US-Zölle: Pharmabranche fürchtet um europäische Standorte
Hersteller sehen Risiken für Produktion, Forschung und Patienten.
Denn die US-Zölle sind nicht nur eine Einnahmequelle für Washington.
Sie sollen auch Pharmakonzerne in die Vereinigten Staaten locken.
Berlin/Basel (dpa) - Arzneimittel-Hersteller in Deutschland und der
Schweiz sehen in den neu angekündigten US-Zöllen auf Pharmaprodukte
eine Bedrohung für europäische Produktionsstandorte. «Mittelfristig
besteht die Gefahr, dass Teile der Produktion und Forschung in die
USA abwandern», wo regulatorische und finanzielle Anreize locken,
hieß es vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) in
Berlin. Der Schweizer Verband Interpharma warnte vor negativen
Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten.
Die US-Regierung will Pharmakonzerne mit einem Aufschlag von 100
Prozent dazu bewegen, sich in den USA anzusiedeln. Deutschland und
alle anderen EU-Staaten sowie die Schweiz, Japan und Südkorea sind
jedoch wegen separater Abkommen davon ausgenommen. Für sie gelten
Zollsätze bis zu 15 Prozent.
Warnung vor Folgen für Patienten weltweit
Dennoch bewerten die Pharmaverbände die angekündigten Maßnahmen als
massiven Eingriff in den Medikamenten-Markt. Die Zölle «gefährden die
globalen Produktions- und Lieferketten für Arzneimittel, behindern
Forschung und Entwicklung und schaden letztlich Patientinnen und
Patienten weltweit», warnte Interpharma in Bern.
Einzelne Hersteller können Zölle vermeiden, indem sie verstärkt in
den Vereinigten Staaten investieren und produzieren, und indem sie
dort ihre Preise senken. Unter anderem haben die Schweizer
Branchenriesen Novartis und Roche im Dezember entsprechende
Vereinbarungen mit der US-Regierung abgeschlossen.
Wegen des Drucks aus den USA stehen nun auch Investitionen am
deutschen Standort auf dem Prüfstand, wie VFA-Präsident Han Steutel
sagte. Umso wichtiger sei es, auch in Europa einen bedeutenden Markt
zu entwickeln. Der Branchenvertreter forderte niedrigere
Ansiedlungskosten, schnellere Verfahren und Innovationsförderungen.
«Ich würde mir wünschen, dass die Bundesregierung entschieden die
Belange des Wirtschaftsstandorts Deutschland in den Blick nimmt»,
sagte er.
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