Spagat zwischen Ruhebedürfnis und Familienspaß in Thermen

Die Diskussion um die Entscheidung einer Therme in Bad Nauheim ist
heißer als das Thermalwasser selbst: Samstags gibt es Badespaß nur ab
16 Jahren. Wie sieht das in anderen hessischen Thermen aus?

Bad Nauheim (dpa/lhe) - Die Entscheidung der Sprudelhof Therme Bad
Nauheim für kinderfreie Samstage hat eine grundsätzliche Debatte
ausgelöst: Wie gehen Thermen mit dem Spannungsfeld zwischen
Ruhebedürfnis und Familienangebot um?

Die Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbandes, Almut
Boller, weist daraufhin, dass die Sprudelhof Therme nicht die einzige
Therme sei, die sage: «Wir trennen die Besucher, und zwar eigentlich
im besten Sinne für beide Seiten», erklärt Boller.

Ruhebedürfnis versus Austoben - «das passt nicht zusammen»

Es gebe ruhebedürftige Menschen, die eine Gesundheitseinrichtung
besuchen wollten und für die es wichtig sei, dass sie diese Zeit auch
genießen könnten. Daneben gebe es junge Menschen und Kinder, die sich
austoben wollten - «und das passt halt einfach nicht zusammen»,
erklärt Boller. 

Sie selbst kenne auch einige Thermen außerhalb Hessens, die
ausschließlich Erwachsenen offenständen. «Gerade die im Bereich
Gesundheit und Wellness unterwegs sind, die sagen auch schon mal:
Nein, wir sind kinderfrei.» Auch setzten viele Einrichtungen auf
spezielle Angebote für bestimmte Besuchergruppen wie etwa Thementage.

Baby-Sauna-Kurse für Familienfreundlichkeit

Im neuen Lagunen-Erlebnisbad Willingen gibt es Thementage nicht. Man
könne Gäste nicht an einzelnen Tagen ausschließen, ohne sie zu
«verprellen», sagt Norbert Lopatta, Leiter des Kurbetriebs und
Tourismus in Willingen. Einen angefragten Damensaunatag habe man
abgelehnt. Das Bad sei trotz Thermalbecken stark von Familien,
Wanderern und Tagesgästen geprägt. Eine Altersbeschränkung gebe es
deshalb auch nicht. 

Das Lagunen-Erlebnisbad verfüge zudem über eine Saunalandschaft
inklusive textilfreiem Bereich und Ruhehaus - ebenfalls ohne
generelle Altersbeschränkung. Familien könnten die Sauna gemeinsam
nutzen, sofern sie sich entsprechend verhielten. Saunatickets würden
jedoch regulär erst ab 16 Jahren verkauft. Zudem sind Testangebote
wie Baby-Sauna-Kurse geplant.

Unterschiedliche Konzepte in Hessens Thermen

Auch die Taunus Therme in Bad Homburg sieht derzeit keinen Anlass für
explizit kinderfreie Zeiten im eigenen Bad. Man verstehe sich
grundsätzlich als Angebot für alle Altersgruppen, heißt es von der
Betriebsleitung. Seit über 45 Jahren stehe die Therme für «Ruhe,
Entspannung und bewusste Auszeiten». Aufgrund fehlender Spiel- und
Aktivitätsangebote sei die Therme ohnehin nicht speziell auf Kinder
ausgerichtet.

Die Spessart Therme in Bad Soden-Salmünster kombiniert laut Website
familienfreundliche Angebote mit punktuellen Einschränkungen.
Jugendliche unter 16 Jahren dürfen den Saunabereich demnach nur in
Begleitung nutzen, mittwochs ist dieser zudem für Frauen reserviert.
Sowohl Familien mit Kindern als auch Ruhesuchende seien wichtige
Zielgruppen, sagt eine Sprecherin der Therme. Beiden gleichermaßen
gerecht zu werden, stelle den Betrieb im Alltag immer wieder vor
Herausforderungen. Als Betreiber sei es deren Aufgabe, «beiden
Bedürfnissen und Wünschen gerecht zu werden», hieß es.

Bad Orb betont Familienfreundlichkeit von Therme

Diskussionen um den «Zielkonflikt» zwischen Kinderlärm und
Ruhebedürfnis gab es früher auch in der Therme von Bad Orb, wie
Bürgermeister Tobias Weisbecker (CDU) sagt. Zu Zeiten, als die
dortige Therme noch kommunal betrieben war, habe es spezielle
Familienbadetage gegeben. Der heutige private Betreiber der Toskana
Therme setze aber auf Familienfreundlichkeit.

Der Bürgermeister begrüßt das ausdrücklich: Die Stadt wolle Familie
n
auch als neue Einwohner gewinnen, verzeichne seit einigen Jahren
einen verstärkten Zuzug jüngerer Menschen und habe auch in einem
neuen Baugebiet Flächen für bezahlbaren Wohnraum vorgesehen. Familien
sollten deshalb auch in der Therme «Teil des Gästespektrums» sein,
sagte Weisbecker.

Kommunale Bäder stärker gebunden

Altersregelungen in Thermen seien insgesamt «keine Seltenheit», sagt
auch eine Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Im
konkreten Fall der Sprudelhof Therme Bad Nauheim handele es sich um
einen privaten Betreiber, wodurch entsprechende Vorgaben leichter
umzusetzen seien. Anders bei kommunalen Bädern: Als Teil der
öffentlichen Daseinsvorsorge müssten sie ein niederschwelliges
Angebot für alle Gruppen vorhalten.

Der Wunsch nach Ruhe sei nachvollziehbar, so die Sprecherin.
Gleichzeitig seien Familien - gerade am Wochenende - eine wichtige
Zielgruppe. Die Frage, ob Familien in so eine Therme reinmüssten, sei
aber eine grundsätzliche Frage.

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