Sonne, Mond und Sterne im Mai - Vollmond ist zwei Mal zu sehen Von Hans-Ulrich Keller, dpa
Warum der Mai einen seltenen Blue Moon bringt - einen zweiten
Vollmond im Monat. Unterdessen liefern sich Venus und Jupiter ein
Rennen am Abendhimmel.
Stuttgart (dpa) - Der Mai bietet Himmelsguckern gleich zwei
Vollmondphasen. Die erste tritt bereits am 1. Mai um 19.23 Uhr ein.
Da eine volle Lunation - die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden
gleichen Mondphasen, also beispielsweise von Vollmond zu Vollmond -
29,5 Tage dauert, der Mai aber 31 Tage hat, kommt es diesmal zu einem
zweiten Vollmond in diesem Monat.
Am 31. Mai zeigt sich der Erdtrabant abermals voll beleuchtet. Die
exakte Vollmondphase wird um 10.45 Uhr erreicht. Da der Mond am
folgenden Abend mit 405.839 Kilometern auch in Erdferne kommt,
erscheint der Vollmond am kleinsten in diesem Jahr.
Ein zweiter Vollmond in einem Monat wird von den Amerikanern als Blue
Moon bezeichnet. Woher die Bezeichnung Blauer Mond kommt, ist nicht
sicher geklärt. Keinesfalls leuchtet jedoch der zweite Vollmond in
einem blauen Licht. Da ein solches Ereignis selten eintritt, bedeutet
«Once in a Blue Moon» alle Jubeljahre einmal. Der nächste Blaue Mond
ist der Vollmond vom 31. Dezember 2028.
Neumond tritt am 16. um 22.01 Uhr ein. Einen Tag nach Neumond kommt
der Mond in Erdnähe, wobei er von uns 358.075 Kilometer entfernt ist.
Das Zusammenfallen von Erdnähe und Neumond führt zu Springfluten.
Wettlauf von Venus und Jupiter
Schon bald nach Sonnenuntergang leuchtet knapp über dem
Nordwesthorizont die Venus auf, nach Sonne und Mond das hellste
Gestirn. Kurz danach sieht man ebenfalls am Westhimmel ein wenig
höher und östlicher als Venus den Riesenplaneten Jupiter, der
deutlich lichtschwächer als Venus, aber immerhin heller als die
Sterne ist. Im Laufe des Monats kommen beide Planeten einander immer
näher. Venus gewinnt den Wettlauf und überholt Jupiter am 9. Juni im
Sternbild der Zwillinge.
Venus baut ihre Rolle als Abendstern aus. Allerdings ist sie kein
Stern, keine heiße selbstleuchtende Gaskugel, sondern unser innerer
Nachbarplanet, der das Sonnenlicht reflektiert. Ein netter
Himmelsanblick ergibt sich am 18. Mai gegen 23 Uhr, wenn die schmale
Sichel des zunehmenden Mondes an Venus vorbeiwandert. Zwei Tage
später zieht der Mond an Jupiter vorbei, wobei die zunehmende
Mondsichel deutlich dicker geworden ist.
Jupiter verkürzt seine Abendsichtbarkeit merkbar. Ende Mai geht der
Riesenplanet kurz nach Mitternacht unter. Saturn zeigt sich unter
guten Sichtbedingungen am Monatsende in der Morgendämmerung knapp
über dem Osthorizont.
Ein paar Sternschnuppen zu sehen
Die Mai-Aquariden sind den ganzen Monat über aktiv. Es handelt sich
um schnelle Sternschnuppen mit Eindringgeschwindigkeiten in die
Erdatmosphäre um 234.000 Kilometer pro Stunde, wobei sie fast alle
verglühen. Ihr Ursprungskomet ist der Halleysche Komet. Das Maximum
ist um den 6. Mai zu erwarten. Wegen des bei uns recht tief stehenden
Radianten sehen wir hierzulande nur wenig Sternschnuppen. Aber in
südlichen Ländern sind bis zu zwanzig Meteore pro Stunde zu erwarten.
Am Fixsternhimmel ist leicht das markante Frühlingsdreieck
auszumachen. Es setzt sich aus den drei hellen Sternen Regulus im
Löwen, Arktur im Bootes und Spica in der Jungfrau zusammen.
Das Sternbild Waage ist dagegen nicht besonders auffällig, man muss
es schon bewusst suchen. Der Waage folgt im Tierkreis der Skorpion,
der sich eben anschickt aufzugehen. Sein heller, roter Hauptstern
Antares passiert gerade die Horizontlinie. In der Antike deuteten die
Sterne der Waage noch die Scheren des Skorpions an. Im Südosten
erhebt sich das aufgehende Bild des Schlangenträgers mit der
Schlange.
Der Himmelswagen steht hoch über unseren Köpfen fast im Zenit. Auch
die Jungfrau schreitet eben durch die Mittagslinie. Zwischen der
Jungfrau und dem Großen Wagen ist außer dem Sternbild Jagdhunde auch
das Haar der Berenike zu finden. Dieses Sternbild ist recht
lichtschwach, setzt sich aber aus zahlreichen Sternen zusammen. Es
wirkt besonders gut, wenn man diese Gegend mit einem lichtstarken
Fernglas absucht. Dabei ist störendes Mondlicht ebenso zu vermeiden
wie irdische Lichtquellen.
Sonne auf dem Weg zum Höchststand
Zwischen dem orangen, hellen Arktur und der bläulichen Wega, beide
die hellsten Sterne des Nordhimmels, stößt man auf den auffälligen
Sternenhalbkreis der Nördlichen Krone. Weiter östlich, näher bei Wega
breitet sich das ausgedehnte aber lichtschwache Sternbild des
Herkules aus. Im Herkules sieht man ein lichtschwaches, rundliches
Fleckchen, das im Fernglas deutlicher hervortritt. Es ist kein Nebel,
sondern ein kugelförmiger Sternhaufen. Über eine Million Sterne
finden sich hier in einer Entfernung von 24.000 Lichtjahren.
Die Sonne nähert sich ihrem Höchststand, den sie allerdings erst im
Juni erreicht. Sie wandert durch das Sternbild Widder und wechselt am
14. gegen 16.00 Uhr in das Sternbild Stier. Am 21. tritt sie gegen
3.00 Uhr morgens in das Tierkreiszeichen Zwillinge. Die Mittagshöhe
nimmt um knapp sieben Grad zu. Die Tageslänge wächst in Hamburg um
eine Stunde und 35 Minuten, in München um eine Stunde und 15 Minuten.
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