«Zeckenproblem» in Hessen - eine Ärztin nennt die Gründe Von Andrea Löbbecke, dpa
Der Klimawandel bringt neue Zeckenarten in Hessen - und verlängert
die Saison. Warum das aus der Sicht einer Ärztin ein Problem ist.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Zecken werden sich in Hessen nach
Experteneinschätzung zunehmend ausbreiten. Wegen des Klimawandels
wandern einerseits neue Arten ein, andererseits kommen heimische
Arten wie etwa der Gemeine Holzbock besser über den Winter, wie die
Ärztin und Zecken-Kennerin Adela Zatecky erläutert. «Zecken gehören
zu den Gewinnern des Klimawandels. Das heißt, wir haben ein
Zeckenproblem und wir werden es auch behalten.»
Wie verändern sich die Zecken-Populationen in Hessen?
Zecken zu zählen, ist schwer. Jedoch beobachten die Experten
hierzulande vermehrt Arten, die eher in klimatisch wärmeren Gegenden
vorkommen - wie etwa die Auwaldzecke (auch Wiesenzecke genannt) sowie
die Schafzecke. «Das sind Zecken, die es früher bei uns kaum gab»,
ergänzt Zatecky, Zweite Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu)
Mühlheim und Offenbach. Ob mit der Zunahme an neuen Zeckenarten auch
die Gesundheitsgefahren wachsen, lässt sich nach den Worten der
Medizinerin schwer abschätzen.
Für die typischen Erkrankungen wie Borreliose und FSME gelte nach wie
vor der heimische Gemeine Holzbock als Hauptüberträger. «Aber die
zugewanderten Arten können diese beiden Hauptkrankheiten auch
übertragen - wenn auch mutmaßlich nicht ganz so effektiv», sagt
Zatecky.
Was sind Borreliose und FSME?
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. 2025 wurden nach
Angaben des Gesundheitsministeriums 25 FSME-Fälle in Hessen
registriert. ein Jahr zuvor waren es noch zehn Fälle. FSME kann auch
außerhalb der ausgewiesenen Risikogebiete vorkommen. Wesentlich
häufiger ist die Borreliose, die unbehandelt zu Gelenk,- Herzmuskel-
und Nervenentzündungen führen kann. Die bakterielle Infektion kann
gut mit Antibiotika behandelt werden.
Warum zählen Zecken zu den Gewinnern des Klimawandels?
Auch ursprünglich heimische Zeckenarten profitieren davon, dass die
Winter im Zuge des Klimawandels milder geworden sind. «Früher, wenn
es mal so ein richtig harter Winter war, dann sind auch Zecken weg
gefroren», erläutert Zatecky. Das drohe den Überlebenskünstler
inzwischen kaum noch. «Eine natürliche Regulierung der Population
durch harte Winter gibt es quasi nicht mehr», erklärt die Expertin.
Die Aktivitätsphase der Zecken beginnt ab etwa acht Grad. Wird es
also grundsätzlich milder, bedeutet dies für die Tiere mehr Zeit für
die Vermehrung. «Und auch dadurch nehmen die Populationen zu.»
Was bedeutet die Zunahme für die FSME-Risikogebiete?
Früher waren Zecken ein Problem des Sommers. Inzwischen verschöben
sich die Meldungen von Krankheiten, die von den Tieren übertragen
werde, weiter nach vorn, erläuterte Zatecky. «Wir müssen davon
ausgehen, dass mit dem Klimawandel das Zeckenproblem auch ein
ganzjähriges Problem wird.» Die Expertin geht davon aus, dass es
künftig nicht bei den südhessischen FSME-Risikogebieten bleiben wird,
die vom Robert Koch-Institut ausgewiesen wurden und für die eine
Impfempfehlung besteht.
In Hessen sind zehn Land- und Stadtkreise als FSME-Risikogebiete
ausgewiesen. Dazu zählen die Städte Offenbach und Darmstadt sowie die
Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Fulda, Groß-Gerau,
Main-Kinzig, Marburg-Biedenkopf, Odenwald und der Kreis Offenbach.
«In Richtung Norden und Nordosten haben wir bislang keine
Risikogebiete ausgewiesen. Und das wird aber kommen.»
Was sind die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen?
«Wenn ich in die Natur gehe, dann muss es für mich selbstverständlich
sein, dass ich einen Insektenschutz auftrage», sagt Zatecky. Zudem
sollte man sich bei einem Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiete
impfen lassen. Dies gelte etwa auch für Menschen, die zwar in
Frankfurt wohnen, aber regelmäßig in den Odenwald und damit in ein
Risikogebiet fahren. Nach einem Ausflug in die Natur sollte Kleidung,
die man normalerweise im Schlafzimmer auszieht, eher im Bad
ausgezogen werden, rät die Ärztin.
Um Klamotten ganz sicher von Zecken zu befreien, müssten sie mit 60
Grad gewaschen werden. Zudem sei es wichtig, den Körper sorgfältig
abzusuchen. Während FSME direkt übertragen wird, wenn die Zecke
zugestochen hat, lässt sich das Borreliose-Risiko nach den Worten der
Ärztin deutlich senken, wenn die Zecke schnell entfernt wird.
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