Nach Mondmission: Crew wird auf der Erde gefeiert Von Christina Horsten, dpa

Mehr als 2,3 Millionen Kilometer, neue Rekorde und Gänsehaut-Momente
bei der historischen Mondmission: Wie fühlt es sich an, so weit weg
von der Erde zu sein? Die Crew erzählt.

San Diego/Houston (dpa) - Die vier Astronauten, die als erste
Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes waren, sind
nach ihrer Rückkehr von ihren Familien, Freunden und Kollegen
gefeiert worden. «Danke, dass ihr uns den Mond wieder gezeigt habt»,
sagte Nasa-Chef Jared Isaacman bei einer Willkommens-Veranstaltung im
texanischen Houston an die US-Astronauten Christina Koch, Victor
Glover und Reid Wiseman sowie den kanadischen Astronauten Jeremy
Hansen gerichtet. «Danke, dass ihr uns den Planeten Erde wieder
gezeigt habt.»

Die Crew der «Artemis 2»-Mission war in einer Art großen Acht um den

Mond herum geflogen und hatte sich weiter von der Erde entfernt als
jemals Menschen zuvor. Nach rund zehn Tagen im All trafen die
Astronauten in der Nacht zum Samstag (MESZ) planmäßig im Pazifik nahe
San Diego auf. Die Crew wurde per Helikopter zu einem Schiff
gebracht, medizinisch untersucht und später weiter nach Houston
geflogen. 

«Ich habe noch nicht verarbeitet, was wir gerade gemacht haben, und
habe Angst, überhaupt anzufangen, es zu versuchen», sagte Glover auf
der Feier. 

«Es war nicht einfach, mehr als 200.000 Meilen von zu Hause entfernt
zu sein», sagte Wiseman. «Vor dem Start fühlt es sich an wie der
größte Traum der Erde, aber wenn man da draußen ist, will man einfach

nur wieder zurück zu Familie und Freunden. Es ist eine besondere
Sache, ein Mensch zu sein, und es ist eine besondere Sache, auf dem
Planeten Erde zu sein.» Koch sagte, die Erde habe sich von weitem
angefühlt wie ein «Rettungsboot».

Landung ist kompliziert

Die Landung war ein kompliziertes Manöver, bei dem die «Orion»-Kapsel

zeitweilig eine Geschwindigkeit von bis zu 38.400 Kilometern pro
Stunde erreichte, was die Astronauten extremen körperlichen
Belastungen aussetzte. Mit einem speziellen Schild wurden die
Astronauten vor der extremen Hitze geschützt, der die Kapsel beim
Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ausgesetzt ist. Für rund sechs
Minuten fiel dabei planmäßig die Kommunikation mit dem
Kontrollzentrum aus. Mit Hilfe von Fallschirmen kam die Kapsel
anschließend abgebremst im Pazifik auf. 

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst (49) sieht mit der Mondmission
eine neue Ära in der Raumfahrt-Forschung angebrochen. Das sei die
zweite Welle der Exploration des Mondes, um den Weltraum zu erkunden,
sagte er am Samstagmorgen im Deutschlandfunk. «Da geht es nicht mehr
darum, Flaggen aufzustellen wie in der ersten Welle.» Nun gehe es
darum, permanent präsent zu sein auf der Mondoberfläche als
Wissenschaftler und Wissenschaftlerin. «Das wichtigste Ergebnis
hierbei ist, dass das Raumschiff funktioniert.»

Die europäische Raumfahrtbehörde Esa hatte das sogenannte European
Service Module (ESM) geliefert, das maßgeblich in Bremen
zusammengebaut wurde. Es versorgte die Astronauten unter anderem mit
Sauerstoff, Wasser und Strom und stellte zudem den Antrieb für die
«Orion»-Kapsel, in der sie zum Mond flogen. Die Esa ist auch
weiterhin dabei. «Die Module für die Missionen «Artemis 3» und 4 si
nd
schon geliefert», sagte Daniel Neuenschwander, Esa-Direktor für
astronautische und robotergestützte Raumfahrt, der dpa. An dem Modul
seien 13 europäische Länder beteiligt gewesen.

Erste Menschen in der Nähe des Mondes seit mehr als 50 Jahren

Die vier Astronauten waren die ersten Menschen seit mehr als 50
Jahren in der Nähe des Mondes. Sie waren in der vergangenen Woche an
Bord der «Orion»-Kapsel mit dem Raketensystem «Space Launch System»

vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida
abgehoben.

Für Glover, Koch und Wiseman war es der zweite Flug ins All, für
Hansen der erste. Koch wurde zur ersten Frau an Bord einer
Mondmission der Nasa, Glover zum ersten nicht-weißen Menschen und
Hansen zum ersten Kanadier. 

Insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurückgelegt

Der Flugverlauf von «Artemis 2» glich insgesamt einer Acht um Erde
und Mond. Die vier Astronauten legten insgesamt mehr als 2,3
Millionen Kilometer zurück. Sie entfernten sich weiter von der Erde
als je ein Mensch zuvor: Mit ihrer «Orion»-Kapsel knackten sie den
1970 aufgestellten Rekord der «Apollo 13»-Mission von rund 400.171
Kilometern. Am weitesten Punkt waren sie rund 406.771 Kilometer von
der Erde entfernt.

Bei ihrem Flug beobachteten die Astronauten auch die Rückseite des
Mondes und konnten aufgrund der Sonnenverhältnisse Dinge sehen, die
nie ein Mensch zuvor mit eigenen Augen gesehen hat. Für rund 40
Minuten war es währenddessen für die Astronauten, wie vorab erwartet,
nicht möglich, mit dem Kontrollzentrum auf der Erde zu
kommunizieren. 

In einer besonders bewegenden Initiative benannte die Crew einen
zuvor namenlosen Mondkrater nach der 2020 im Alter von 46 Jahren an
Krebs gestorbenen Ehefrau ihres Kommandanten Wiseman. Er soll nun
Carroll-Krater heißen. 

Schließlich konnten die Astronauten - mit speziellen Brillen - noch
eine Sonnenfinsternis beobachten, bei der die Sonne aus der
Perspektive der «Orion»-Kapsel hinter dem Mond verschwand.

Bislang zwölf US-Amerikaner auf dem Mond

Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong.
Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017
gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan den Erdtrabanten. Insgesamt
brachten die USA als bislang einziges Land mit den «Apollo»-Missionen
von 1969 bis 1972 zwölf Astronauten auf den Mond. 

«Artemis 2» soll nun ein großer Schritt in Richtung eines neuen
Mondprogramms sein - mit dem Ziel von bemannten Landungen und dann
einer permanenten menschlichen Präsenz auf dem Erdtrabanten. Schon
bald solle die Crew für die nächste geplante Mondmission «Artemis 3
»
bekanntgegeben werden, hieß es von der Nasa. Eine Mondlandung ist
erst 2028 für die Mission «Artemis 4» geplant. Der Weg zum Mond sei
offen, sagte Nasa-Manager Amit Kshatriya. «Aber es liegt mehr Arbeit
vor uns als hinter uns.»

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