Klimawandel schadet Gesundheit, Landwirtschaft und Ökosystem
Nicht nur Menschen sterben durch Extremhitze, auch Tiere sowie unsere
Nahrungsmittel sind Opfer davon. Zwei neue Berichte zeigen die
vielfältigen Folgen des Klimawandels.
Genf/Heidelberg (dpa) - Durch den menschengemachten Klimawandel gibt
es mehr Hitzetote und zunehmende Schäden für die Landwirtschaft und
Ökosysteme. Während die Zahl der Hitzetoten in Europa laut dem
aktuellen «Lancet Countdown Europe Report 2026» drastisch steigt,
warnen die Weltwetterorganisation (WMO) und die UN-Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation (FAO) vor Ernteausfällen und bedrohten
Existenzgrundlagen für mehr als eine Milliarde Menschen.
«Die Häufigkeit, Intensität und Dauer extremer Hitzewellen haben im
Laufe des letzten halben Jahrhunderts stark zugenommen», berichten
die Organisationen. «Die Risiken für die Agrar- und Ernährungssysteme
sowie die Ökosysteme dürften in Zukunft in die Höhe schnellen.»
Hitzetodesfälle steigen fast überall
Laut dem aktuellen «Lancet Countdown Europe Report 2026» hat die Zahl
der hitzebedingten Todesfälle im Zeitraum von 2015 bis 2024 im
Vergleich zu den Jahren 1991 bis 2000 in fast allen untersuchten
Regionen (99,6 Prozent) zugenommen. Im Durchschnitt starben jährlich
52 Menschen mehr pro Million Einwohner an den Folgen der Hitze, in
südeuropäischen Ländern wie Spanien, Italien, Griechenland und
Bulgarien lag dieser Wert teils über 120.
Die Zahl der Tage mit Gesundheitswarnungen vor extremer Hitze stieg
in Europa im selben Zeitraum um durchschnittlich 318 Prozent, wobei
Westeuropa einschließlich Deutschland (450 Prozent) den höchsten
Anstieg verzeichnete. Die Studie einer internationalen Gruppe um
Joacim Rocklöv vom Universitätsklinikum Heidelberg ist im Fachmagazin
«The Lancet» erschienen.
Tiere sind besonders betroffen
Parallel dazu schlagen die Weltwetterorganisation (WMO) und die
UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) Alarm. In einem
gemeinsamen Bericht zum Welttag der Erde betonen sie, dass Nutztiere
und -pflanzen extrem unter der zunehmenden Hitze leiden.
Für die meisten Haustiere beginne Hitzestress bereits ab 25 Grad.
Hühner und Schweine seien besonders gefährdet, da sie sich nicht
durch Schwitzen kühlen können. Fische könnten an Herzversagen
sterben, wenn sie eine erhöhte Atemfrequenz aufrechterhalten müssen,
weil bei extremen Hitzewellen in Gewässern der Gehalt an gelöstem
Sauerstoff sinkt.
Pflanzen und Landwirte sind ebenfalls Opfer
In der Pflanzenwelt führen Temperaturen über 30 Grad dem Bericht
zufolge bei den meisten wichtigen Kulturen zu Ertragseinbußen.
Besonders hitzeempfindlich reagieren Kartoffeln und Gerste. Zudem
drohen durch Hitzewellen häufigere und intensivere Brände, die ganze
Wälder und Felder vernichten. Die Brandsaison dauere vielerorts heute
länger als früher, und Brände seien intensiver als im langjährigen
Durchschnitt.
Für Landwirte in Regionen wie Südasien oder Afrika könnte die Arbeit
auf den Feldern bis Ende des Jahrhunderts an bis zu 250 Tagen im Jahr
wegen extremer Hitze unmöglich werden.
Infektionskrankheiten und Allergien nehmen zu
Neben der direkten Hitzeeinwirkung identifizieren die Mediziner im
«Lancet»-Report weitere Risiken. Durch die Erwärmung beginnt die
Pollensaison für allergene Baumarten heute ein bis zwei Wochen früher
als noch vor wenigen Jahrzehnten. Zudem breiten sich tropische
Infektionskrankheiten aus, da Stechmücken bessere Lebensbedingungen
finden. So stieg das Risiko für eine Übertragung des Dengue-Virus in
Europa zuletzt um fast 300 Prozent. Auch die Gefahr durch
West-Nil-Fieber und Malaria nimmt zu.
Trotz eines Anstiegs des Anteils erneuerbarer Energien an der
europäischen Stromversorgung auf 21,5 Prozent im Jahr 2023 bleibt die
Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen dem Bericht zufolge hoch. Die
Subventionen für Kohle, Öl und Gas stiegen infolge der Energiekrise
nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine allein im Jahr 2023 auf
444 Milliarden Euro.
Kritisch sehen die Forscher zudem die vermehrte Nutzung von Biomasse,
wie Holzpellets. Obwohl Biomasse als erneuerbar gilt, setzt ihre
Verbrennung Feinstaub und giftige Substanzen frei, was zwischen 2000
und 2022 zu einem Anstieg der Todesfälle in Wohngebäuden um vier
Prozent führte.
Appell für schnelles Handeln
Die Experten fordern eine verlässliche Finanzierung von
Anpassungsmaßnahmen im Gesundheitswesen. Zwar planen immer mehr
Länder solche Schritte, doch ohne langfristige Mittel blieben diese
wirkungslos. Gleichzeitig betont der WMO-Bericht, dass Anpassungen
wie die Verschiebung der Pflanzsaison oder Schattenplätze nur eine
begrenzte Lösung darstellen.
Ohne ehrgeizigen Klimaschutz, der die Ursachen bekämpft, würden die
Auswirkungen der Hitze die Bewältigungskapazitäten von Mensch und
Natur bald übersteigen. «Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen,
werden darüber entscheiden, ob sich die Gesundheitsfolgen rasch
verschärfen oder ob wir uns auf ein sichereres Europa zubewegen»,
mahnte Joacim Rocklöv vom Universitätsklinikum Heidelberg.
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