Boehringer-Chef: Pläne für Gesundheitsreform unausgewogen
Diese Woche soll das Bundeskabinett Milliarden-Einsparungen bei den
Gesundheitsausgaben beschließen. Der Pharmakonzern Boehringer
Ingelheim warnt vor Folgen für den Standort Deutschland und
Patienten.
Ingelheim (dpa/lrs) - Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sieht
die Pläne der Bundesregierung für eine Gesundheitsreform kritisch.
Die Politik habe die Pharmabranche 2023 und im aktuellen
Koalitionsvertrag als Schlüsselindustrie für Deutschland bezeichnet,
sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung von Boehringer Ingelheim
Deutschland, Médard Schoenmaeckers, der Deutschen Presse-Agentur.
«Das muss sich auch in verlässlichen, innovationsfreundlichen
Rahmenbedingungen widerspiegeln. Vor diesem Hintergrund sind die
aktuellen Pläne aus unserer Sicht alles andere als eine ausgewogene
Lastenverteilung.»
Zusätzliche Belastungen der forschenden Pharmaindustrie, ohne die
strukturellen Kostentreiber im Gesundheitssystem anzugehen, löse die
Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung nicht, sagte
Schoenmaeckers. Vielmehr schwächten sie Innovationsanreize und
Planungssicherheit, gefährdeten mittelfristig den Zugang von
Patientinnen und Patienten zu modernen Therapien. «Wir sollten nicht
an Arzneimitteln sparen, sondern mit ihnen.» Innovative Medikamente
könnten Kosten senken.
Schoenmaeckers: Internationaler Wettbewerb ausgeblendet
Die Bundesregierung will das Sparpaket für die Krankversicherungen am
Mittwoch (29. April) im Kabinett beschließen. Der Entwurf sieht vor,
dass die gesetzlichen Krankenkassen im nächsten Jahr um 19,6
Milliarden Euro entlastet werden. Im Blick stehen Ausgabenbremsen bei
Praxen, Kliniken und der Pharmabranche - aber auch höhere Zuzahlungen
für Medikamente und Einschränkungen der Mitversicherung von
Ehepartnern. Für die Pharmaindustrie sind höhere Hersteller-Rabatte
angedacht.
Schoenmaeckers sagte, Deutschland stehe in einem internationalen
Wettbewerb um Forschung, Entwicklung und Investitionen. «Das wurde in
den Vorschlägen vollkommen ausgeblendet.» Nationale Alleingänge bei
Preis- und Regulierungsfragen wirkten weltweit, beeinflussten
Standortentscheidungen unmittelbar. «Wir erwarten eine bessere
Abstimmung der Ressorts und eine nachhaltige Reform mit
Langfristwirkung», forderte er. Versicherungsfremde Leistungen
müssten konsequent gegenfinanziert, Strukturen effizienter gemacht
und Versorgung stärker am Patientennutzen ausgerichtet werden.
Nötig seien verlässliche Regeln, betonte der
Boehringer-Deutschlandchef. Sollte das Gleichgewicht aus Marktzugang,
kalkulierbarer Preisbildung und Innovationsanreizen weiter gestört
werden, verliere Deutschland als Pharmastandort - «mit der Folge,
dass neue Therapien später oder gar nicht mehr in Deutschland
verfügbar sind und Investitionen wegbleiben».
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