Wie sich Grillunfälle vermeiden lassen
Wenn es wärmer wird, packen viele Menschen den Grill aus. Eine tolle
Idee, wenn man es richtig macht. Ein Arzt weiß, wo die Gefahren
lauern und was man bei einem Unfall tun sollte.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Grillen macht Spaß und das Ergebnis ist
lecker - wenn man dabei nicht leichtsinnig wird. Denn der Umgang mit
Feuer, Gas, Rauch und Fett ist nicht ungefährlich. Was bei einem
Grillunfall schlimmstenfalls passieren kann, weiß Prof. Christoph
Hirche, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und
Rekonstruktive Mikrochirurgie an der Berufsgenossenschaftlichen (BG)
Unfallklinik Frankfurt.
Typische Grillverletzungen betreffen meist Hände, Unterarme und
Gesicht. Wer weiß, wo Gefahren lauern, kann Unfälle vermeiden. Prof.
Hirche erklärt, worauf man achten muss und wie man sich richtig
verhält, wenn doch etwas passiert.
Gefahrenquellen im Auge haben
Kommt die Haut mit dem Rost oder dem heißen Grillgut in Berührung,
kann eine sogenannte Kontaktverbrennung entstehen. Sie ist in der
Regel nur klein und oberflächlich.
Anders sieht es aus, wenn eine Flamme die Haut verbrennt, weil die
Verbrennung dann großflächiger ist. Besonders wenn Brandbeschleuniger
eingesetzt werden, um das Feuer anzufachen.
Auch spritzendes Fett kann größere Verletzungen auf der Haut
verursachen.
Bei Gasgrills kommt eine weitere Gefahrenquelle dazu: Die Gasflasche
kann explodieren. Das ist zwar selten, falls es passiert aber unter
Umständen tödlich.
Eine Rauchgasvergiftung ist an der freien Luft zwar selten, kann aber
erschwerend hinzukommen.
Kleidung aus Polyester kann mit der Haut verschmelzen und besonders
schwere Schäden verursachen.
Bei Unfällen richtig reagieren
Was tun, wenn etwas passiert ist? Als Erstes sollte man die
Gefahrenquelle aus dem Weg schaffen, wie Prof. Hirche sagt. Also den
brennenden Grill löschen - mit Wasser oder indem man ihn abdeckt.
Dafür tut es zur Not die Picknickdecke. Eine zusammengefaltete
Löschdecke findet zwischen Grillgut, Tellern und Getränken aber auch
gut Platz. Außerdem ist es ratsam, eine Wasserflasche griffbereit zu
haben.
Die Wunde richtig versorgen
Kleinere Verbrennung solle man kurzzeitig kühlen, rät der Experte.
Kaltes Wasser hilft, die Schmerzen zu lindern. Bei großflächigen
Verbrennungen kann eine Kühlung allerdings zum Auskühlen des ganzen
Körpers führen.
Schritt zwei ist die Desinfektion der Wunde. Schritt drei ein
steriler Verband mit einer nicht haftenden Wundauflage, einer
Kompresse und einem elastischen Wickel. Das schützt die Wunde vor
Bakterien und reduziert Schmerzen.
Wann man zum Arzt muss
Wenn die Verbrennung größer ist oder nach ein paar Tagen nicht
abheilt, sollte man zum Hausarzt oder in eine Spezialklinik.
Gefährlich wird es, wenn mehr als 15 Prozent der Körperoberfläche
betroffen sind.
Behandlungsbedarf bestehe auch, wenn die Verbrennung besonders tief
sei oder besondere Körperstellen betreffe wie etwa Genitalien oder
die Augen, so der Arzt.
Die wichtigsten Verhaltenstipps vom Arzt
«Grillen mit Sicherheitsbewusstsein kann man auch als Mediziner
vertreten», sagt Hirche, der selbst gern grillt. Seine wichtigsten
Ratschläge:
* Keine Brandbeschleuniger nutzen
* Gasgrills regelmäßig warten
* Abstand halten - das gilt besonders für Kinder
* Alkohol nur in Maßen
* Nie in geschlossenen Räumen grillen.
Die schlimmsten Fälle
Einige Beispiele aus den vergangenen beiden Sommern zeigen, wie
gefährlich das werden kann:
2025 versuchte in Schotten im Vogelsbergkreis ein 25-Jähriger, einen
Holzkohlegrill mit Benzin zu entzünden. Durch den Brandbeschleuniger
geriet laut Polizei seine Kleidung in Brand. Ein Rettungshubschrauber
flog ihn in eine Spezialklinik. Ein aufmerksamer Nachbar löschte das
Feuer mit einem Feuerlöscher.
In Kassel endete 2025 ein Grillabend mit dem Brand eines
Mehrfamilienhauses. Ein 60-Jähriger wollte auf seiner Dachterrasse
mit einem Gasgrill grillen. Dabei strömte unkontrolliert Gas aus und
entzündete sich. Beim Versuch, die Gasflasche von der Terrasse zu
schaffen, verletzte sich der Mann schwer. Mit Verbrennungen an den
Unterarmen kam er ins Krankenhaus.
2024 schüttete ein 59-Jähriger in Groß-Gerau Spiritus auf den Grill -
es kam zu einer Stichflamme, die auf einen 31-Jährigen übergriff, der
neben dem Grill stand. Mit einem Rettungshubschrauber flog man ihn in
eine Klinik. Die Polizei ermittelte wegen des Verdachts der
fahrlässigen Körperverletzung.
Der «dümmste» Grillunfall, den Hirche erlebt hat, ereignete sich in
der Fahrerkabine eines Lastwagens. Der Fahrer beschloss aufgrund des
schlechten Wetters, seinen Gasgrill im Führerhaus anzuwerfen, wie der
Chirurg berichtet. Es kam zu einer Verpuffung, der Fernfahrer erlitt
schwerste Verbrennungen auf mehr als 70 Prozent der Körperfläche und
zudem eine Rauchgasvergiftung.
Meist Bagatellen
Schätzungen gehen von rund 4.000 Grillunfällen pro Jahr in
Deutschland aus. Genaue Zahlen oder Angaben für einzelne Bundesländer
gibt es nicht. Meist sind es Bagatellen, mit denen die Menschen nicht
zum Arzt gehen und die nicht gesondert erfasst werden.
In der Frankfurter BG Unfallklinik gibt es laut Hirche pro Saison
fünf bis zehn schwere Grillunfälle. Hochgerechnet auf Hessen schätzt
er die Zahl «ganz grob» auf um die 30.
Laut Deutscher Gesellschaft für Verbrennungsmedizin gibt es zwei
Zentren für Brandverletzte in Hessen: das Zentrum für
Schwerbrandverletzte am Sana-Klinikum in Offenbach und das Zentrum
für schwerbrandverletzte Kinder am Klinikum Kassel. Aber auch andere
Kliniken wie die BG-Unfallklinik in Frankfurt behandeln
Brandverletzungen.
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