Beratungsanrufe meist wegen Psychopharmaka-Vergiftung
Vor allem Arzneimittel und Haushaltsprodukte werden laut
Giftinformationszentrum in Mecklenburg-Vorpommern immer wieder
missbraucht. Eine Vergiftungsursache ist dabei am häufigsten.
Schwerin/Erfurt (dpa/mv) - Der Missbrauch von Medikamenten zählt in
Mecklenburg-Vorpommern zu den häufigsten Ursachen für Beratungen im
Fall von Vergiftungen. Auf Platz eins rangierten unter Erwachsenen im
vergangenen Jahr Anrufe wegen des missbräuchlichen Gebrauchs des
Antipsychotikums Quetiapin, sagte die Leiterin des Gemeinsamen
Giftinformationszentrum (GGIZ) der Deutschen Presse-Agentur. Im
Vergleich mit 2024 war die Zahl der Beratungen dazu um 14 auf
insgesamt 36 gesunken.
Insgesamt hatte es zu diesem Psychopharmaka in den Jahren 2023 bis
2025 beim Giftinformationszentrum 112 Beratungen gegeben. Aber auch
wegen Vergiftungen mit Ibuprofen (94), Entkalkern für Geräte und dem
Neuroleptikum Promethazin (je 62 Anrufe) sowie dem Antiepileptikum
Pregabalin (61) wurde im Nordosten in den vergangenen drei Jahren oft
beraten. Vergiftungen mit Gemüse und Gemüseprodukten kommen laut
GGIZ-Statistik mit 48 Beratungen seltener vor.
Bei Kindern und Jugendlichen steht der missbräuchliche Gebrauch von
Ibuprofen an erster Stelle der Anrufe. Besonders oft kommen hier aber
auch Vergiftungen mit Haushaltsprodukten wie WC-Steinen,
Waschmitteln, Geschirr-Reinigern sowie Entkalkern, Flüssigseifen und
Shampoos vor.
Insgesamt wurden 2025 laut GGIZ in Mecklenburg-Vorpommern rund 2.835
Mal Bürger, Ärzte oder Rettungskräfte beraten - 2015 waren es noch
1.740 Beratungen.
Zur Vergiftung kommt es oft im Haushalt
Das GGIZ in Erfurt ist für die Länder Mecklenburg-Vorpommern,
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig. Der größte Teil de
r
Vergiftungen in diesen Bundesländern passiert demnach sowohl bei
Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen im Haushalt und dem
entsprechenden Umfeld.
Vergiftungen und Vergiftungsverdacht im Kindes- oder Jugendalter
verursachten die Hälfte aller Anfragen, teilte das GGIZ mit.
Kleinkinder seien dabei durch ihr Probierverhalten besonders im
Haushalt und in der «natürlichen Umwelt» gefährdet.
Lachgas im Nordosten kaum Thema
Zu Lachgas-Vergiftungen hatte es in Mecklenburg-Vorpommern in den
letzten Jahren laut Zahlen des GGIZ keine Anfragen gegeben. In
anderen Bundesländern im Norden ist das oft leicht zugängliche
Lachgas mancherorts zur riskanten Freizeitdroge geworden und wird
laut Giftinformationszentrum (GIZ) Nord immer wieder missbraucht. Das
GIZ-Nord an der Universitätsmedizin Göttingen ist für die
Bundesländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein
zuständig.
Dabei war die Zahl der Beratungen wegen Lachgasvergiftungen beim
Giftinformationszentrum-Nord nach früheren Angaben eines Sprechers
2025 im Vergleich zum Vorjahr um 15 auf insgesamt 33 gesunken. 2024
hatte die missbräuchliche Inhalation des Stoffes demnach noch zu mehr
als doppelt so vielen Beratungen geführt. Etwa über Luftballons
eingeatmet kursiert Lachgas immer wieder als euphorisierende
Partydroge bei Jugendlichen - mit teils hohen Gesundheitsrisiken.
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