Grippeschutz für Soldaten: US-Regierung schafft Pflichtimpfung ab
«Dein Körper, dein Glaube und deine Überzeugungen sind nicht
verhandelbar» - so begründet Pentagon-Chef Hegseth das Ende der
Impfpflicht im Militär. Kritiker sind entsetzt und warnen vor den
Folgen.
Washington (dpa) - Das US-Verteidigungsministerium schafft die
verpflichtende Grippeschutzimpfung für Soldaten ab und beruft sich
dabei unter anderem auf religiöse Gründe. «Dein Körper, dein Glaube
und deine Überzeugungen sind nicht verhandelbar», betonte
Pentagon-Chef Pete Hegseth, der sich selbst als Kriegsminister
bezeichnet, in einer Videobotschaft an die Truppe. Für Soldaten sei
die Grippeschutzimpfung deshalb künftig nur noch optional. Damit wird
eine nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführte und unter
republikanischen wie demokratischen Regierungen jahrzehntelang
aufrechterhaltene Regel gekippt.
«Unsere neue Linie ist einfach: Wenn Du - als amerikanischer Krieger,
dem die Verteidigung dieses Landes anvertraut wurde - glaubst, dass
die Grippe-Impfung in deinem Interesse ist, kannst du sie bekommen;
solltest du auch. Aber wir werden dich nicht zwingen», sagt Hegseth
in dem Video. Während der Corona-Pandemie habe die Vorgängerregierung
«Männer und Frauen in Uniform gezwungen, sich zwischen ihren
Überzeugungen und ihrem Land zu entscheiden, auch wenn diese
Entscheidungen keine Bedrohung für unsere militärische
Einsatzbereitschaft darstellten». Diese «Ära des Verrats» sei nun
vorbei.
«Hegseths Entscheidung ist fahrlässig»
Kritiker halten den Kurswechsel des Ministers, der vielen als
religiöser Eiferer gilt, für einen schweren Fehler. «Hegseths
Entscheidung ist fahrlässig und setzt unsere militärische
Einsatzbereitschaft aufs Spiel», warnte der demokratische Abgeordnete
Jason Crow, der einst im Irak und in Afghanistan kämpfte. Der
Army-Veteran Richard Ricciardi, der heute als Uni-Professor
Gesundheitskurse gibt, sagte dem US-Sender CNN: «Im Militär sind
Impfungen kein politisches Theater, sondern dienen dem Schutz der
Truppe. Soldaten leben und arbeiten eng beieinander, da können sich
Grippeviren rasant ausbreiten und ansonsten gesunde Einsatzkräfte
kampfunfähig machen.»
Seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump hat die US-Regierung
mehrfach wissenschaftlich anerkannte Fakten zum Thema Impfungen in
Abrede gestellt. Besonders Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr.
zieht die Sinnhaftigkeit von Impfungen in Zweifel. Er stellte einen -
von Forschern widerlegten - Zusammenhang zwischen Impfungen und
Autismus her und riet lange von Spritzen gegen Masern ab. Als die
Zahl der Neuinfektionen auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten
schnellte, bezeichnete er Impfungen dann doch als effektivstes Mittel
zur Eindämmung der Epidemie.
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