Crew von Mond-Mission «Artemis 2» feiert Rekorde Von Christina Horsten, dpa
Höhepunkt zur Hälfte der Mission: Die «Artemis 2»-Crew entfernt sic
h
weiter von der Erde als je Menschen zuvor. Der Mond-Tag bringt für
die Crew dutzende Highlights - und eine besondere Einladung.
Cape Canaveral (dpa) - Die Crew der «Artemis 2»-Mondmission hat sich
weiter von der Erde entfernt als jemals Menschen zuvor. Die vier
Astronauten knackten mit ihrer «Orion»-Kapsel den 1970 aufgestellten
Rekord der «Apollo 13»-Mission von rund 400.171 Kilometern, wie die
US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. Am weitesten Punkt waren sie im
weiteren Verlauf rund 406.771 Kilometer von der Erde entfernt.
Mit ihrer Mission wollten sie auch alle ihre Vorgänger in der
bemannten Raumfahrt ehren, sagte der kanadische Astronaut Jeremy
Hansen. «Wir wählen diesen Moment, um diese Generation und die
nächste herauszufordern, sicherzustellen, dass dieser Rekord nicht
lange hält.» Das Kontrollzentrum gratulierte den vier Astronauten.
US-Präsident Trump feiert Astronauten als «moderne Pioniere»
Einige Stunden später gratulierte auch US-Präsident Donald Trump der
Crew bei einer Live-Schalte - und lud sie nach ihrer Landung auf der
Erde zu einem Empfang ins Weiße Haus ein. «Ich freue mich darauf,
euch im Oval Office zu sehen», sagte Trump. «Wie ihr wisst, war ich
auch ziemlich beschäftigt in letzter Zeit, aber wir werden die Zeit
finden.»
Bei dieser Gelegenheit werde er sie auch um ihre Unterschriften
bitten, sagte Trump weiter. Das mache er nicht oft - «aber ihr seid
wirklich etwas ganz Besonderes». Trump bezeichnete die Astronauten
als «moderne Pioniere».
Neben dem Entfernungsrekord zur Erde flog die Crew - bestehend aus
Hansen sowie den US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover und
Reid Wiseman - am 6. Flugtag auch so nah am Mond vorbei wie zu keinem
anderen Zeitpunkt während ihrer Mission. Die vier Astronauten in der
«Orion»-Kapsel näherten sich dem Erdtrabanten auf rund 6.545
Kilometer. Eine Landung war bei dieser Mission nicht geplant.
Dinge sehen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat
Bei ihrem Flug um den Mond herum beobachteten die Astronauten den
Himmelskörper rund sieben Stunden lang ganz besonders intensiv.
Insbesondere auf der Rückseite des Mondes konnten sie dabei auch
aufgrund der Sonnenverhältnisse Dinge sehen, die nie ein Mensch zuvor
mit den eigenen Augen gesehen hat.
Für rund 40 Minuten war es währenddessen für die Astronauten, wie
vorab erwartet, nicht möglich, mit dem Kontrollzentrum auf der Erde
zu kommunizieren. «Ich habe ein kleines Gebet gesagt, aber dann
musste ich weitermachen», kommentierte Glover dazu eine entsprechende
Frage von US-Präsident Trump. «Wir waren hier sehr beschäftigt und es
war eigentlich sehr schön.» Unter anderem hätten sie mit kanadischen
Ahorn-Keksen gefeiert. Es sei aber auch gut gewesen, anschließend
wieder von der Erde zu hören, sagte Koch. «Letztendlich entscheiden
wir uns immer für die Erde. Wir werden uns immer für uns gegenseitig
entscheiden.»
«20 neue Superlative» für Sonnenfinsternis im All
Gegen Ende des Vorbeiflugs am Mond konnten die Astronauten - mit
speziellen Brillen - sogar noch eine Sonnenfinsternis beobachten, bei
der die Sonne aus der Perspektive von «Orion» hinter dem Mond
verschwand. «Das ist nach wie vor völlig irreal», kommentierte
Glover. «Wow, es ist unglaublich.» Menschen seien wahrscheinlich noch
gar nicht entwickelt dafür, so etwas zu sehen. «Es ist wirklich
schwer zu beschreiben. Es ist unglaublich.» Wiseman bat das
Kontrollzentrum um «20 neue Superlative».
Die vier Astronauten sind die ersten Menschen seit mehr als 50 Jahren
in der Nähe des Mondes. Sie waren in der Nacht zum Donnerstag (MESZ)
an Bord der «Orion»-Kapsel mit dem Raketensystem «Space Launch
System» vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida
abgehoben - und sind jetzt auf dem Rückweg zur Erde. Nach insgesamt
rund zehn Tagen sollen sie Ende der Woche im Pazifik wieder auf der
Erde aufkommen. «Wir fliegen zur Erde und sind bereit, euch
heimzubringen», sagte die kanadische Astronautin Jenni Gibbons im
Kontrollzentrum. Koch in der «Orion»-Kapsel sagte allerdings, sie sei
eigentlich noch nicht bereit, wieder nach Hause zu fliegen.
Flugverlauf gleicht einer Acht um Erde und Mond
Für Glover, Koch und Wiseman ist es der zweite Flug ins All, für
Hansen der erste. Koch ist die erste Frau an Bord einer Mondmission
der Nasa, Glover der erste nicht-weiße Mensch und Hansen der erste
Kanadier.
Der Flugverlauf von «Artemis 2» gleicht insgesamt einer Acht um Erde
und Mond. Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3
Millionen Kilometer zurücklegen.
Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong.
Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017
gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan mit der «Apollo 17»-Mission
den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bislang einziges
Land mit den «Apollo»-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf
Astronauten auf den Mond.
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