Berliner Traditionsmarke Mampe eröffnet Museum

Der erste Magenbitter entstand als Cholera-Mittel. Später folgten
eigene Mampe-Stuben und Exporte in alle Welt. Die neue Ausstellung
zeigt alte Kneipenschätze und sucht noch nach einem Pudel.

Berlin (dpa/bb) - Die traditionsreiche Berliner Schnapsmanufaktur
Mampe bekommt ein Museum. In der Manufaktur in Kreuzberg entsteht ein
Ausstellungsbereich mit Objekten aus fast zwei Jahrhunderten
Geschichte. Anfang Juli soll es losgehen, wie Geschäftsführer Florian
Löhlein der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der Eintritt sei
kostenlos, Interessierte könnten unter der Woche zwischen 10.00 und
18.00 Uhr vorbeikommen, samstags zwischen 12.00 und 18.00 Uhr.

«Wir machen die uralten Rezepte live vor Ort», so Löhlein. Wer
vorbeikomme, könne also auch gleich etwas probieren oder kaufen.

«Es startete 2007 in meiner Wohnung»

In der Ausstellung gezeigt werden unter anderem originale Möbelstücke
aus den historischen Mampe-Stuben, Aschenbecher, Gläser und
Wandbilder aus den Kneipen und Bars, alte Fotos und eine Kopie der
Approbationsurkunde von Carl Mampe. Insgesamt 330 Objekte gibt es den
Angaben nach zu sehen.

Kuratorin der Ausstellung ist Karin Erb. Aus Neugier begann die
Pädagogin sich vor 25 Jahren für Mampe zu interessieren, führte
Gespräche mit Zeitzeugen und sammelte Mampe Objekte, die sie
schließlich privat ausstellte. «Es startete 2007 in meiner Wohnung»,

erzählt sie. Irgendwann sei die Nachfrage so groß gewesen, dass sie
die Objekte in einer Ladengalerie ausstellte. Nach einer Pause soll
die Sammlung nun in der Mampe Manufaktur zu sehen sein. Es sei toll,
so alte Geschichte wieder zum Leben zu erwecken, sagt Erb.

Likör wurde als Medizin in Apotheken angeboten

Der Berliner Sanitätsrat Carl Mampe entwickelte in den 1830er Jahren
einen Magenbitter, der gegen Cholera helfen sollte, und später als
Likör vertrieben wurde. Aus dem Geschäft entwickelte sich eine
Spirituosenmarke mit mehr als 70 Produkten. Ein weißer Elefant ist
bis heute das Logo.

In Deutschland wurden die Mampe Liköre und Schnäpse in eigenen
Lokalen ausgeschenkt, den sogenannten Mampe-Stuben. Die Erste
entstand in der Friedrichstraße. Der Kräuterlikör «Halb und Halb»
aus
Kräutern und Bitterorangen wurde dort für 25 Pfennig ausgeschenkt.
Nebenan gab es eine zweite Ausschankstube, speziell für Arbeiter, in
denen der Likör nur 15 Pfennig kostete.

Weitere Ausstellungsstücke gesucht

Nachdem das Unternehmen eigenen Angaben zufolge beinahe in der
Versenkung verschwand, kehrte es 2012 zurück. Heute werden die
Spirituosen in der Kreuzberger Manufaktur hergestellt. Das Sortiment
bietet laut Löhlein 15 Produkte.

Für die Ausstellung suchen Löhlein und Erb weitere historische
Objekte und Erinnerungsstücke. «Helfen Sie mit, Berlins flüssiges
Erbe sichtbar zu machen», so der Aufruf. Dringend gesucht werde ein
großer Mampe-Pudel aus Porzellan, der früher in Kneipen ausgestellt
worden sei.

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