Games und E-Sports: SPD setzt in Brandenburg mehr auf Jugend Von Oliver von Riegen, dpa

Die SPD steckt bundesweit in der Krise, in Brandenburg hat sie gerade
mit der CDU eine neue Koalition begonnen. Auch mit Blick auf die
nächste Landtagswahl will sie bei Jüngeren beliebter werden. Wie?

Potsdam (dpa/bb) - Die SPD will in Brandenburg verstärkt jüngere
Wähler ansprechen. Das soll nach Ansicht der Sozialdemokraten nicht
nur über soziale Medien gehen, sondern auch mit Themen, die die
Jugend interessieren. Die SPD-Landtagsfraktion hat mit Annemarie
Wolff seit Januar eine Sprecherin für Games und digitale Teilhabe -
und mit Lars Katzmarek seit März auch einen Sprecher für E-Sports.

«Entscheidend ist, dass wir als SPD in Brandenburg sichtbar junge
Themen vertreten und dies mit glaubwürdigen und überzeugenden
Gesichtern verbinden», sagte Generalsekretär Kurt Fischer der
Deutschen Presse-Agentur. «Annemarie Wolff und Lars Katzmarek sind
mit ihren Initiativen dafür sehr gute Beispiele.»

Wolff: Politiker müssen zu den Menschen gehen

Annemarie Wolff war schon als Kind «sehr computeraffin»: «Ich kann
mich noch sehr gut erinnern, wie wir die ersten Konsolen hatten»,
sagte sie. «Die digitalen Räume sind schon ganz lange Lebensrealität

von jungen Menschen. Wir müssen als Politikerinnen und Politiker
endlich verstehen, dass die Leute nicht zu uns kommen, sondern dass
wir zu den Menschen gehen.»

Die Chance für die SPD-Fraktion ist aus ihrer Sicht, eine stärkere
politische Aufmerksamkeit auf Themen wie E-Sports, Gaming und
digitale Räume zu haben. «Dann können wir dazu beitragen, dass wir
gesundheitsfördernde Standards etablieren und Themen wie Prävention
und Diversität mitdenken.»

Aufklärung statt Verbot

Die 35-Jährige aus Ludwigsfelde sieht im Netz große Tendenzen zur
Radikalisierung. «Im Bereich Rechtsextremismus und Islamismus werden
Spiele erstellt, um Leute für sich zu gewinnen.» Wolff setzt bewusst
nicht auf Verbote: «Risiken werden ernst genommen, aber sie sind kein
Argument für Rückzug, sondern für kluge Präsenz, Aufklärung und
Beteiligung», sagte sie.

Ihr Fraktionskollege Lars Katzmarek (33) aus Cottbus kennt
Computerspiele auch schon lange: «Ich bin früher auf Lan-Partys
gegangen, wir haben uns auf Dachböden gesetzt, uns im Keller
eingeschlossen, wie man das halt so gemacht hat zu der Zeit»,
berichtete der Abgeordnete, der auch Rapper ist. Irgendwann sei in
der SPD-Fraktion die Idee entstanden: «Wir wollen was mit Gaming und
E-Sports machen.»

Stiftung: 37,5 Millionen spielen Games

In Deutschland spielen 37,5 Millionen Menschen Games, wie aus Zahlen
der Stiftung Digitale Spielkultur hervorgeht. «Games sind natürlich
bei Kindern und Jugendlichen ein beliebtes Medium», sagte
Geschäftsführerin Nandita Wegehaupt Ende März im Bildungsausschuss
des Landtags. Doch nicht nur Jüngere daddeln gern: Das
Durchschnittsalter liegt laut Stiftung bei fast 40 Jahren.

Für die Gamescom im August in Köln - nach eigenen Angaben das größt
e
Games-Event der Welt - organisiert die SPD-Fraktion eine Delegation
aus Brandenburg, um dort Gespräche zu führen. «Gaming ist für viele

der erste Zugang zu digitaler Teilhabe, E-Sport die organisierte
Spitze davon», sagte die SPD-Abgeordnete Wolff.

Talentsuche für E-Sports 

In Berlin wird vom 15. bis 17. Mai der Brawl Cup veranstaltet, eine
der E-Sports-Meisterschaften. «Für Brandenburg könnte man sich
durchaus vorstellen, dass wir gucken, ob wir nicht Talente hier vor
Ort haben, die wir pushen können», sagte Wolff. Ihr Kollege Katzmarek
betonte: «Wir haben mit E-Sports etwas aufgetan, worüber ganz viele
Leute reden.»

Der Lausitzer will mit einem Vorurteil aufräumen: «Wenn man E-Sport
sagt und mit einem klassischen Sportler darüber redet, hört man oft
irgendwie: Ist ja gar kein Sport. Es hat aber sehr wohl was damit zu
tun.» Die Spieler würden von richtigen Teams aus Sporttrainern,
Psychologen, Ärzten und Physiotherapeuten trainiert.

Forscher: Bei der Jugend mehr mobilisieren

Der Politikwissenschaftler Jan-Philipp Thomeczek hält die Strategie
mit Themen wie Games und E-Sports für «wirklich sinnvoll». «Die
Erstwähler gehen recht häufig wählen, dann sinkt die Wahlbeteiligung

in den Altersgruppen ab, steigt erst so ab den 30ern wieder», sagte
der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität Potsdam.

«Das heißt, dass man bei den Jüngsten noch mehr mobilisieren kann.»

Er betont: «Wichtig wäre es, dass man eben auch Themen der jungen
Generation anspricht.»

SPD will Vertrauen zurückgewinnen 

Bei der Brandenburger Landtagswahl 2024 lag die AfD bei den 16- bis
24-Jährigen mit 31 Prozent vorn vor der SPD mit 19 Prozent, wie eine
Analyse von Infratest dimap ergab. Seit März 2026 regiert eine
SPD/CDU-Koalition. Die Jusos waren zum Start allerdings kritisch und
vermissten Projekte für junge Menschen, wie die SPD-Jugend
klarmachte.

Mit der Strategie für Jüngere will sich die SPD auch besser
aufstellen auf dem Weg zur nächsten Landtagswahl 2029. «Es muss um
den Fokus auf die Interessen und die analoge sowie digitale
Lebensrealität junger Menschen in unserem Land gehen - im Speckgürtel
genauso wie im ländlichen Raum», sagte der 26-jährige
SPD-Generalsekretär Fischer. «Im Schulterschluss mit unserem
Jugendverband, den Jusos, können wir dabei mit harter
Überzeugungsarbeit Stück für Stück Vertrauen zurückgewinnen.»

BKK firmus: Auch 2026 günstigste Krankenkasse

In drei Minuten in die BKK firmus wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der BKK firmus. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.

Jetzt der BKK firmus beitreten



Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK

Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.

Jetzt der TK beitreten





Zur Startseite