Möwen könnten blasige Haut von Buckelwal Timmy aufpicken

Der vor Wismar in der Ostsee gestrandete Wal wird vermutlich sterben.
Gerettet werden kann er nicht. Warum Experten eine aktive Tötung des
kranken Wals in Mecklenburg-Vorpommern ausschließen.

Wismar (dpa) - Der vor Wismar in der Ostsee gestrandete Buckelwal
befindet sich Experten zufolge im Sterbeprozess. Dass er nicht auf
die Boote reagiere, sei ein Zeichen dafür, sagte Bianca König von der
Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC)
Deutschland der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wie lange der
Sterbeprozess dauert, hänge von verschiedenen Faktoren ab. 

«Der Wal hat mehrere Baustellen, die ihn beeinträchtigen und dafür
sorgen werden, dass er sterben wird.» Es könne heute Abend passieren,
aber auch erst in drei Tagen. Falls der Wal eine Stunde nicht atme,
sei das ein Zeichen dafür, dass er tot sei. 

Großes Gewicht kann zum Tod beitragen

Das Hauptproblem sei das Gewicht des Tieres und die geringe
Wassertiefe: «Wale brauchen die Schwerelosigkeit im Wasser, das
Gewicht wird immer weiter auf die Organe drücken, das führt zu
Organversagen und Kreislaufkollaps», sagte König. «Es hängt davon a
b,
wie viel Auftrieb er im Wasser hat und vom Gesamtzustand.»

Auch die durch den geringen Salzgehalt des Wassers geschädigte und
eingerissene Haut sei ein Problem: «Es bilden sich Blasen und die
werden von Möwen angepickt.» Dann könnten Pilze und Bakterien die
Wunden besiedeln und sich auf den ganzen Organismus auswirken, was
den Wal zusätzlich schwäche.

In den vergangenen Tagen gab es zudem Diskussionen über das mögliche
Fischereinetz im Maul. Ein großer Teil des Netzes - 50 bis 70 Meter -
sei bereits Anfang März entfernt worden, hatte das Umweltministerium
in Schwerin mitgeteilt. Reste des Netzes können sich aber
möglicherweise noch im Wal befinden.

Erschießen ist keine Option

Den Wal zu töten und von seinem Schicksal zu «erlösen» sei aktuell

keine Option, sagte König der dpa. 

Die Option Einschläferung sei vom Tisch, weil darüber bei so großen
Säugetieren in der Praxis zu wenig bekannt sei. Es bestehe die
Gefahr, dass die sedierenden Medikamente, die vor der Tötung
verabreicht werden, zu gering dosiert werden. «Man kann nicht
ausschließen, dass er die Tötung bei vollem Bewusstsein miterlebt»,
sagte die Expertin. Auch eine Überdosierung könne zu Komplikationen
führen. 

Im besten Fall werden Tiere sediert und schlafen friedlich ein und
bekommen dann ein Mittel zur Tötung verabreicht. Das könne bei Timmy
aber nicht sichergestellt werden. 

Sprengung des Wal-Kopfes

Auch das Tier zu erschießen, komme nicht infrage, unter anderem, weil
schwierig abzuschätzen ist, wohin der Schuss gesetzt wird. Mögliche
Mehrfachschüsse können dann nicht ausgeschlossen werden. 

Die radikalste, aber wahrscheinlich effektivste Methode wäre es,
einen Sprengsatz unter den Kopf zu legen und den Kopf zu sprengen,
sagte König. Das sei aber ethisch nicht vertretbar und auch aufgrund
der zuschauenden Menschen keine Möglichkeit. Zudem könne die Methode
dazu führen, dass der Wal reißt und die Proben für eine spätere
wissenschaftliche Analyse unbrauchbar werden.

«Alle drei Möglichkeiten der aktiven Tötung wurden ausgeschlossen,
und entschieden, den Wal auf natürliche Weise sterben zu lassen»,
betonte König.

Wal kann nicht gerettet werden

Nach diversen wissenschaftlichen Untersuchungen der vergangenen Tage
hatten Experten zuletzt bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel
mitgeteilt, dass das Tier weder lebend geborgen werden soll, noch
sich aus eigener Kraft werde befreien können. Rettungsversuche werden
ausgeschlossen. Würde man versuchen, den Wal etwa mit Gurten oder
Seilen anzuheben, bestehe die Gefahr, die Haut abzuziehen. 

Der Patient sei «schwerstkrank», sagte Mecklenburg-Vorpommerns
Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Dienstag.

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