Pflegekette Ambiente Care Süd meldet Insolvenz an

Erst ein Dementi - und nun doch: Die Pflegekette Ambiente Care Süd
ist insolvent. Trotz finanzieller Schieflage sollen aber laut
Insolvenzverwalter Pflegeheime weiterlaufen.

München (dpa) - Der Pflegeheimbetreiber Ambiente Care Süd ist
insolvent. Die Kette habe beim Amtsgericht München Insolvenzantrag
gestellt, teilte der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte
Rechtsanwalt Hubert Ampferl mit. Das Amtsgericht veröffentlichte eine
entsprechende Bekanntmachung. Mehrere Medien hatten darüber
berichtet. 

In mehreren Häusern war es zu Problemen gekommen. Vergangene Woche
hatte das Unternehmen allerdings noch auf Anfrage der Deutschen
Presse-Agentur mitgeteilt: «Wir dementieren ausdrücklich die Gerüchte

einer Insolvenz.» 

Seitens des vorläufigen Insolvenzverwalters hieß es nun, Pflege- und
Betreuungseinrichtungen sollten fortgeführt werden. Seinen Angaben
zufolge beschäftigt die Ambiente Care Süd GmbH rund 740 Mitarbeiter.
Die Gesellschaft betreibt demnach derzeit an sechs Standorten
Seniorenresidenzen und Pflegeheime mit 585 Bewohnern. 

Einzelne Häuser schon geschlossen 

Weitere sind bereits geschlossen, wie der vorläufige
Insolvenzverwalter weiter erläuterte. Dazu zählt ein Pflegeheim in
Laatzen bei Hannover; es war vergangene Woche durch die Heimaufsicht
geschlossen worden. Diese hatte den Betrieb des Pflegeheims bis auf
weiteres untersagt, nachdem an einem Tag lediglich drei Pflegekräfte
und einige Reinigungs- und Küchenkräfte zum Frühdienst erschienen
waren. Die 59 Bewohnerinnen und Bewohner wurden auf andere
Pflegeeinrichtungen verteilt. 

Auch der einzige bayerische Standort in Gröbenzell bei München wurde
geschlossen. Das zuständige Landratsamt Fürstenfeldbruck teilt dazu
mit, der Träger habe dem Landratsamt mitgeteilt, die Einrichtung zum
1. April dieses Jahres zu schließen. Zuvor war demnach die letzte
Bewohnerin aus dem Heim ausgezogen und der Betrieb somit faktisch
eingestellt. 

Betrieb in Unna mit weniger Bewohnern vorerst gesichert 

Im nordrhein-westfälischen Unna bei Dortmund ist eine drohende
Schließung der Seniorenresidenz vorerst abgewendet, wie ein Sprecher
des Kreises Unna mitteilte. Dort gab es Probleme mit der Auszahlung
von Gehältern. Ein Teil der 42 Bewohner war demnach vor Ostern
ausgezogen, über die Feiertage verließen weitere Personen die
Residenz. Es wohnten dort jetzt noch 20 Menschen, für deren Betreuung
weniger Personal gebraucht werde, schilderte der Kreis-Sprecher. 

In Velbert übernimmt ein neuer Betreiber ab 1. Mai 

Das Heim in Velbert - ein zweiter Standort in NRW - und auch die
Einrichtung Rotenburg in Niedersachsen wird das Unternehmen Rhemia
Residenzen GmbH zum 1. Mai als neuer Betreiber übernehmen, wie dessen
Geschäftsführer Michael Müller der Deutschen Presse-Agentur sagte.
Beide Heime stehen nach seinen Angaben bereits seit Dienstag in
Kontakt mit dem Insolvenzverwalter. Die Einrichtung in Velbert hat
Platz für 80 Bewohnerinnen und Bewohner, in Rotenburg sind es Müller
zufolge rund 110 Plätze. 

Wie es zu der Schieflage kam 

Die Einrichtungen der Ambiente Care Süd sähen sich erheblichen
branchenspezifischen Herausforderungen ausgesetzt, erläuterte der
vorläufige Insolvenzverwalter die Schieflage. Zu schaffen machten dem
Betreiber demnach gestiegene Sach- und Personalkosten,
Fachkräftemangel sowie fortlaufende gesetzliche und regulatorische
Veränderungen. 

Eine Zwischenfinanzierung zur Umsetzung von
Restrukturierungskonzepten sei seitens eines Investors zugesagt
gewesen, habe dann aber nicht realisiert werden können. Der daraus
folgende Liquiditätsengpass habe zu Zahlungsrückständen gegenüber
Arbeitnehmern und Dienstleistern geführt. 

Alle Optionen werden geprüft 

Ampferl kündigte an, in Abstimmung mit Einrichtungsleitungen und
Heimaufsicht ein Lagebild zu erstellen. Für jeden einzelnen Standort
solle die Betreuungssituation und die weitere Betreuungsperspektive
geprüft werden. Dabei stehe «die verlässliche Versorgung und
pflegerische Betreuung der Bewohner» im Vordergrund, unterstrich
Ampferl. Der Stand bei Lohn- und Mietzahlungen werde ebenfalls
ermittelt. Der von der Bundesagentur für Arbeit gewährte
Insolvenzgeldschutz könne nun in Anspruch genommen werden. 

Alle Optionen zum Erhalt der Seniorenresidenzen und Pflegeheime
würden untersucht. Auch eine Übernahme durch neue Träger komme in
Betracht. Ampferl wolle geeignete Erwerber in den kommenden Tagen
gezielt ansprechen.

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