Immer weniger Kliniken: So läuft die Reform in Niedersachsen

Neue Zentralkliniken lösen altgediente Standorte ab: Was das für die
Patienten im Land bedeutet und was Niedersachsens Gesundheitsminister
an der Krankenhausreform noch stört.

Hannover (dpa/lni) - Die Krankenhausreform, jahrelang ein politischer
Zankapfel, ist inzwischen beschlossen: Erst in dieser Woche traten
weitergehende Anpassungen in Kraft, die den Kliniken auch in
Niedersachsen mehr Planungssicherheit geben sollen.

Passend dazu beteiligte sich Niedersachsens Gesundheitsminister
Andreas Philippi (SPD) jüngst an der Grundsteinlegung für die neue
Zentralklinik Ostfriesische Meere in Südbrookmerland. Ein Projekt,
das zum Trend der Zentralisierung der Krankenhäuser passt. Wo steht
Niedersachsen beim Umbau der Kliniken - und was bedeutet er für die
Patientenversorgung? Ein Überblick.

Wie viele Krankenhäuser gibt es aktuell in Niedersachsen?

Von der Nordseeküste bis in den Harz gibt es derzeit 161
Krankenhäuser. So steht es im Krankenhausplan für dieses Jahr.

Wird es mit der Reform weniger Kliniken geben?

Schon in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Krankenhäuser in
Niedersachsen deutlich zurückgegangen: Im Vergleich zum Jahr 2006 hat
fast jedes Fünfte inzwischen geschlossen. Damals gab es noch 195
Krankenhäuser, vor zehn Jahren waren es immerhin noch 182
Krankenhäuser landesweit.

Mit der Krankenhausreform dürfte sich dieser Trend fortsetzen, denn
vielerorts werden frühere Standorte zu neuen Zentralkliniken
zusammengeführt. 

Eine stärkere Konzentration und Spezialisierung der Kliniken sind
ausdrücklich gewollt. «Dabei werden zum Beispiel im Rahmen von
Zusammenschlüssen auch Krankenhäuser schließen», erklärt das
Bundesgesundheitsministerium. 

Warum werden die Krankenhäuser zentralisiert?

«Größere Einrichtungen mit hoher Fallzahl und Spezialisierung
verfügen in der Regel über bessere strukturelle Voraussetzungen,
eingespielte Prozesse und umfangreiche Erfahrung» - und das wirke
sich in der Regel positiv auf die Qualität aus, teilt das
Gesundheitsministerium in Hannover mit. Das Ziel sei eine möglichst
gleichwertige Versorgungsqualität in ganz Niedersachsen.

Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) betont,
Krankenhäuser aller Versorgungsstufen müssten in allen Regionen in
angemessenen Zeiten erreichbar sein. Dabei komme es nicht auf eine
konkrete Anzahl an, sondern auf die regionale Verteilung.
«Schließungen und Zusammenführungen fanden statt und werden weiterhin

stattfinden», sagt Verbandsdirektor Helge Engelke.

Viele Doppelstrukturen seien in Niedersachsen so bereits abgebaut
worden. «Dieser Prozess befindet sich, auch unabhängig von der
aktuellen Krankenhausreform, weiterhin auf einem sehr guten Weg.»

Wo entstehen Zentralkliniken?

Neben der Zentralklinik Ostfriesische Meere im Landkreis Aurich
entstehen auch in den Landkreisen Heidekreis und Diepholz neue
Zentralkliniken. Die Projekte ersetzen laut Gesundheitsministerium
jeweils zwei bis drei «veraltete» Standorte. Die ersten
Inbetriebnahmen seien für Ende 2028 geplant. 

Eine weitere Zentralklinik sei bereits beantragt worden, noch mehr
könnten nach dem Abschluss der Abstimmungen und Planungen vor Ort
folgen.

Konkret werden für die Zentralklinik Georgsheil in Südbrookmerland
die Standorte Emden, Norden und Aurich aufgegeben. Für die
Zentralklinik im Landkreis Diepholz werden die Krankenhäuser Bassum,
Sulingen und Diepholz in Twistringen zusammengelegt, für die
Zentralklinik Heidekreis in Fallingbostel fallen die Standorte
Walsrode und Soltau weg.

Für eine Zentralklinik, die den Landkreis Friesland und die Stadt
Wilhelmshaven versorgen soll, läuft die Standortsuche. Geplant ist
laut NKG dafür die Aufgabe der Standorte Nordwest Krankenhaus Sande
und Klinikum Wilhelmshaven.

Welche Rolle spielen Regionale Gesundheitszentren?

Die Landesregierung sieht in den Regionalen Gesundheitszentren, kurz
RGZ, einen wichtigen Faktor vor allem für die Versorgung auf dem
Land. Patientinnen und Patienten könnten dort von einem Facharzt
ambulant behandelt werden, aber, wenn nötig, auch für einige Tage
stationär versorgt werden. Auch kleine Operationen seien möglich.
Darüber hinaus könnten etwa Angebote der Kurzzeitpflege oder
Physiotherapie in die RGZ integriert werden.

Bisher gibt es vier RGZ in Niedersachsen: in Norden (LK Aurich),
Holzminden, Bad Gandersheim (LK Northeim) und Ankum-Bersenbrück (LK
Osnabrück). Wie viele es perspektivisch landesweit sein sollen, ist
noch offen. 

Was erhofft sich Niedersachsen von der Krankenhausreform?

«Die Krankenhausreform verfolgt das Ziel, Qualität, Transparenz und
Wirtschaftlichkeit zu stärken und ermöglicht zugleich Ausnahmen zur
Sicherstellung einer flächendeckenden, erreichbaren Versorgung,
gerade auch in strukturschwächeren Regionen», erklärt das Ministerium

in Hannover.

Die NKG betont, es sei wichtig, die Erreichbarkeit und regionale
Besonderheiten der Krankenhäuser zu sichern. Schematische bundesweite
Kriterien griffen dafür zu kurz - entsprechend wichtig seien eine
verlässliche Landesplanung, transparente Leistungszuweisungen und die
finanzielle Absicherung

Wo sieht das Land noch Änderungsbedarf?

Gesundheitsminister Philippi kritisiert, dass der Bund die Zuweisung
der Krankenhaus-Leistungsgruppen kurzfristig noch an die strikte
Einhaltung von Personaluntergrenzen gekoppelt hat. Eine
Unterschreitung dieser Grenzen in einem pflegesensitiven Bereich
führe dadurch dazu, dass alle Gutachten des Medizinischen Dienstes
eines Standorts negativ würden.

«Das würde viele Häuser treffen, insbesondere unsere großen
Krankenhäuser und unsere Uniklinika, die im schlimmsten Fall keine
Leistungen mehr anbieten dürften», warnte Philippi. Er erwarte daher
vom Bund kurzfristige Klarstellungen oder Übergangsregelungen, ohne
eine überbordende Bürokratie zu schaffen.

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