten Einsätze gegen Rocker in der
Geschichte des Landes war.
Motorradrocker wollten sich Schönheitschirurg vorknöpfen
Ursprünglich hatte man wegen diverser Straftaten ermittelt, die der
Organisierten Kriminalität zugerechnet werden. So hatte sich nach
dpa-Informationen zum Beispiel 2024 eine junge Frau beim Präsidenten
des gerade erst gegründeten «Hells Angels»-Ablegers in Leverkusen
gemeldet, weil sie mit einer Schönheits-OP unzufrieden war und der
Arzt ihr das Geld nicht zurückzahlen wollte. Der Präsident soll - so
die Ermittlungen - versprochen haben, dass seine Leute bei dem
Chirurgen vorbeifahren, um die Forderung einzutreiben.
Was dann passierte, ist unklar, denn der Arzt hat nie Anzeige
erstattet. Aber für die Polizei zeigt das Beispiel, dass der «Hells
Angels Motorcycle Club» (HAMC) Leverkusen nicht wegen der Liebe zu
PS-starken Zweirädern gegründet wurde: «Der HAMC Leverkusen verfolgt
den offiziellen Zweck eines Motorradclubs. Tatsächlich dient der
Personenzusammenschluss jedoch hauptsächlich der Planung und
Durchführung von Straftaten», heißt es in der Verbotsverfügung, die
der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Knapp 70-seitige Verbotsverfügung
Die Polizei hat für das knapp 70-seitige Papier zahlreiche noch
laufende Ermittlungsverfahren zusammengetragen, die am Ende immer
wieder zu dem Rocker-Club in Leverkusen führten. So wurde aus den
Ermittlungen auch das Verbotsverfahren. Am Dienstag wurde den
Beteiligten die entsprechende Verfügung zugestellt. Der Präsident des
Chapters wurde festgenommen, gegen ihn gibt es einen Haftbefehl.
In der Werkstatt des Mannes in Langenfeld entdeckte die Polizei
zahlreiche Motorräder, auch vom Typ Harley-Davidson. Zehn wurden laut
Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Außerdem drei Autos, 20 Kutten,
sieben hochwertige Uhren, neun Schusswaffen (zwei davon scharf), 26
Hieb- und Stichwaffen, 114 Betäubungsmittel wie Kokain, Haschisch und
Marihuana sowie Bargeld. Ansonsten habe es bei den Razzien auch
Hinweise auf professionellen Drogenanbau gegeben, so Reul. Insgesamt
gebe es 44 Beschuldigte.
Auch wenn das Chapter in Leverkusen im Fokus stand, durchsuchten die
Beamten Wohnungen und Geschäftsräumen von Vereinsmitgliedern und
Unterstützern in ganz NRW: in Ahaus, Bergheim, Bochum, Bottrop,
Dinslaken, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Erkrath, Gummersbach,
Hagen, Herne, Hilden, Kerpen, Köln, Langenfeld, Leverkusen, Lünen,
Marienheide, Monheim, Mönchengladbach, Mülheim an der Ruhr, Neuss,
Oberhausen, Solingen, Velbert, Voerde und Wesel. Polizisten aus
zahlreichen Städten waren dabei, an 13 Einsatzorten auch
Spezialeinsatzkommandos.
Verdacht wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung
Federführend waren die Polizei Düsseldorf und die
Spezial-Staatsanwaltschaft der Zentral- und Ansprechstelle für die
Verfolgung Organisierter Straftaten (ZeOS NRW). Es geht bei dem
Ermittlungsverfahren unter anderem um den Verdacht der Bildung und
Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie der
räuberischen Erpressung.
Rockerclubs hätten nichts mit «Motorradromantik» zu tun, betonte
Reul. Er hatte 2017 schon den «Hells Angels»-Ableger «Concrete City
»
in Erkrath verboten. Erst Jahre später endete die Sache durch einen
Beschluss des Oberverwaltungsgerichts, welches das Verbot bestätigte.
Tatsächlich gibt es auch weiter viele andere Chapter der Höllenengel
in NRW.
Eine Auflistung des Landeskriminalamts, über die zunächst die «Neue
Westfälische» berichtet hatte, beinhaltet mit Stand Dezember
vergangenen Jahres 29 «Hells Angels»-Ableger - noch inklusive
Leverkusen. 469 Mitglieder zählten die Ermittler demnach. Auf dem
zweiten Platz rangierten die «Freeway Riders» mit 403 Mitgliedern.
Die «Bandidos» hatten nur zwölf Chapter und 124 Mitglieder. Der Club
war vor Jahren komplett verboten worden, breitet sich aber wieder neu
aus.
Rivalitäten mit «Bandidos»
Die Rivalitäten zwischen «Bandidos» und ihren Erzfeinden bei den
«Hells Angels» hatten in den vergangenen Monaten zu neuen Konflikten
geführt. Im Raum Köln gab es mehrere Schießereien, bei denen es auch
darum gegangen sein soll.
Hingen die Leverkusener Rocker da mit drin? Es sei noch zu früh,
etwas dazu zu sagen, so Reul. Fakt ist: Die Polizei hat mit ihrer
großen Aktion die ganze Szene aufgemischt. NRW zeige «Null Toleranz»
und sei «kein Rückzugsraum für Kriminelle», sagte Reul markig wie
immer: «Wir bleiben da dicht dran, wir zerschlagen Strukturen, wir
legen Vermögen trocken.»
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.
hkk: Günstigste Krankenkasse
In drei Minuten in die hkk wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der hkk. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.