Zweiter Versuch: Prozess um Maradona-Tod wird neu aufgerollt Von Denis Düttmann, dpa

Die argentinische Fußballlegende starb im November 2020 kurz nach
einer Gehirnoperation. Bei der häuslichen Pflege des einstigen
Superstars sollen schwere medizinische Fehler gemacht worden sein.

San Isidro (dpa) - Fünfeinhalb Jahre nach dem Tod von Diego Maradona
steht das medizinische Team der argentinischen Fußball-Legende erneut
vor Gericht. Der Prozess muss neu aufgerollt werden, nachdem das
bisherige Verfahren nach 21 Verhandlungstagen im Mai vergangenes
Jahres für nichtig erklärt worden war. Zuvor war eine Richterin der
dreiköpfigen Kammer wegen ihrer Mitarbeit an einem nicht genehmigten
Dokumentarfilm über den Prozess wegen Befangenheit vom Dienst
suspendiert worden.

Ab Dienstag müssen sich in San Isidro nördlich von Buenos Aires nun
sieben Ärzte und Pfleger von Maradona vor Gericht verantworten. Der
Prozess dürfte sich über Monate hinziehen: Zunächst wurden zwei
Verhandlungstage pro Woche angesetzt, insgesamt sollen rund 90 Zeugen
vernommen werden.

Angeklagten drohen bis zu 25 Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft wirft Maradonas Leibarzt Leopoldo Luque,
seiner Psychiaterin Agustina Cosachov und einem Psychologen, einem
weiteren Arzt, der medizinischen Koordinatorin der
Krankenversicherung und zwei Pflegern Totschlag vor. Alle Angeklagten
weisen die Vorwürfe zurück. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen
Freiheitsstrafen von bis zu 25 Jahren. Gegen eine weitere
Krankenschwester wird in einem abgetrennten Prozess verhandelt. 

Maradona war am 25. November 2020 in einer privaten Wohnanlage im
Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Wenige Wochen
zuvor hatte er sich einer Gehirnoperation unterzogen. Nach
Einschätzung der Ermittler waren bei der häuslichen Pflege des
gesundheitlich schwer angeschlagenen Weltmeisters von 1986 massive
Fehler gemacht worden.

Das Verfahren wird in dem südamerikanischen Land aufmerksam verfolgt.
Maradona ist in Argentinien ein Nationalheld und wird von vielen
Menschen fast schon religiös verehrt.

«Wir werden es schaffen. Dir wird die Gerechtigkeit zuteilwerden, die
du verdienst, und alle, die uns ohne dich zurückgelassen haben,
werden dafür bezahlen», schrieb Maradonas Tochter Gianinna auf
Instagram, als der Termin für den neuen Prozess bekanntgegeben wurde.

Probleme bei der häuslichen Pflege von Maradona

Bei der häuslichen Pflege Maradonas nach der Gehirnoperation kam es
offenbar immer wieder zu Problemen, wie aus in argentinischen Medien
veröffentlichten Chatprotokollen hervorgeht. Einmal übergab sich
Maradona nach einem schweren Abendessen, einmal stürzte er in seinem
Zimmer.

Offenbar lehnte er selbst eine ständige Betreuung durch Pflegekräfte
ab, andererseits nahmen die Ärzte aber auch Warnhinweise nicht ernst
und äußerten sich abfällig über ihren Patienten. Eine neue Einweisu
ng
in ein Krankenhaus wurde wohl aus Image-Gründen verworfen.

In dem Haus im Viertel San Andres in Tigre nördlich von Buenos Aires
sollen Zeugenaussagen zufolge katastrophale Zustände geherrscht
haben. Fraglich ist zudem, ob das angemietete Haus in der privaten
Wohnanlage überhaupt für die Pflege eines kranken Menschen geeignet
war.

Viel deutet darauf hin, dass sich Maradona zuletzt mit Menschen
umgab, die mit dem Image des einstigen Superstars Geld verdienen
wollten. Den schlechten Gesundheitszustand des einstigen
Spitzensportlers verheimlichten die falschen Freunde mit allen
Mitteln. 

Sorge um finanzielle Einbußen

Offenbar fürchteten sie, von ihm unterzeichnete Verträge könnten
sonst für ungültig erklärt werden. Beispielsweise soll sein Umfeld
darauf bestanden haben, dass Maradona sich an seinem 60. Geburtstag
im Stadion seines Vereins Gimnasia y Esgrima La Plata zeigte, obwohl
er kaum gehen konnte und von zwei Begleitern gestützt werden musste.

Von seiner Familie hingegen wurde Maradona offenbar systematisch
abgeschirmt. Seine Tochter Giannina beschwerte sich öffentlich, dass
sie kaum Kontakt zu ihrem Vater aufnehmen könne. 

«Wir brauchen Gerechtigkeit. Wir wollen, dass Diego endlich in
Frieden ruhen kann», sagte Maradonas Ex-Freundin Verónica Ojeda
kürzlich in einem Interview der Zeitung «La Voz del Interior». «Jen
e,
die das alles getan haben, die Diego getötet haben, sollen ins
Gefängnis kommen.»

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